Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Moosacher Beeren & das zweitausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

    Herbst in Moosach

    Eichenlaub

    Von meiner spät entschloss’nen Eiche
    Schwebt stetig, jeden Augenblick
    (auch wenn mir schwant, das ist ein Trick),
    Ein braun-entfärbtes Blatt hinab.

    Da ich das mit dem Baum abgleiche
    (der, wenn man ihn bedächtig misst,
    Nicht wirklich übermächtig ist),
    Ich Folgendes errechnet hab:

    Entlaubt er sich in jenem Takt
    (was selbstverständlich in der Nacht
    So niemand wirklich überwacht),
    Wär dieser Baum längst licht.

    Warum die Krone noch nicht nackt
    Trotz permanentem Starkverlust
    (war mir bislang auch ungewusst),
    Enthüllt nun dies Gedicht:

    Fühl’n sich die Blätter nicht beachtet
    (ob sichtgeschützt, ob weil es nachtet),
    Dann treten sie den Rückmarsch an

    Vom Stamm zum Ast zum Zweig zurück;
    Man rastet ein mit leisem Klick –
    Schon hängt man wie zu Anfang dran!

    Drum braucht der Abfall vom Behang
    Auch dieses Jahr besonders lang.


  • Verspäteter Nikolaus & das zweitausendsiebenhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Verspäteter Nikolaus im Advent

    An die Rotznasen am Nebentisch

    Ich würd bei Kranken mich bedanken,
    Wenn sie ihr’n Wirkungskreis verschlanken
    Auf eigene vier Wände.

    Nichts treibt mich, von ihr’m Virenleiden
    Ein eignes Scheibchen abzuschneiden.
    Verständlich? Danke! Ende.


  • Vogelstation Moosmühle & das zweitausendsiebenhundertsechsundachtzigste Gedicht

    An der Vogelstation Moosmühle in Benediktbeuern

    Der Specht

    „Ab ins Gefecht!“,
    Denkt sich der Specht
    Und jettet hastig mit Gekrächz
    Ins nächstgeleg’ne Astgeflecht.
    Pocktock, Peckpeck, Tockpockgepecker
    Steh’n Spechtisch für „Oh Mann, wie lecker!“


  • Loisachtal & das zweitausendsiebenhundertfünfundachtzigste Gedicht

    Im Loisachtal bei Benediktbeuern

    Jahresabschlussgedanke

    Man ist ja schon dankbar, nach all den Eklats,
    Obwohl manch Hoffnung arg versandet,
    Wenn man zum Ablauf dieses Jahrs
    Nicht nochmals weiter hinten landet.


  • Erlebnisbiotop & das zweitausendsiebenhundertvierundachtzigste Gedicht

    Erlebnisbiotop beim Kloster Benediktbeuern

    Dezember, vorläufig (Jahresrückblick 2025)

    Da haben wir mit letzter Kraft
    Es an die Ziellinie geschafft!
    Doch jetzt bitte hier nicht schon zur Abreise packen –
    Gern verpasst der Dezember manch Schlag in den Nacken!

    Ach, zu viel von dem, was man nicht mag,
    Erscheint noch wie am Neujahrstag
    Und and’res, das man hart erstritten,
    Ist uns noch aus der Hand geglitten.

    Ja, anfangs dacht’mer noch, wir hätten
    Da ein Gesetz für Lieferketten,
    Atomteststopp, Verbrenner-Aus –
    Jetzt windet man sich wieder raus!
    Bei andren Themen galt ja schon
    Im letzten Jahr Entscheidungsnot:
    Beim Social-Media-Mindestalter,
    Wann kommt das AFD-Verbot?
    Wird unter Babiš sich Tschechien mit Ungarn gleich schalten
    Beim Husarenstück unser Europa zu spalten?
    In Chile, Japan, Portugal –
    Ein Rechtsruck drückt von überall.
    Fast täglich wird man angesprungen
    Von köderhaften Äußerungen,
    Deren Sinn ist nicht, Haltung zu positionieren –
    Es geht drum, ’ne Spaltung noch mehr zu forcieren!

    Und der Maestro vom „Ich darf per se alles sagen!“
    Schickt jetzt der BBC und der New York Times seine Klagen.
    Woran’s denen mangelt, ist Champion-Respekt!
    Und das ist auch der Grund, weshalb Deutschland verreckt
    Neben AFD-Feindlichkeit, Umweltschutz, Gendern …
    In Europa zähl’n wir zu den B-Klasse-Ländern.
    Schaut auf die Euro-Vorreiter und tut’s ihnen gleich:
    Polen, Ungarn, Italien, Österreich!
    Österreich? Hä? Die FPÖ wurd aus der Regeierung gekickt –
    Hat die Sicherheitsstrategie das überseh’n?
    Ach, vermutlich geht’s hier um was anderes – der Donald will gern mal zum Opernball geh’n!

    Tja, dann … was könnt Deutschland ihm nächst‘ Jahr zum 80. schenken?
    Naja, wenn man wähl’n darf – ein stilles Gedenken?
    Uppsala! Nein, ein jeder ist wertvoll – sei er Schuft, sei er böse –
    Und Trump wär ’ne sehr gute Heißluftfritteuse,
    Ein Küchentrend
    Ganz kurz vorm End.
    So woll’n wir auch für ihn – konfessionslos – für ein bess’res Jahr beten.
    Soviel von der Dichtung. Und jetzt die Raketen!


  • Rotbuche, weiß & das zweitausendsiebenhundertdreiundachtzigste Gedicht

    Bemalte Rotbuche im Botanischen Garten München

    Ripostegedicht auf „Verse zum Advent“ von Theodor Fontane unter Benutzung aller Endreime

    Wär’se nich am End …!

    Ich wollte mich noch grad entflohn,
    Da warst du Weihnachtsengel schon
    Zur Stube rausgeschritten.
    Aus meiner unt’ren Mitten
    Erklang ein pupsig Seufzer-Ton.

    Die Abfuhr ging mir wirklich nah,
    Grad als ich in den Kühlschrank sah,
    Aus dem ich sonst abzweige,
    Doch der war pure Neige –
    Allein sechs Flaschen Schnaps noch da!

    Der’n Spirits werd’n mich jetzt verheer’n
    Und aus dem Kern der Welt entfern’n.
    Man wird an meiner Fahnen
    Mein letztes Mahl erahnen.
    Und über allem schwebt dein Stern!


  • Rückspiegel & das zweitausendsiebenhundertzweiundachtzigste Gedicht

    Herbstliche Seespiegelung im Botanischen Garten München

    November (Jahresrückblick 2025)

    Sessionsbeginn vom Karneval,
    Black Friday gibt’s jetzt überall,
    Und Haftbefehls Entgiftungsschritt
    Bringt Reinhard Mey ’nen späten Hit.
    Dank Klöckner weiß nun jedes Kind,
    Dass wir der Puff Europas sind.
    Die Eisbachwelle ist verschwunden,
    Und Lindner hat ’nen Job gefunden:
    Autobranche – war ja klar!
    Da steigt ein Bürgermeister-Star
    Am Himmel von New York jetzt auf,
    Grätscht in den MAGA-Siegeslauf
    Mamdani heißt der Feelgood-Hit
    Und eine halbe Welt hofft mit.

    Friedrich Merz wird 70, kriegt Krawatten,
    Muss Brasilien ’nen Besuch abstatten.
    Nun, als Fazit der COP30:
    Im Beleid’jen war’er fleißig!

    Und emsig geht’s von Belém nach Berlin,
    Um drei Beschlüsse durchzuzieh’n:
    Die Industriestrompreise senken,
    Den Airlines Ticketsteuer schenken
    Doch dann verwandt man beim Schnüren der Rentenpakete
    Zu viel für die Jugend verlorene Knete.
    Prompt schreiten da zur Rebellion
    Sieben ältere Herren der jungen Union.
    Jedoch die Linke lässt sich trimmen,
    Dann per Enthaltung zuzustimmen, Bingo!

    Die AFD trifft in Sotchi jetzt Putins Gesellen,
    Wird der’n Anfragen dann an den Bundestag stellen,
    Und ihr Jugendverband wird in Giessen begossen:
    Die „Generation Deutschland“ übt fest entschlossen
    Das scharf gekeifte Hitler-R –
    Man ist ja nicht bloß irgendwer!
    Und die Brandmauer ist ja schon lang nicht mehr recht
    Der scheidenden Frau Wagenknecht.
    Der’n Partei klempnert schnell ihren Namen um, doch
    Seh’n wir’s mal reel, Leute! Lohnt sich das noch?

    Der wieder öfter hofierte Erdogan
    Verknackt aus Diktatorenwahn
    Imamoglu zu 2.430 Jahr’n
    Haft – ja, das klingt viel, klar, wobei:
    Also, wenn er die schafft, ist er immerhin frei!

    Nun ist der Monat beinah um,
    Doch komm’n wir nicht um Trump herum!
    Der Rekord-Shutdown ist jetzt beendigt,
    Da fordert er voll ungebändigt
    Die Todesstrafe für renitente Demokraten –
    Was soll man von ihm sonst erwarten?
    Doch will er den Ukraine-Krieg
    Für sein’n privaten Schlichter-Sieg:
    Ganze 28 Punkte für den Frieden, das fetzt!
    Hab’n die Russen für Wittkoff bereits übersetzt …
    Nur Europa entgegnet: „Wir seh’n da jetzt keine
    So wirkliche Anreize für die Ukraine?!
    Vielleicht lässt sich zumindest noch an den Rändern
    Im Sinne Selenskys da irgendwas ändern?“

    Der Kreml verhöhnt dies als „Magisches Denken“ –
    Woll’n wir’s weiterverfolgen oder kann man sich’s schenken?
    Dieses schamlose Hin und Her ist kaum noch stemmbar –
    Fast möcht‘ man schon fliehen, hinaus zum Dezember.


  • Way to Nymphen & das zweitausendsiebenhunderteinundachtzigste Gedicht

    Wohnanlage In den Kirschen

    Erhält sich/erhellt dich

    Dass im Tode neues Leben steckt,
    Wird oft gesagt, doch ich entdeckt-
    -e: „Nö. Was stimmt, ist: Weg ist weg.

    Treue Hoffnung erhält sich aus eigenem Zweck.


  • Ilex & das zweitausendsiebenhundertachtzigste Gedicht

    Ilex-Beeren im winterlichen Botanischen Garten München

    Die feinen Unterschiede der Fastfood-Beobachtug

    So gleicht ein Vogelfutterhäuschen
    Auch einem Kettenschnellimbiss!
    Man macht ein kurzdosiertes Päuschen
    Und futtert ohne Hindernis.

    Die Sauberkeit ist niederränglich,
    Die Auswahl recht vorhersehbar,
    Die Tischgemeinschaft unverfänglich,
    Der Landeplatz bestechend nah.

    Ich sättige mich voyeuristisch:
    Seh Meisen, freu mich über sie!
    Dass ich aus Hektik so viel Glück fisch,
    Verspür ich vorm McDonald’s nie.


  • Weihnachtsmarkthimmel & das zweitausendsiebenhundertneunundsiebzigste Gedicht

    Weihnachtspyramide am Weihnachtsmarkt Essen

    Oktober (Jahresrückblick 2025)

    Hoch über den Stadtbildern, aus den’n unsre Töchterlein fliehn
    Sieht man nun südwärts die Zugvögel ziehn.
    Sie transportieren Grippeviren,
    Die Geflügelfarmen anvisieren
    Und Massenmasthofbauern keulen
    Gänse, Enten, Hühner, Eulen.
    Doch die Vögel sind ganz ohne Hintersinn hier –
    Sie sind auf dem Weg in ein Winterquartier.

    „Hey, ihr Vögel da oben, was ist euer Ziel?“
    „Naja, da gibt’s ja nicht mehr viel …
    In Darfur wütet der RSF grad mit Graus –
    Fast 500 Tote im Krankenhaus.
    In Rio sind 120 verendet,
    Ein Bürgerkrieg noch abgewendet,
    Nach Gemetzeln zwischen Cops und Favela-Familien.
    Naja, und is halt eh Brasilien …!
    Florida dämmert im Shutdown dahin,
    Argentinien macht unter Milei keinen Sinn
    Auch nach Syrien zurückzukehr’n, wär noch nicht cool,
    Bestätigte Herr Wadepfuhl.
    Nur noch Krieg und politische Vollkatastrophen –
    Da bekäm dies Gedicht ganz schnell zu viele Strophen!
    Ein Schwarm von uns ist, ungelogen,
    Drum grad gen Gaza abgebogen,
    Um sich dort zu bewerben als Friedenstauben.
    Wir dachten, die wollen ’n Scherz sich erlauben,
    Doch man hat sie tatsächlich als solche verbraten
    Im Fastfood-Menu der Vereinigten Staaten.“

    Es bleib’n die Verbrecher beider Seiten in charge –
    Da wittert man abermals baldigen Knatsch:
    Kaum ist ’ne Seite genervt von dem Friedensvertragwisch,
    Serviert man wohl prompt einen tödlichen Nachtisch.
    Denn ’ne hochdosierte Schlacht-Entfaltung
    Dient beiderseits der Machterhaltung.
    Und die Hamas übt schon mal an den eigenen Leuten,
    Denn ein Widerwort muss Spionage bedeuten –
    Und die soll’n lern’n, wer hier wieder der Babo is
    Und schon bei ’ner Zwischenfallandeutung bombt jetzt die Is-
    raelische Luftkraft ’nen Vergeltungsschlag.
    Und dieser Ausnahmefall passiert fast jeden Tag!

    Hm, das mit der Waffenruhe hat anfangs mal besser geklungen …?
    Nun, auch Nicole hat von „Ein BISSCHEN Frieden“ gesungen –
    Und a bisserl was geht immer!
    Vorher war’s durchaus noch schlimmer …

    Hey, ihr Vögel da oben – um euer Ziel zu erreichen,
    Muss eure Route einem Zickzackkurs gleichen
    Und niemals lasst den Spaß euch nehmen,
    Zu segeln zwischen den Extremen!

    Mal mit Tomahawk-Versprechung’n Selensky stützen,
    Dann den Intressen Putins nützen,
    Mal wird beinhart von der Brüssler Rotte
    Das Sanktionspaket Nr. 19 verhängt,
    Derweil die Russ’sche Schattenflotte
    Wohl bald 2.000 Schiffe lenkt.
    Ja, ein Biomatsch darf jetzt nicht mehr Veggiewurst heißen,
    Aber sonst kann man uns gerne weiterbescheißen …

    In Berlin muss Steinmeier hinaus –
    Das Schloss Bellevue wird restauriert,
    Der Ostflügel vom Weißen Haus
    Dagegen restlos wegplaniert,
    Weil der Schlossherr verlangt, einen Ballsaal zu kriegen –
    Nun, das wisst ihr, mit einem Flügel kann man nicht sehr lang fliegen.
    Und vielleicht ist’s ja mit Trumps Höhenflug
    Im nächsten Jahr dann auch genug, liebe Vögel?


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