Sigmund Jähn
Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?
Weil Dinge lässig fortbesteh’n,
Egal, was die Zeiten verändern.
Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.
(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Sigmund Jähn
Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?
Weil Dinge lässig fortbesteh’n,
Egal, was die Zeiten verändern.
Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.
(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)

Vom Schreiben
Ich startete im Krickelkrakelsturm meiner Gedanken,
Umarmte dann fast sehnsuchtsvoll die Planken früher Schranken.
Den angewöhnten Bogenstrich hat Tasterei geglättet,
Die kurz darauf mechaniklos zum Bildschirmpunkt geflattet.
Fürs Krickelkrakel brächte ich die Kraft wohl nicht mehr auf –
Im Kerker der Bequemlichkeit verlernt man freien Lauf.

Supervision
Wie, wenn, wo ich geurteilt hab,
Nur Mitteilung geschah?
Wenn ich aus Gängen, die ich grab,
Die Richtung anders sah?
Wie, wenn ich meine Dekadenz
Nicht recht im Zaume hielt?
Wenn ich im Kreis der Inner Friends
Nur kollegial gedealt?
Wie, wenn ich jede Kleinigkeit
Bloß groß beschreiben kann?
Wie, wenn ich’s so zu seh’n bereit?
Wie wär das? Und was dann?

Magellan
Wir kehrten auf Victoria zum Ausgangspunkt zurück.
Erfahrungsschätze lehrten uns den Unbestand von Glück
Und dass, was wir mit Fug entdeckt, sich nicht mit Recht verhielt.
Manch kühner Treffer zeigte nur: Wir hatten falsch gezielt.
Jetzt fragst du, ob nicht dennoch das Erreichte tröstend sei?!
Vermutlich, aber Gott sei Dank: Ich war nicht mehr dabei.

Herbstdefät
Wie noch Inspirierendes finden
In des Tages gespensterndem Grau?
Zäh zieh’n sich des Jahrs letzte Rinden,
Die ich mir zum Maulknebel kau‘.
Das Blatt, das versprach, sich zu wenden,
Klebt verrottungsbereit auf Asphalt,
Da Radios Warnungen senden,
Draußen bliebe es fortan sehr kalt.

Ich erinnere, wir sannen Großes
Ich erinnere, wir sannen Großes
Bei dem ersten Gefühl in der Stadt.
Jede Aussicht versprach Grandioses –
Wir wurden nicht müde, nicht satt.
Allein, wir haben nichts getan –
Und das merke ich heut in den Straßen.
Längst sind die Züge abgefahr’n
Mit dem Zeugs, das zu tun wir vergaßen.
Ich erinnere, wir sannen Großes –
Doch dann warteten wir viel zu lang.
„Stand mal alles bereit!“, weißt du. Bloss es
Geschah niemals was ohne Zwang.
Und jetzt? Zieht’s uns nach nirgends hin –
Wir sind sehr informiert, aber gähnen.
Kein Einsatz macht noch irgend Sinn –
Und das kostet uns nicht einmal Tränen.

Im Bukolischen
Keiner könnte so fremd sein,
Dass ihn hier niemand grüßt.
Der Ort flößt ungehemmt ein,
Dass die Welt dafür büsst,
Nicht überall derart bukolisch zu sein.
Du machst dich – ironisch – mit alldem gemein.
Doch da glimmt eine Sehnsucht,
Die sich schürt zum Magnet,
Die dir bis ins Versteh’n flucht:
„Hier schnurrt ein Planet –
Und du stammst aus ihm außerirdischer Welt!“
Oft hoffst du auf Fragen, die niemand dir stellt.

Angebot schafft Nachfrage
Siehe da: Mein Schamhaarklon
Im Angebot von Amazon!
… und täglich flüstert mir Alexa:
„Du, ich wüsst‘ da einen Waxer!“

Halo
Wir kreisen im unverwandt Gleichen,
Gebannt, Lob und Preis zu erreichen.
Indes ein Dunkles um uns hängt
Und unsre Sichtbarkeit versengt.
Wir werden das Lob und den Preis niemals seh’n
Und in den Halo übergeh’n,
Des Ungescheh’ns Materie sein
Und neuen Lichtern blinder Schein.

Innenpfui
Der Hausrat
Vom Rathaus
Schaut fad aus.
War da der Etat
Aus dem Bau-Referat
Schon verbraten nach Mauern der Außenfassade?
Dieser Inhalt
War nie in halt –
Das ist ausgesprochen schade!
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