Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Kein Zürich & das zweitausenddreihundertsiebenundneunzigste Gedicht

Marienplatz-Skyline

Unterwegs ohne Kamera

Ist ja klar: Es ergießt sich die Malerischkeit
In den kameralosigen Tag!

Ständig bin ich unbändigstens ablichtbereit -
Wenn nichts sich zeigen mag!

Prompt türmt Idyll sich auf Idyll
Zum Input grauer Zellen.
Das, was ich konservieren will -
Schon hat's die ersten Dellen!

Wie sich der Berg, der Berg!, !der Berg!
Im Kirchturm-Off erhebet! -
Was eines Suchers Lebenswerk,
Wird ex und hopp durchlebet.

Gebannt bind ich ums Ungebannt
Die Fesselchen vom Restverstand.

Was sich bewahrt im Innern,
Lässt sich dereinst erinnern:
"Das war der Tag in jenem Jahr,
Da ich mal ohne Kamera!"

Erste Ergebnisse & das zweitausenddreihundertvierundneunzigste Gedicht

Erste Fühlingsboten auf dem Moosacher Balkon

Verschlafen

Der Frühling zieht bereits ins Land,
Nur ich verbleib im Schnee.
All die Blüten beteuern, ich sei nicht bekannt,
Was ich wohl auch versteh.

Wenn ich in diesem Jahr versag,
Wird das mein Schicksal bleiben?
Wird sich, was ich am Frühling mag,
Erinn'rungsschwach entleiben?

Der Frühling serviert 'ne gehortete Nuss -
Mich drang's einst vorzubauen!
Nun bitt' ich scheu vorm Halbentschluss
Den Schnee um mich: zu tauen.

Altötting & das zweitausenddreihundertdreiundneunzigste Gedicht

Altöttinger Kapellplatz

Der wärmste Tag

Der wärmste Tag im Jahr ist's nicht
Allein ob der Temperatur.
Er erhellt ein im Finstern verfasstes Gedicht
Und schert aus der Trott-Prozedur.

Der wärmste Tag ist Pionier nach der Kälte
(andre werden ihn bald übertrumpfen).
Wir drohten, als er uns so mildsam erhellte,
Im Frust allen Frosts zu versumpfen!

Startgrau & das zweitausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

Baumsilhouetten an der Würm bei Feldmoching

Verfrühtling

Schon sitzen wir draußen bei Sommergetränken
Und dreh'n durch Gespräche von neuen Versuchen.
Wir brüten den Eifer, uns Wärmen zu denken,
Die aus Insgeheimen den Winter verfluchen.

All das ist uns gestattet. Und es wird uns bestätigt,
Da Liebmutter Sonne 'nen Blitzbesuch tätigt

Gemäß eines unterschriftslosen Vertrags.

Schon rattern den Ladenschlussblues die Rolladen,
Die andre Geschäfte beschließen.
Ein ehern Gesetz zerrt an Resteskapaden
Und lehrt uns das alte Verdrießen.

Wir frieren verurteilt, die innere Uhr teilt
Uns mit, dass der Frühling noch lang nicht bei uns weilt.

Es war nur der Rausch eines vorschnellen Tags.

Waldschwaigsteg & das zweitausenddreihundertsiebenundachtzigste Gedicht

Badesteg am Waldschwaigsee

Am Waldschwaigsee

Jeder Ast, Zweig, jedes Blatt wird: Wald
Der Tropfen wird: ein See
Ich glaub dran, dass ihr all das schafft - und falls halt nicht: herrje ...
Es braucht kein Mehr an inn'rer Kraft - das wäre Esoterik!
Allein die Wut
Tut richtig gut -
Da werde glatt zum Meer ick!

Märzblesse & das zweitausenddreihundertachtzigste Gedicht

Blesshuhn am Regattabadesee

Prosit Neujahr, real

Im März beginnt das neue Jahr
Und all dem Frost, der vordem war,
Bricht's langsam das Genick.

Dein Herz sinnt sich, 'nem Juchzer nah -
Doch all der Frust, der vordem war,
Kehrt sehr, sehr bald zurück.

San Rocco & das zweitausenddreihundertdreiundsechzigste Gedicht

Im Saal der Scuola Grande di San Rocco

Endschloss

Welche Schlüsse zieh ich aus Schlössern ...

Ich müsse mich räumlich verbessern?

Den Hausstand unendlich vergrößern,
Die Manufakturwahl verbessern?

Mein Ziel sollte sein, die Pokale zu mehren,
Die vielgestalt horten die royalen Herren.
Auch die Spannhaken-Ösen, Vokale zu dehnen
Sollte ein Größenwahn-Nahender kennen.

Ich falle auf, ich falle ab
Beim Was-ich-kauf und Was-ich-hab.

Vielleicht, einst wendet sich das Los?
Hab ich gehofft vor manchem Schloss.

Wintergartenhaus & das zweitausenddreihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Das Wintergartenhochhaus mit drehendem KLogo der Messe Leipzig

Mehrerträge

Was türmt sich da im Mailfach auf
Und schreit: "Bin unerledigt!"?
Wer schaufelt da jetzt weiter drauf,
Wie bleib ich unbeschädigt?

Wann senkt ein wenig Frieden sich
In mein Organisieren?
Wie find' zur Linde wieder ich
Aus der Orkane Gieren?

Die Lage scheint wie festgefahr'n,
Die Tage eint ein Nichts-Erspar'n,
In das ich tief gesunken,

Das mich wie ein Waran umschleicht -
Ich denk' jetzt oft daran: Vielleicht
Ertrag' ich mehr betrunken?

Manufacturentree & das zweitausenddreihundertfünfundfünfzigste Gedicht

Kakadus vor der Porzellan Manufactur Nymphenburg

Verbrauch's!

Gewesenes betrügt: Die Form
Der Erinnerung, die sich forciert.
Zwingt Vielgestaltenes zur Norm,

Sodass im Gewinn man verliert.

Die Zeit, die nach uns folgt, gereicht
Betrachtern nur zu Hüllen.

So fällt's dem edlen Weine leicht,
Schon jetzt das Glas zu füllen.

Leipzig Hbf & das zweitausenddreihundertfünfzigste Gedicht

achtlicher Leipziger Hauptbahnhof

Unter Wegs

Von den arrivierten Abfahrtsgleisen
In Richtung neuer Ziele zu reisen ...

Nicht dort und nicht mehr hier vertaut,
An Orientierung abgebaut,
Verlier ich mich in Worten,
Verirre mich an Orten,
Bin einfach nirgends-überall
Steig mehrfach rauf zum Gleis. Und fall.

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