Ein eingedelltes Mittelmaß
Will meinem Selbst ich bieten.
Ich kolonialisiere Spaß
Und ignoriere Nieten.
Wo ich mich als Mogul aufführ,
Ist Arme-Sau-Terrain –
Da erlässt man dem Image die Ausleihgebühr
Und ruft die Noblesse „à demain!“.
Ich pimpe mir mein Mittelmaß
Für das Sinnenreich der Dekadenz
Im Ferienhaus gepflegter Stars.
Wir tanzen auf den Rücken von Krokodilen
Und jeder verlor schon ein Bein.
Wir zählen uns beide als manche von vielen,
Denn man tanzt ja nicht gerne allein.
Und wir komm’n nicht umhin, uns einander zu danken,
Aneinander gelehnt nicht mehr kritisch zu schwanken –
Wär’n wir auch prinzipiell bereit
Zu früh bestand’ner Wackligkeit.
Ob wir je zurück an das Ufer gelangen?
Ob ich einbeinig doch besser flieg?
Wenn andre auch um unsre Sicherheit bangen –
Noch immer läuft unsre Musik!
Nach Werder weitet sich mein Blick
Und der See scheint die Zugfahrt zu blenden.
Die Nostalgie ist längst ein Tick,
Der durchknistert mein Lebenbeenden.
Doch ist seine Hohlheit ein purer Genuss,
Stützt das Ruhende strahlzuerwecken.
Mich reizen schon lange die Ufer vom Fluss,
Wo frühere Selbsts mich entdecken.
Für das Abendthema des Lesebühnenwettbewerbs in Magdeburg, UNESCO-Welterbe, habe ich den Refrain vom Poetry & Parade Abschiedssong „Föhn“ entsprechend dem jüngsten Welterbe – Bedeutende Kurstädte Europas – umgedichtet.
Föhn goes Kur
Kur – Kur – Kur
Stressvermeidung pur
Wir trinken Wasser mit Furzgestank
Sind vor Entspannung krank
Gerade ein Mahnmal umstreunt das Vergessen.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei
Was sorgsam in brutalen Zahlen vermessen,
Borgt uns spröde Tablettchen, bedruckt mit „Verzeih!“.
Man kann einen vordem geharkten Pfad harken.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei
Man kann all die Reue am Pavillion parken,
Aber die mit dabei war’n, sind nicht mehr dabei.
Die Mathematik lässt sich immer vererben,
Auch Repliken von „Arbeit macht frei“,
Erinnern, gemahnen wie weitere Verben.
ein Schrei ist ein Schrei ist ein Schrei