Stille Wasser sind tief.
Karrieretief
Ich war mal important im Exportgeschäft
Then i ended up in a Start-Up …
Ach, schenkt mir ein Lächeln, wenn ihr mich mal trefft!
Weil ich schon so lang drauf gespart hab …
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.

Stille Wasser sind tief.
Karrieretief
Ich war mal important im Exportgeschäft
Then i ended up in a Start-Up …
Ach, schenkt mir ein Lächeln, wenn ihr mich mal trefft!
Weil ich schon so lang drauf gespart hab …

Idylle am Grazer Hauptbahnhof. Später wurde es ungemütlicher.
Der Zuggereiste
Die von Platznot befohlene Sitzposition
Lähmt mir alle Glieder von Anbeginn schon
Verfinstert mir seither das Dasein per Dauer
Und blinzelt gerissen zum dräuenden Aua!
Die despotische Herrschaft des Unausgestreckten!
Der aus Muskelfleisch tränende Drang nach Bewegung …
Diese fiese Gewalt am in Ketten gesteckten
Körper in regungslos tauber Erregung
Der in die Polster rückenschwitzt
Als Plattgedrückter grollt. Und sitzt.
Totenwächter im Völkerschlachtdenkmal.
Anteil
Wenn schon Blues, sag, wessen Tränen
Woll’n wir in den News erwähnen?

Wuchtig, donnernd, wuchtig, wuchtig – Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch.
Stirb Langsam, Teil Nichts!
Das furorlose große Seniorenmenu
Es strotzt vor Geschmack eines „Tout est perdu“
Und eigner Überkommenheit
Man kleckert sich lecker durch kleine Portionen
So lange wir über der Erdkruste wohnen
Wenn der Mund auch schon voll ist – das Schlucken braucht Zeit!
Die vergebliche Hege des Ausgedienten
Schwingt zwischen Gewohnheit und Liebhaberei
Im Fond des nach etlichen Brüchen geschienten
Hechelnden Lächelns nach Ehrungenbrei …
Doch kommt da nix, ohweiohwei!
Nein,
Mit drei Mai Thai und Heiteitei
Wirbt man nun frech um unser Lob
Berechnet Erbanteile, grob

Grillzonen und Räucherkammern in den Isarauen.
Was bleibt
Begrabt mich zwischen zwei Semmelhälften auf den Grillplatzbereichen der Isarauen!
Dort mag ich die Marinaden ausbaden und wampenfetttriefend ein T-Shirt einsauen
„Ach, Scheiß! Das gibt ’nen Megafleck …!“
Ich weiß. Der geht auch nicht mehr weg.

Spielverderber an der Isar.
Dogmendog
In Sommerfrischen denke nicht / an Kirchen im November!
Weil deren Todesnähe ist / durch Phantasie nicht dämmbar
Lass dir kein X für’s U andreh’n
Setzt auch die Welt aufs Schnellversteh’n
Und schreibt auf Fassaden „Hier: Vier dünne Risse!“
So steht es im Sketch-Bxch, ist gleichsam Kulisse
Bleib das, was du denkst – wenn auch alles vergisst
Dass längst noch nicht November ist
Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Abflug.
Nun bin ich manche Stunde
Solch Beschaulichkeit müsste erfunden werden
Um als Ernte der kopfsteingepflasterten Erden
Den Kantenvernarrten in mir zu entspannen
Das aufsässig Drängende sanft zu verbannen
Aus diesem Garten der Nostalgie
Wo die saftigsten Früchte aus Melancholie
Und einstiger Pracht nun im Immerfort reifen
Dass mich deren Düfte wie Ahnungen streifen:
Hier fänd’st du deine Ruh!
Doch brennst halt immerzu …
Ich trinke genüsslich, gemächlich Kaffee
Erspür‘ so viel Gründe zu bleiben, doch … nee!

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Erinnerung.
Epitaph
So lasse ich denn diese Zeilen zurück
Als in Trauer verstetigtes irdisches Glück
Der innigsten Verbundenheit
Verblassend nun zu Ewigkeit

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Zwischen den Ländern.
Der Latz (Ein simples Gedicht)
Da ruh’n die Beschwerden verschlabberter Leben
Die selbstlos befehligt einst gaben sich hin
Um Grenzverlauflinien ’ne Wölbung zu geben
Die standen kurz so in den Landkarten drin
Dann folgte der teure Strich nächsten Bestreben
Nach Bögen, nach Streckungen, Senken und Heben
Sei’s nur für den Blitz einer Satisfaktion
Da verschlabbert man eben mal weitere Leben …
Sieh zu, dass du nie mit am Tisch sitzt, mein Sohn!
Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.
Astronautenkost
Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
Das ich nun erinn’re, da mir grad so öd is‘
Schon rätselnd, ob’s wirklich ein Trümmerstück war
Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis
Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is‘
Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah
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