Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Donauwörth & das eintausendeinhundertvierundachtzigste Gedicht

Nebenarm der Wörnitz an der Insel Ried Donauwörth

Das Prophetische an Donauwörth

Zwei Stund' streunt ich durch Donauwörth - nein,
Nach anderthalb schon war dies Örtlein
Beseh'n. Wie manches andre
Durch das ich wohl noch wandre.

Bahnhof Ü-Holthausen & das eintausendeinhunderteinundachtzigste Gedicht

Bahnhof Überruhr-Holthausen

Alte Heimat

Verlasse Essen immer
Bei allerschönstem Wetter.
Von nun an wird's nur schlimmer
(from now on it gets better).

Ich bin in Essen ständig
Von Traurigkeit umweht.
Denn alles wird lebendig
('cause everything seems dead).

Bleib Essen stets verbunden
Und kehr zurück, ich schwör's!
Ich lecke meine Wunden
(my sepsis became worse).

Überruhr Heights & das eintausendeinhundertachtzigste Gedicht

Feld am Überruhr Holthausener Friedhof

Mit vertrautem Gesang

Wir werden zurück wie Verwundete geh'n
Und hangeln uns durch das Erinnern.
Wir werden verwundert die Uhren umdreh'n
Beim Ausschauversuch nach Gewinnern.

Es zieht eine Schwermut die Ufer entlang,
Die werden wir nicht mehr verdauen.
Wir säuseln uns ein mit vertrautem Gesang
Und wir schauen und schauen und schauen.

Rheinbrücke & das eintausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

Rheinbrücke in Basel

Das alte weiße Mann

Wir sind die letzten unserer Art,
Uns hat es bald niemals gegeben.
Und Raffgier klaubt sich nach Diktat
Das Restlein Überleben.
Die Altbekannte schreit jetzt schriller,
Im Einklang mit neuem Stupiden.

So führt der längst fällige Tod von Godzilla
Noch weiter fort vom Frieden.

Rauschbergstation & das eintausendeinhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Blick vom Rauschberg auf Ruhpolding und Chiemsee

Abstieg ins Nichts

Ein wenig Gipfel nur
Als reichweit zu spüren -
Das hätte als Spur
Mir bei Weitem gereicht.

Doch auf Wegen, die stur
Ins Tal hinab führen,
Verschluckt mich die Flur
Schon, erbarmungslos seicht.

Hafenbecken & das eintausendeinhundertneunundfünfzigste Gedicht

Im Hafenbecken von Baie St. Anne, Praslin

Das Unzählbare

Dem Unzählbaren nachzuspüren,
Es mit demutverbundener Vagheit zu nennen,
Vergoldet den Kitzel vom Nicht-mal-berühren
Und heilsam verdächtigen Wiedererkennen.

Anse Patates & das eintausendeinhundertachtundfünfzigste Gedicht

Anse Patates auf La Digue

Milchshake am Abend, letzter

Ein Melonenmilchshake vorm großen Abschied
Vom Tage, von Stränden und Feriengefühl ...
Millionen davon, bro, man, is all that you need!
So sämig, so träge, so süß und so kühl ...

Anse Royale & das eintausendeinhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Anse Royale

Vom Reisen

Nichts könnte mir je die Erinn'rung vergällen,
Die mir dieser Erde besondere Stellen
In Demut tief ins Hirn gebrannt!
Fast scheint's, man tankte von der Weisheit,
Als ob solch Seelenspeis' uns einweiht
In Orte, die noch unbekannt ...

Praslin & das eintausendeinhunderteinundfünfzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Anse Laszio auf Praslin

Schwyzertütsch an Stränden

Du schienst mir ein "Ich hab mich niedlich forever!"
Und schillerst nun plötzlich ganz garstig im Sand.
Dein Sang ist auch hier nicht zu artifiziell, er
Zerlöscht nur all das, was ich mit ihm verband.

Wir können, was wir lieb gewannen,
Nicht ungeprüft begreifen.
Willst du dein Herz für immer bannen,
Muss es auch weiter schweifen!

Intendance & das eintausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

Anse Intendance auf Mahe

Am Gatter

Kann die Losigkeit hinter dem Gatter riechen,
Spür der Sicherheit lähmende Arme -
Mir ist nicht vergönnt, mich darin zu verkriechen.

Immer wieder gemahnt mich mein Name,
Dass die Unmöglichkeit eines guten Endes
Zu untergestaltend zur Aufgabe zwingt.

Ich schlitt‘re ohne Fundament - es
Kümmert zu spät, dass das alles nichts bringt!

Für rare Momente schien viel überwunden -
Als wäre das Gatter frei interpretierbar.
Doch auf gleicher Höh‘ hab ich mich nie befunden -
Davon zeugt auch die ratternde Zeit unbeirrbar.

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