Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Silhouette Island & das achthundertdreiundzwanzigste Gedicht

Blick von Beau Vallon auf Silhouette

Alter Ego

Stetig scheint mir mein Wagemut etwas zu sagen
Wie: Ich glaube, ich meinte wen anders als dich!
Jene Pfade, die in meine Trottbahnen ragen
Wollen zuviel Gepäck fürs sich wandelnde Ich

Messelatten & das achthundertneunzehnte Gedicht

Leipziger Buchmesse 2018

Zur Fülle und Detailgenauigkeit

Kein Maß der Bescheidung
Kein Maß der Verschwendung
Kann den Glanz eines Stromes beschreiben

Wir zerlegen den Globus
Wir servieren den Globus
In prä-galileischen Scheiben

Letzte Schicht & das achthundertzehnte Gedicht

Am Kleinhesseloher See

Die Einladung

Das Licht, es hat grade echt richtig zu tun
Allen Schutt aus den Kammern zu fegen
Den ein schlampiger Mieter als Teilzeittribun
Ertrutzte mit Dutzend Belegen

Den harten Nacken
Mit zarten Macken
Wie schadlos vor Glück überstanden

Hör, wie Mörike röhrt
Aus dem Tower betört:
"Frühling, du kannst wieder landen!"

Winterwonderland & das achthunderterste Gedicht

Alter Nordfriedhof

Altes Eisen

Die Scheinwerfer wandern
Und gönnen nun andern
Im gültigen Spotlight zu steh'n

Du bleibst unverdrossen
Zu allem entschlossen
Nur kann und wird es niemand seh'n

Hinterbrühler See & das siebenhundertfünfundneunzigste Gedicht

Hinterbrühler See im Winter

Vorbei in tiefer Nacht

Ich lehnte mich zum Wundenlecken
An einer Linde kühles Moos
Gewärmt von ersten Lichterflecken
Gewahr. Und doch bedeutungslos

Ihr Stamm gönnt mir das Abschiednehmen
Von unentwegt gezähmter Wut
Für immerdar könnt mich beschämen
Wie friedensreich ich hier geruht

Ich wusst' ja, dass ich Ruhe fände
An jenem versumrosten Ort
Doch lüfte jetzt erst die Verbände
So sterbensrein, umkost vom Wort

Neben der Welle & das siebenhundertsechsundsiebzigste Gedicht

Surfer auf Eisbachwelle

Vom Bescheiden

Ich neide dir die Zeit, die ich nicht mehr habe
Die Schar der Begleiter, den Schalk vor dem Grabe
Den Abschlussball, den letzten Tanz
Den jähen Fall und die Bilanz
Das Neu-sich-um-den-Schlussstrich-reih'n
Doch plötzlich denk' ich: Muss nich' sein!

Gehwege & das siebenhunderteinundsiebzigste Gedicht

Gehwegspflaster an der Isar

Zur Aufmunterung des Spiegelbilds

Wir sind ja nur so wehrlos, Kind
Weil all die andern ehrlos sind!

Museales & das siebenhundertneunundsechzigste Gedicht

Am Deutschen Museum

Glück/Gehabt

Von jetzt ab kannst du dich an heute erinnern
Und den Fuchsschwanz vom Tag in Tresoren verstau'n
In den Straßen erzähl'n sie nicht oft von Gewinnern
Und man kann nicht auf weitere Vorkommen bau'n

Hofgarten & das siebenhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Hofgarten München

Die ersten Strahlen

Wie, dass jene Morgensonne strahlt und strahlt und wärmt dich nicht?
Wie, dass ihre frühe Gabe nicht erreicht dein Angesicht?
Bist du nicht des Winters müde, mürb geworden in der Zeit
Von dem Übel, das uns rüde einte im verlor'nen Fight?
Sitzen wir nicht Seit an Seite, hier im frühen Tageslicht?
Wie, dass jene Morgensonne strahlt und strahlt und wärmt dich nicht?

Dringt der Aufbruch, den ich fühle
Nicht zu dir und alter Kühle?
Will dein Drang, ab hier zu scheiden
Mir die neue Coolness neiden?

Zeigt dein Spiegel die Entscheidung, noch bevor sie einer spricht?
Wie, dass jene Morgensonne fand den Weg in dies Gedicht?

Schattenpflanzen & das siebenhundertvierundsechzigste Gedicht

Schatten im Englischen Garten

Die Streckung

Der Nullmeridian meines Kosmos
Ist schon die nächste Zeile
Komm' grad so mit dem Stift dran

Sonst wart' ich halt 'ne Weile

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