Das Los des ew’gen Nicht-Genugs
Wurde dir in die Stirne massiert.
Da sich die Welt in Re-Tweets misst,
Bist du hier nie passiert!
Die Welt ist ein Laufsteg –
Nur du nennst sie Bühne,
Betrachtest dein Abseits
Als Teil einer Sühne
Und betrittst jeden Pups-Club mit Unsicherheit.
So lehrt die Kunst des Selbstbetrugs:
Der Schwulst der Profiteure,
Dass alles Arbeit war und ist.
In Wahrheit gilt, ich schwöre:
Die Welt ist ein Laufsteg –
Man schminkt sie zur Bühne,
Das mindert den Anreiz
Für weniger Kühne.
Und mit einem Mal weiß ich:
Oh, 2030
Ist doch sehr sehr fern
Und würd ich auch gern
Es lebenden Auges besehen,
Muss sicherlich vorher ich gehen.
Denn vor Geburtstag 62
Rechne ich damit, es rächt sich
Des Lebensrauschs Fülle
An sterblicher Hülle.
Dann wird’s nix mit mir und Jahr 2030 –
Da kann ich mich auch nicht beschwer’n, Herr, das weiß ich.
Andrerseits gibt’s Register,
Die blieb’n ungezogen:
Hatt‘ lebenslang Schiss vor zu heftigen Drogen –
Und ein Achteljahrhundert nur Verse Verfassen
Schafft auch wenig Zunder für’n ungesund krassen
Lebenswandel.
Hält dann vielleicht mein Daseinsbandel
Doch noch in die Dreißiger?
Fraglos freudlos, scheißiger.
Und plötzlich Zweifel: Wird’s nich‘
Doch eh’r 2040?
Schneidende Kälte
Säbelt hart an mir rum.
Das Jahr ist in Bälde
Auch schon wieder um.
Mein Faible fürs Frösteln
War bloßes Gewäsch.
Nichts Tröstliches ist so
Beliebt wie sein Hash-
Tag.
Die Anmaßung (Etappe 3: Errötetes) Teil des Großgedichts „Hier ruht unsre viel zu früh von uns geschiedene Dorothee-Cosima“)
Das errötete Dekolleté
Der durchvögelten Dorothee-Cosima
Umwölkt zart ein Röschen-Bouquet –
Ein Momente umkosendes Immerdar
Von fötenfrischer Geistesreinheit,
Libidinösem Fleisches Meineid –
Ins schwärmende Aroma-„Ahhh!“,
In dem sich die Urform der Gleichung beweist,
Um die der Planet unsres Menschentums kreist.
Vom Veilchenaroma beliebreizten Duftens
Zum moschusbeschwerten Fond sinnlichen Schuftens
In den Flauschtierterrains zoologischer Gärten,
Dem mancherlei Poren schon Paarung gewährten,
Dass pure Natur glatt den Urknall verdaut
Im Nachhall ein Schauder bekräuselnder Laut,
Mit dem sich die Gänsehaut so exponiert,
Als hätte ein Faun ihren Po penetriert.
Und bändesprengende Unbändigkeit
Beschämt den Zaum der Beschreibung,
Wird jed Kategorien
Schon im Antritt entflieh’n,
Die da andernorts wär’n Übertreibung.
Ein Kloster reinster Engelsgleichheit
Ist ihres Schoßes Enge Weichheit!
Wer wickelt denn, bitte, sein Baby in Windeln?!
Legt’s dann in ’ne Krippe – den Tieren zum Fraß!?
Läuft das unter gängigem Fanmob-Beschwindeln,
Als Aufsteigermythos des späteren Stars?!
„Hab ich nicht längst schon jeden Schmerz
Mit einem Vers beschrieben?“,
Beschwere ich mich himmelwärts,
Schwer pathosübertrieben.
Zum Leidwesen für Schmerzbetroff’ne
Gibt’s die weit nach oben off’ne
(Gott ist unser) Richterskala –
Dass du deine Dichtertaler
Dir hienieden auch verdienst