Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Lenbachhausfassade & das zweitausendzweihundertfünfundvierzigste Gedicht

    Die Fassade vom Lenbachhaus

    Frische Nächte

    So vieles ist schon im Verschwinden
    Und für dich ist’s gerade erst da.

    Einer Euphorie fehlt es an Sinn, denn
    Vorm Toast und Trost spricht ein Babar.

    Dein Erfinden wär höchstens Bewahren
    Und der Zweifel nimmt ganz vorne Platz –
    Den juckt’s nur so vor Kommentaren.

    Und nach reiflicher Abwägung hat’s
    Schon genug an erneuertem Anlauf gegeben
    Für unüberblickbare Massen an Leben.

    Schüttert’s trotzdem durch dich,
    Rotz und Trotz hält nichts auf?

    So wart nicht auf mich –
    Stemm die Eisen und lauf!


  • Flowers forever & das zweitausendzweihundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Trockenblumeninstallation in der Ausstellung "Flowers Forever" in der Kunsthalle München

    Rückenschmerz

    Hab Autschn! in mei’m Rücken,
    Schau sauzerknautscht beim Bücken,
    Die Mimik blitzelt zerrig,
    Ein Blitz wird meiner herrig.

    Hab Autschn! in mei’m Rücken.
    Es keift beim Schwerterzücken
    Ins einstige Beweglich
    Der Schmerz: „Kerl, ich zersäg dich!“

    Ein Stich, der meinen Körper brät,
    Schreit, er sei nun Normalität!

    Doch dann winkt zaghaft Besserung,
    Die nach und nach bestimmt,
    Dass rabiater Messerschwung
    In Fuchtelei verdimmt …


  • Sudetenmuseum & das zweitausendzweihundertsechzehnte Gedicht

    Die Fassade vom Sudetendeutschen Museum München

    Weltweiten

    Ein Vormittag vorm Monitor
    Kommt mir erheblich kürzer vor

    Als, sagen wir, am Strand
    Von einem fernen Land.

    Es gilt, man kann sich schadlos aalen
    In Bildschirm- oder WLAN-Strahlen,
    Derweil das treue Sonnenlicht
    Zu tief in unsre Häute sticht.

    Mein Körper widerspricht
    So vehement wie schlicht.

    Gewiss gereicht es ihm zum Test,
    Was man an Spuren hinterlässt:
    Dort von zig Cookies angezapft,
    Dort barfuß in den Sand gestapft.
    So lässt sich für ein Wohlbefinden
    Kein besseres Symbol wohl finden

    Als, sagen wir, der Strand
    Von einem fernen Land.


  • Barberinischer Faun & das zweitausendzweihundertfünfte Gedicht

    Der Barberinische Faun in der Glyptothek München

    Partyheimweg

    Grad da, wo ich grad pinkeln will,
    Wohnen Obdachlose
    Und die schau’n mit ’nem Look-to-kill
    Auf meine off’ne Hose.
    Auf „Was für’n Druck mich grade plagt,
    Das wollt ihr gar nicht wissen!“
    Entgegnen sie (sehr ungefragt),
    Dass sie tagtäglich pissen –
    Nur tun sie’s ohne ohne Not
    Verzusätzlichte Krisen.
    Mich fragt da: Gilt das auch für Kot,
    Fürs Rülpsen und fürs Niesen?!
    Manch Mensch schnurrt lässig „Let it out!“
    Beim Not Dürfte Verrichten.
    Nur mir ist es so Not Allowed –
    Ich muss darüber dichten!


  • Trümmerkreuz & das zweitausendzweihunderterste Gedicht

    Der Luitpoldhügel, auf dem das Bronzekreuz steht, wurde aus dem Trümmerschutt der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Gebäuden Münchens aufgeschüttet.

    Give peace a chance – ein Akrostichon

    Gegebenenfalls
    Interesse
    Vermelden!
    Eh ein Kuschelbedürfnis nach Schlachtfeld und Helden
    Perturbiert
    Ethikbasen mit
    Ambivalenz –
    Choraleinsam singt sich grad „Give Peace a Chance“.
    Entsetzensentstellt
    Attackiert man
    Charakter,
    Höhnt hastig den Paz zu ’nem -ismus-ad-acta.
    Aufrüstungsbrüstend wird kühn überblendet:
    Normal ist Gewalt das, was
    Chancenlos
    Endet!


  • Doha Airport & das zweitausendeinhundertdreiundneunzigste Gedicht

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    Dem Gähnen

    Die letzten Kostbarkeiten blinken
    Im zur Rarität schwindenden Alltagsmoment
    Und egal, wie gelöst wir aufs Wohl von uns trinken –
    Es löscht nicht den Fakt, dass die Zündschnur längst brennt.

    Gönnt euch diesen Tränenquell, Freunde! Ihr wisst es:
    Das Gähnen von heut ist ein bald schon Vermisstes.

    Doch letzte Kostbarkeiten laden
    Uns diesen Tags noch zu Umarmungen ein
    Und wir singen den Schlager von Fräul‘n Helens Waden,
    Woll‘n der Jukebox den Sprung in der Platte verzeih‘n.

    Gönnt euch diesen Tränenquell, Freunde! Ihr wisst es:
    Das Gähnen von heut ist ein bald schon Vermisstes.

    Nun gilt hier keinem mehr als kostbar,
    Was zu unserer Zeit auch nur landläufig war.
    Wir zwängen den Trott zwischen Hostie und Popstar
    Und beugen uns aller Verklärungsgefahr.

    Gönnt euch diesen Tränenquell, Freunde! Ihr wisst es:
    Das Gähnen von heut ist ein bald schon Vermisstes.


  • Wittelsbacherplatz & das zweitausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

    Fotoausstellung am Wittelsbacher Platz

    Münchner Spätherbstsommertag

    Hochselig sprüht Genügsamkeit,
    Wo Münchner heut flanieren,
    Sprotzt vor gesotten satter Zeit,
    Hilft feist beim Herbst-Negieren.

    Und jeden freut’s in Warteschlangen
    Brav sich einzureihen.
    Klar, teuer wird’s, doch s’wird auch langen!
    Keinesfalls zu zeihen
    Wär, dieses werte Wetterglück
    Nicht vollends auszunutzen
    Und dann der Wolkenfront verzük-
    Kungssturköpfig zu trutzen!

    Durch München schwelgt der schöne Schwur:
    Es kann uns nichts passieren!
    Jed Dämpfer lädt zur Wellnesskur,
    Zum ungestüm Flanieren.


  • Eine von 6.700 & das zweitausendeinhundertvierundsechzigste Gedicht

    Felsen in der 6.700-Inselwelt von Aland

    (…) II

    Ich liege bar in einem Strom – 
    Nur Himmelblau und Wolken. 
    Beim Reset auf mein Erstgenom 
    Werd ich vom Fluss gemolken.
    Ein sprudelnd Dudeldiedelei 
    Bespült und kühlt mein Köpfchen high – 
    Nur Himmelblau und Wolken.
    Und nun ersäuft’s mir allen Reim 
    Im murmelndgurgelnden Daheim – 
    Nur Himmelblau und Wolken. 

    Es umströmt und umströmen mich Reinheit und Klarheit 
    Wie göttlich zur Wurzel gereichende Wahrheit  – 
    Nur Himmelblau und Wolken. 

    Bis Narrenhandwerk, ungeübt,
    Den Fluss zu solch Erkenntnis trübt,
    Das stolz zu dies erlaubt sich glaubt
    Und sich im Raubbau selbst beraubt,
    Im Immergrau der Wolken.

    Ausarbeitung/Fortsetzung vom gleichnamigen Text vom 22. Juli 2022


  • ABBA & das zweitausendeinhundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Im Abba-Museum Stockholm

    Im ABBA-Museum

    Der Vorwurf des Allzu-Gemachten
    Rinnt dahin im Schon-längstens-gemacht.
    Ein Chorus des einstmals Verlachten
    Schien heut Abend von Grund auf durchdacht
    Und wird es am morgigen Tage noch sein –
    Verhallt ist allein
    Mein schon sehr altes „Nein!“.
    Und froh begrüßt kehrt Ruhe ein,
    Beweis meiner Gelassenheit
    (Derweil noch wer „Mehr Hassen!“ schreit).

    Von Niederlage zu reden, befind ich,
    Wär schlichtweg sehr unangemessen.
    Auch tanzend verbleibt mir jed Grundsatz verbindlich –
    Die Härte allein ist vergessen.


  • Willkommen Bratislava & das zweitausendeinhunderterste Gedicht

    Stadtwappen in der altstadt von Bratislava

    Die Schnurren der Copycats

    Wer hat da mit meinem Mündchen gegessen?
    Wer hat mit meinem Durst geschlürft?
    Wer hat hier mit meinem Maßstab gemessen?
    Und wer hat gesagt, dass ihr all dieses dürft?

    Wer hat mit meinem Riecher gerochen?
    Wer hat so früh meine Koffer gepackt?
    Niemand von euch fühlt sich angesprochen?!
    Vorsicht, Folks – ich glaub, es hackt!

    Wer hat da grad mein Gedächtnis verloren?
    Wer hat hier frech meine Story kopiert?
    Wer wurd zum Ziel meiner Preise erkoren?
    Wer hofft, dass das eh keine Sau interessiert?

    Wer hat sich stumm in mein Bettchen gelegt?
    Wer hat diesem Häuschen Besitz ausgefegt?
    Wer ist fortan meiner Reise Begleiter?

    Der schreibe selber mein Textchen nun weiter!


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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