Vierzeiler

8 Kerbchenkalender & das achthundertzweiundfünfzigste Gedicht

In den Isarauen

Von Kerben

Stärke trägt stets die Option von Gewalt
Wie 'ne nicht ausgefahrene Klinge

Doch in meinem Sparbuch steht, dass ich noch kalt
Von Schwäche als Luxusgut singe

7 Zahlenzirkel & das achthunderteinundfünfzigste Gedicht

Josephsplatz München

Nächtlicher Aufbruch

Nimm die Feindseligkeit deines Bettes
Um sie als Alarm zu gebrauchen
Um in neuen Armen zu rauchen
Für im Anderen anders Komplettes

5 Fehlzeit & das achthundertneunundvierzigste Gedicht

Glienicker Brücke

Männergrippe

In einen Sack voll Fieber
Hat man meine Hülle gesteckt
Samt Schlappheit vom Kaliber
"Ich fühl mich wie zweimal verreckt!"

Indian Ocean & das achthundertvierundvierzigste Gedicht

Silhouette Seychellen

An alle (Der schwimmende Dichter)

Ach, könnt ich die Weichheit des Wassers
Für euch in der Ferne beschreiben!

So bleibt es das Los des Verfassers:
Still über Kristalle zu treiben

Santuario della Consolata & das achthundertdreiundvierzigste Gedicht

Santuario della Consolata Turin

In Kirchen

Der Prunk ist zu hellloser Stille gezügelt
Und in die Gemäuer ward Reue geprügelt
Die Demut durchschwirrt diesen Raum in 3D

Nur ich muss nicht glauben an was ich hier seh'

Vercelli & das achthundertzweiundvierzigste Gedicht

Basilika Sant Andrea Vercelli

Sindone di Torino

Dass ich nach dem Grabtuch
Einen ganzen Tach grub
War auf seine Art 'ne Tat
Durch die ich Turin vorm Ruin hab bewahrt

Alba & das achthundertneununddreißigste Gedicht

Alba Duomo

Aber aber

Aber all dieses alberne Alba-Blabla
Vom miese salbadernden Barbapapa
Der als Bar-Inventar bat: Bailando Lambada?
Aber aller Balanze beim Tanze ganz bar war

Via Garibaldi & das achthundertsechsunddreißigste Gedicht

Turin Via Garibaldi

Die Turiner Entjungferung

"Tu rin!", sprach sie
Und ich tat rin
Kaum dacht' ich: "Wie?"
Schon war ich drin

Piazza Duomo & das achthundertfünfunddreißigste Gedicht

Alba Piazza Duomo

Alba

Das hunderttürmige Städtchen versinkt
In ihr wässriges Abbild der Einstelligkeit
Doch den Leerraum der höheren Lüfte durchdringt
Die H-Pracht und -Macht der vergangenen Zeit

Anse Royale & das achthunderteinunddreißigste Gedicht

Anse Royale

Kakao

Ihre Lippen sind wie Schokolade
Deren Schmelz sich nie verzehrt
Von dem ich mich ab einst bis grade
Unersättlichstens ernährt

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