Achtzeiler

Hütte 1 & das fünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Im Wald von Ludwigshöhe bei Ebersberg

Im Haus der Sünder

Oh, reiß dir das kalbende Herz aus der Brust!
Dann huste die Blutleere rosig und plünder'
Gesünderen Seelen entflohene Lust
Aus Musterregalen im Hüttchen der Sünder

Dort, prustend vor höhnischem Lachen, erspähten
Wir mündervereinigend Kalamitäten
Gleich von uns angepüstelten Sahnehäubchen
Und schlürften vom Boden verendete Täubchen

Mitte & das fünfhundertneunundzwanzigste Gedicht

synagoge oranienburger straße

In dieser Stadt

Ich hab ja Berlin noch nie fotografiert
Weil Berlin kommt eh immer zurück
Die Schönheit hat mich dort auch nicht int'ressiert
Berlin ist mal Pech, ist mal Glück
Und was man grad als schön empfunden
Wird nur mit Stöhnen überwunden

Mit dem Abstand geh ich jetzt befreit durch die Stadt
Und erfreu' mich dran, wie viel' Reserven sie hat

Schattendasein & das fünfhundertzwanzigste Gedicht

Schatten meiner Selbst

Die Beschattung

Ich hab'n Schatten und du hast'n Schatten
Es scheint, dass die beiden einander begatten

"Die Szene lässt sich nur entschärfen
Wenn wir uns aufeinander werfen
Das Zwei-Personen-Sein verneinen
Uns sonnenzugewandt vereinen!"

Als du hernach hechelnd fragst: "Ey, wat soll dat'n?!"
Sind wir schon ein einziger, lächelnder Schatten

Museumsinsel & das fünfhundertsiebzehnte Gedicht

Museumsinsel

Heilige Stadt

Bleib du noch Idylle
Für einen Moment
Der mich vom Gebrülle
Des Nahenden trennt
Bleib du jene Stille
Vorm vorletzten Schritt
Mich kräftigt kein Wille
Ich bitt' nur, ich bitt'

Wilder Kaiser & das fünfhundertsiebte Gedicht

Wilder Kaiser

Nach dem Vorsatz

Nach einem Resthauch Eleganz
Späht's aus dem alten Leib
Ich wed'le ihn zum Zeitvertreib
Durchs erste Meer von Ranz

Doch die Sonne in Wintern bleibt nie lang
Da empfiehlt's sich, man hängt sich an Treues
Kein Januar schenkte uns je wirklich Neues
Alles geht seinen stetig verlangsamten Gang

Restschnee & das fünfhundertsechste Gedicht

Schneefall im Januar

Heute killt der Regen die sorgsam über Wochen angesammelten Schneeberge. Eine Erinnerung.

Der Burnouter zum Schnee

Schnee, du alles bedeckende Ruhe

Bleib mir weg von meine Schuhe!
Denkst du Held, mit weißen Rändern
Ließe sich die Welt verändern?!

Obwohl das sein mag, alldieweil
Ich ahn' längst, dass das Gegenteil:
Schwarze Ränder unter Augen

Als Weltenveränd'rer gar nix taugen

San Pedrillo & das vierhundertfünfundneunzigste Gedicht

Klammeraffe im Corcovado NP

Affenstark und aradiesisch (Naiv im Nationalpark)

Affen sind hier sehr normal
Und ihr Anblick eh'r banal
Und das Gaffen nach den Affen
Scheint hier wenig rational

Auch Aras sind nicht gar arg rar
Als Anstarrer von ihnen war
Ich hier ja rarer als der Ara

Ein entwaffnend barer Narr

Drake Bay & das vierhundertneunzigste Gedicht

Hellroter Ara in der Drake Bay

Wem man so am Strand begegnet.

4 Drinks (u.v.a.)

Please gimme a bubblegum
Und 'nen Punch mit double-rum
It is my feistes Doppelkinn
Schon ready for a cup of gin
Ich liebte Nietzsche, doch mein Gott war
A coco-de-mer-style-sized nutshell of wodka

Lars, please pass the rum to me
Und scheiß auf den Kaugummi!

Abwesenheitsnotiz & das vierhundertfünfundachtzigste Gedicht

Es gibt diese wunderbaren Orte ohne Netzzugang, an denen sich Gedichte verfassen, aber nicht online stellen lassen. Sie geben einem Zeit, durch die allmähliche Veröffentlichung des Zwischendurch-Verfassten die nächsten Tage zu füllen und zu überlegen, was mit diesem Blog eigentlich nach dem fünfhundertsten Gedicht geschehen soll.

Unerreichbar

Es gibt diese Zeilen, die der Leserschaft fehlen
Den Dichtern ein Schlupfloch der Biographie
Um unbewacht einmal davon sich zu stehlen
Die Nachwelt schreibt wissend: "Nein, dort war er nie."

Es gibt dieses heimlich vom Hauptwerk Gelöste
Nichts Wegweisendes, jedoch kleine Juwelen
Und deren Schein trügt all das Facebook-Entblößte ...

Das steht in den Zeilen, die still vergnügt fehlen!

Cahuita Nationalpark & das vierhundertneunundsiebzigste Gedicht

Cahuita Nationalpark

Weshalb die Herrn zu Ohnegnaden fast unentwegt sich selber schaden

Gib mir Blau, gib mir Palmen und sag, du seist Strand
In irgend'nem Fernreise fordernden Land
Wenn ich dann noch Vöglein wär, flög ich zu dir ...!

Doch weil ich dir, mit Verlaub
Längst schon kein Wort mehr glaub
Spür, meine Flügel sind
Irgend'ner Lüge Kind
Bleib ich all hier

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