Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

2018er Reste & das eintausendeinhundertdritte Gedicht

Reste von 2018 im Olympiapark

Zum Tee

Ein Vorratsschrank mit Möglichkeiten
Stand lang bei uns im Flur.
Der schien uns ständig zu begleiten,
Als wartete er nur
Auf neues Dorthin!, frische Spuren.

Nun gibt's den Schrank nicht mehr.
Und lustlos flüstern die Auguren:
"Wir glauben, er war leer!"

Landtag & das eintausendeinhundertzweite Gedicht

Bayrischer Landtag München

Sechs Jahre (Zur Schließung der Neuen Pinakothek)

Wenn in sechs Jahr'n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff's, wenn's gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Naben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.

Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier -
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm'nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!

Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss'nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.

Smaragdspint & das eintausendneunundneunzigste Gedicht

Smaragdspint (Bienenfresser) im Yalla Nationalpark

Wintersonne

Die Sonne bei uns kommt direkt aus der Kälte,
Sie scheint beinah so klar wie frisch gekauft.

Es brutzelt vor Segen das von ihr Erhellte,
Löst düstre Gerinnsel, wohin sie auch drauft.

Nur strohflämmrig kurz ist sie zu uns gedrungen.

Doch lässt's uns die Zähheit des Zags übersteh'n,
Dass wir in den Erinnerungen
Schon durch die schweren Wolken seh'n.

Südlicher Hanuman Langur & das eintausendneunzigste Gedicht

Südlicher Hanuman Langur im Minneriya Nationalpark

Grau

Und wieder einmal kommt ein Tag nicht in Schwung
Und verplempert sich weiters im Grämen.
In bin meines Elends Verunreinigung,
Ich sollte mich sowas von schämen!

Mein schwärzend Dazutun erst macht den Kohl fett.
Ohne mich wär' das gar nicht zu schaffen!

Die Welt schleift mich bestenfalls ins Lazarett -
Mich strecken die eigenen Waffen.

Hochland & das eintausendneunundachtzigste Gedicht

Auf der Zugfahrt von Kandy ins Hochland

Zur Nacht

Ach, Betrübnis nistet tief in meinem Haus,
Stets umspült von der Flut neuer Sorgen.
Ich suche, doch finde den Weg nicht hinaus,

Mein Schlaflied loopt stoisch sein "Gut, vielleicht morgen!" ...

Trockenfischraub & das eintausendachtundachtzigste Gedicht

Am Fischmarkt von Negombo

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen II

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen
Und schließen verbliebene Lücken.
Solange die Einschüsse näher nur kamen,
Rief uns keine Zwanghaft zum Särgebestücken.

Nun kann man den Abstieg mit Namen benennen
(und die waren ja längst noch nicht dran!).

Vorm Stimmbruch Verstummende lehr'n mich erkennen:
Zum Bald neigt sich mein Irgendwann.

Tee & das eintausendsiebenundachtzigste Gedicht

Teeplantagen im Hochland Sri Lankas

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen I

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen.
All die Davids und Laras verwesen.
Verwaist sind die Logins der ehemals Warmen,
Manche Tweets werden nie mehr gelesen.

Zu deiner Zeit den Speicherstick den Deinigen zu geben
Versäume nicht, oh Wanderer, als Ziel von deinem Leben!

Top of Sigiriya & das eintausendeinundsiebzigste Gedicht

Chinesiche Reisegruppe auf dem Sigiriya Felsen

Sri Lanka

Sri Lanka hat dem Elend die Zähne gezogen
Doch schleicht wie in Deckung vorm fehlenden Biss
Wankt stets, aller Sorglosigkeiten betrogen

Wer bewahrt Paradiese vorm nächsten Verriss?

Trockenfisch & das eintausendsiebzigste Gedicht

Fischmarkt in Negombo

Vom Fernreisen

... fliegen Eindruck und Eindruck unprägsam dahin ...
Nur wohin mit dem Neubekannten?
Ich weiß nur noch wo, nicht mehr, wo ich noch bin
Seh ständig Elefanten

Von Geschmäcker Witterungen
Werd ich stetig angesprungen
Notier mir nichts denn Namen

Mein Heim ertrinkt in Souvenirs
Der Überflüssigkeit. Nur mir‘s
Bekannt, weshalb sie kamen

Ella & das eintausendneunundsechzigste Gedicht

Ravana Falls in Ella

Abschließender Hinweis zum Gebrauch

All die spätentdeckten Nutzungsoptionen
Die dem Geräte innewohnen
Und von zweckingenierten Heurekas erzählen
Still eingepfercht in Wartesälen

All das, was ich ungenutzt dennoch besaß
Als Chance, mein Machen auszuweiten
Ein von Bedienmanuals gut gehüteter Spaß
Denn immerzu fehlten die Zeiten

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