In Social Media
Wo jeder glitzbeseelter Juchzer
Nur Fokus-Küsse will,
Ist auch ein Social-Issue-Schluchzer
Nicht angemessen still.
Der „Ich! Ich!“-Dresscode scheint frivol?
Wir stylen uns fürs Monopol.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

In Social Media
Wo jeder glitzbeseelter Juchzer
Nur Fokus-Küsse will,
Ist auch ein Social-Issue-Schluchzer
Nicht angemessen still.
Der „Ich! Ich!“-Dresscode scheint frivol?
Wir stylen uns fürs Monopol.

Das Scheit
… ist erkennbar nur Teil,
Aber dennoch massiv,
War mal Pascha in einem Verband,
Dankt die Trennung dem Beil,
Floh dem Co-Daseinsmief –
Umso rascher wird es nun verbrannt.

Die weihnachtliche Stube (und eine betrübliche Erkenntnis)
Hüben steht der Tannenbaum,
Drüben brät ein Pfannentraum,
Bübchen sitzt im andern Raum.
Ist wohl grad am Üben? Kaum.
Mit dem Vortrag des Gedichts
Wird’s – so wie im Vorjahr – nichts.

Erste Lektion der Katzenblick-Fibel
Es rügen dich zwei Katzenaugen:
„Wann wirst für Empathie du taugen? –
Du bist einfach skandalös untersensibel!
Zweifelsohne ist die Krone der Schöpfung
In unserer Wohnung ein andres Geschöpf, Jung –
Korrigier‘ das mal in deiner Bibel!“

Der Unerbitt
Die Kälte masst aufs ebne Land,
Das kühle Nebel schwitzt
Als hätt‘ ein Qualm von tiefem Brand
Die Erdkrume durchritzt.
Der Winter lässt sich Zeit und Ruh,
Schaut rauchend uns beim Leiden zu.

Kathmandu
Cat-Man, du wirst niemals Vater!
Bist halt ein kastrierter Kater
Und dein Part zur Arterhaltung
Scheitert an der Saat-Erkaltung.
Doch du spielst weiter Muskelprotz –
Eskapismus oder Trotz?

Lichtbad
Der Herbst verkürzt die Sonnenstunden
Auf allenfalls zwanzig Minuten.
Man muss auf den Spaziergangsrunden
Sich dementsprechend sputen,
Die im Licht gespeicherte Wärme zu tanken,
Eh wir zurück zur Schwermut wanken.

Zur Portionierung
Man sollte, klar, beim Neu-Erfinden
Sich nicht an zu viel Altes binden.
Und doch braucht’s für den Unterschied
Das Hier, von dem man kam und schied,
Weil’s des Alten genug sei und reiche:
Den Restgeruch der Weiche.

Vollmondromantik
Vollmondlichtumrandet
Wolkt‘s im himmlischen Gefilde –
So pompös gewandet
Wandelt Nacht sich zu ’nem Bilde,
Das ein Träumer unbeirrt
In den Weltraum projiziert.

Zum Ende (der ersten Etappe)
Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist –
Wo wir noch so viel vorhab’n!
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