Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Isartor & das hundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Am Isartor

    Es war da so eine Ahnung, als wenn sich das gute Wetter immer verkrümelt, sobald ich wieder in München ankomme. Heute sieht das anders aus. Aber der Eindruck bleibt – in Form eines Gedichts:

    Hoch & Wasser

    Die Gewässer sind mit allen Wassern gewaschen
    Und Nässe lässt sich von der Nasenspitz naschen
    Die Spatzen sind’s satt, durch die Stadt zu spazier’n

    Weil Platzregen ratzefatz das hinfort spülen
    Was sich bereits regte an Sommergefühlen
    Nun trommeln die Tropfen aufs hoffende Hirn


  • BOB & das hunderteinundneunzigste Gedicht

    Bad-Tölz

    Die BOB-Bahn fährt mit Wortwitzschwung über bayerische Ferienortgleise und sorgt für die Münchner Idyllenspeisung. Wäre auch ein Gedicht wert. Hat mit dem folgenden aber gar nix zu tun:

    Honey

    Mit jedem Schritt steckst du nur tiefer noch drin
    Und im Publikum spricht sich das Ende schon rum
    Jed‘ Versuch, sich zu wehr’n, verliert weiter an Sinn
    Ich reich‘ dir ein Messer – du dankst es mir stumm


  • Pfingstwetter & das hundertneunundachtzigste Gedicht

    Bad Tölz

    Wettertragödien, vermieste Feste. Aber das kann auch vielleicht das Beste sein, was passieren konnte.

    Feste, die ins Wasser fallen

    All den Festen, die ins Wasser fallen
    Bleibt die nicht widerlegte Verheißung erhalten
    Sie wären die besten Feste von allen
    Gewesen, sofern sie von weniger kalten
    Regenfällen gesegnet gewesen …
    Dies sind – wie gesagt – auch berechtigte Thesen
    Denn schließlich war, wie jammerschade
    Klar das Wetter ohne Gnade

    So scheint manches Mal das gescholtene Wetter
    Missratenen Festen willkommen als Retter


  • Nürnberg & das hundertfünfundachtzigste Gedicht

    Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände

    Sperrige Idyllen: Der Dutzendsee vor der Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände.

    Rain comes down

    Der Regen befreit diese Stadt nicht vom Dreck
    Er pfeift auf die Chance einer schmeichelnden Kühle
    Und was mit ihm aufschwemmt, das spült er nicht weg

    Haucht spärlichen Tau auf die ewigen Pfühle


  • Kurort & das hundertneunundsiebzigste Gedicht

    Kurpromenade Baden-Baden

    Abschied von Baden-Baden. Erholt, natürlich.

    Kurpromenade

    Alle wollen sich hier erholen
    Hier erholen wollen sich alle
    Alte toll’n herum wie Fohlen
    Promenier’n mit frohem Schalle
    Dass sich dran die Jungen laben
    Solche Restzeit noch zu haben

    Selig streckt sich der Spazierweg
    Uns wohlgefällig das Altern zu mildern …
    Spröde Pragmatik nennt das vielleicht Irrweg

    Doch krönt den Genuss ja sein Wird-nichts-Verhindern


  • Berlin 10 & das hundertsechsundsiebzigste Gedicht

    S-Bahnhof Jannowitzbrücke

    Zehnte Berlin-Reise des Jahres. Heute mal in heiß.

    Berlin Summer Nights

    Die Milde des Abendlichts kehrt hier nicht ein
    Weil Erfolgsdruck zum Wilden die Stimmung verkauft hat
    Die Stadt darbt am Image, zu billig zu sein
    Und feiert die Nächte, bevor sie verschnauft hat


  • Murnau & das hundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Obstblüte

    Vollmai’sige Prachtidyllen allenthalben. Insbesondere ein paar Regionalbahnhalte vor München.

    Dichtung und Wahrheit

    Ersinn‘ dir den ruhigsten Garten der Welt
    Wohin sich kein Ton der Verrohung gesellt

    Wo das sprießende Grünen im Überfluss quellt
    Und sich blütenschwer Zweige in Windstille wiegen
    Wo idyllisch ein Schweigen die Farben erhellt
    Alle Pflichten im Schoß dieses Rückzugs versiegen

    Wo die Aura der Stille die Quengler verprellt
    Bis das drängelnde Draußen sich selber erschießt
    Nur noch Vogelgezwitscher jed‘ Kampftöle bellt
    Sich die Schönheit der Schöpfung dem Auge ergießt

    Dort, wo sich ein Vers für den Eindruck verstellt
    Es gäb‘ diesen ruhigsten Garten der Welt


  • Küstennähe & das hundertneunundsechzigste Gedicht

    Die Romantik der Seefahrt beginnt bereits ein paar Dutzend Kilometer vor der Küste.

    Hanse

    Dass die Luft dieser Stadt so bedächtig nach Salz riecht …
    Sie stammt aus den Lungen der alten Matrosen!
    Der’n Unbestimmtheit noch meeresschwer wiegt
    Keine Lush-Outlet-Düfte verveilchenter Rosen

    Selbst ein Start-Up’ler tritt hier als Seebär an Deck
    Schmettert „Mann über Bord!“, dass Sekret-Brisen brodeln
    Und gestern-empfänglich stopft man jedes Leck
    Mit den Winden, auf denen die Drecksmöwen rodeln


  • Wetterumschwung & das hundertsechsundsechzigste Gedicht

    Unter den Inden

    Der neunte Stopp in Berlin in diesem Jahr. Mit Graupelschauer.

    Der Wolkenbruch

    Wenn das Blau ein Grauen aufbraut
    Aus der Tiefe Schiefer raushaut
    Schwärzeres in Schwären aufstiebt
    Wolkenfreiheit vor sich her schiebt
    Wenn mit wuchtig ersten Winden
    Letzte Hoffnungsfetzen schwinden
    Dann, mein Lieber … ahnste was?
    Wirste nass

    Mehr Gedichte zu Wind & Wetter


  • Berlin von oben & das hundertdreiundsechzigste Gedicht

    Berlin Alexanderplatz

    Gruß vom Park Inn/Ex-Forum Dach.

    Der Turm

    Das Zepter der Stadt strahlt in Formdekadenz
    Als hätt’s seine Pracht sich von selbst angesäugt
    Silhouettenikone der Stadtprominenz
    Von Speckgürtelblicken genügsam beäugt


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