Heut werd ich ohne Sonnenblenden
Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.
Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
Mit Desperado-Qualität!
Woher solch Überschuss an Kraft?
So deplatziert, so sinnlos spät …
Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
Und man fällt übern Rand in das Nichts.
Ich streb geblendet, blind, und treibe
Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.
Jeder Änderungswunsch wird mich nicht mehr betreffen.
Du schreist: Es wird Zeit für die Jungen!
Ich bin für dein Scheitern, mich nachzuäffen,
Doch zeitig zur Seite gesprungen?!
Wollte alles mit Unaufgeregtheit beseh’n –
In Hoffnung auf halbwegs vererbtes Versteh’n.
Nun ist der neue Abstand dir noch nicht genug.
Du schreist: Es braucht Platz für die Jungen!
Man schießt längst gestrandeten Schiffen vors Bug –
Das alles wirkt sehr sehr gezwungen.
Willst du’s nicht mal weniger aufgeregt seh’n
Auf ein Stündchen Lektüre Geerbtes Verstehn?
Ich wünsch nach dem Nachäffen weitere Schritte:
Zeit wird’s für’s Erschaffen von eigenem Platz!
Ja, einen der mich wirklich altfühl’n lässt, bitte –
Ich warte auf originären Rabatz!
Deine Kühnheit bewahr fürs Kreieren statt Erben!
Für solch einen Move, hey, da könnt ich glatt sterben!
Über manchen Straßennamen
Steigt ein ganzer Himmel auf:
Windiger Legenden Rahmen,
Welt für manch Gedichtverlauf,
Pflaster längst verwundner Wunden,
Mein Triumphpfad für Sekunden.
Namen, Straße, Häuser auch –
Alles war mal Schall und Rauch.
Tattoos auf der Demenzstation –
Etwas, was mich als Baby verwirrte.
Doch kurz darauf begann’s auch schon:
In allen Hospizen – nur noch Tätowierte!
Glaub mir, mein Junge, schon bald werd’n die Alten
Nur Tattoos an sich und von früher behalten
Und nicht drauf komm’n: „Was galt mir einst
Das Bildmotiv, der Spruch, die Zahl?“
Bald merkt sweet Lynn, wie sie karl-heinzt –
Gezeichnet vom Ich war einmal.
Ich sehe nichts Ersichtliches
Und müsst mich interessieren.
Das Starr’n aufs Unbild neckt mich, es
Mag anti-konvenieren.
Ich will das Provozier’n kapier’n,
Doch müsst dafür viel lesen.
Die Leichtigkeit schanzt sich ums Hirn,
Singt viel zu simple Thesen.
Ich seh der Bilder wilden Wahn
Und muss mich ihm verweigern.
Nehm ich mich der Motive an,
Drängt’s mich hineinzusteigern …
Für mich verbleibt der Vordergrund
Finale Perspektive.
Mein Blick huscht Richtung Ausgang und
Entdeckt nicht mehr an Tiefe.
„Wachstum schaffen, raus die Säfte –
Ungebremst und unbeschränkt!“
Selten geht’s um Wirtschaftskräfte,
Wenn man an die Lenz-Zeit denkt.
Doch hat Dichterei-Romantik
Mit ihr einen Promotiondeal
Und das Image quer durchs Land zig
Samenlose mit zum Ziel.
Dass selbst linke Hänger werd’n des
Kapitalismuses Anhängerschaft.
Und man brüllt ein selbst entleer’ndes:
Bezahlt den Maler meiner Gemälde besser als den letzten!
Weil mir die jüngsten Jahre manches gute Mal zerfetzten.
Die Umstände erfrechten sich, mein Ruhen kraus zu streichen –
Im fast entleerten Wartesaal sitzt nur noch mein Erbleichen.
Ich richte meine Zukunft ein
Als Farbstrich von Gemälden
Vom armen Pinselborstenschwein –
Vermächtnis eines Helden.