Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Pflanzen & Natur

Gedichte vom Wandeln in Natur und Wald sowie Gedichte, in denen andere Pflanzen die Hauptrolle spielen.


  • Mönchgrün & das hundertneunundneunzigste Gedicht

    Mönchgrün

    Irgendwo hinter diesem Hügel liegen die 15 Häuser von Mönchgrün. Aber wie es da auschaut, muss man selbst ergründen. Vielleicht beim Literarischen Weinfest 2017?

    Schlummertrunken

    Wo die grünen Mönche wohnen
    Mitten Apfelbaumgeäst
    Torkle ich mit Kollisionen
    Halte mich am Weine fest
    Leg mich auf der Wiese nieder
    Hoffe, dass das Wetter hält
    Sattle meinen Abtauchsieder
    Reite in ’ne andre Welt


  • Murnau & das hundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Obstblüte

    Vollmai’sige Prachtidyllen allenthalben. Insbesondere ein paar Regionalbahnhalte vor München.

    Dichtung und Wahrheit

    Ersinn‘ dir den ruhigsten Garten der Welt
    Wohin sich kein Ton der Verrohung gesellt

    Wo das sprießende Grünen im Überfluss quellt
    Und sich blütenschwer Zweige in Windstille wiegen
    Wo idyllisch ein Schweigen die Farben erhellt
    Alle Pflichten im Schoß dieses Rückzugs versiegen

    Wo die Aura der Stille die Quengler verprellt
    Bis das drängelnde Draußen sich selber erschießt
    Nur noch Vogelgezwitscher jed‘ Kampftöle bellt
    Sich die Schönheit der Schöpfung dem Auge ergießt

    Dort, wo sich ein Vers für den Eindruck verstellt
    Es gäb‘ diesen ruhigsten Garten der Welt


  • Blütenmeer & das hundertfünfundvierzigste Gedicht

    Bahnfahrt Sardinien

    Diese Landschaft gab es auf der Zugrückfahrt nach Cagliari auch in Rot und Violett. Volle Pulle Frühling.

    Frühling & Fortbestand

    Für den einen Moment des höchsten Ruhmes
    Wirkt das Land wie von Zartheit und Auftrieb bestäubt
    Wenn aufgewallt zu Blüt‘ und Blum‘ es
    Das Wissen vom Ehrgeiz der Dürre betäubt

    Bald wird das Gold der Farben lichter
    Bald welkt der Flor zum Rückzug an
    Bald wahrt nur noch ein Wort der Dichter
    Den Schwur, dass hier die Spur begann

    Mehr Gedichte zum Lenz und Aufblühen


  • Orange Sassari & das hundertvierzigste Gedicht

    Sassari Altstadt

    Palmen und Orangenbäume, dazwischen Parkplätze. Schöne Alternativen zum nordeuropäischen Normstraßenbaum.

    Straßenbaum im Frühling

    Im Apfelsinenblütenduft
    Spürst du wellnessnahes Erahnen
    Das tapfre Bienen zu sich ruft
    Den Napf früchtelnd süßen Geruchs zu umgarnen
    Dessen süffig‘ Aroma die Straßen besprüht
    Und allüberall auf Asphaltflächen glüht


  • Birken & das hundertundzwanzigste Gedicht

    Birken

    Der zweite Tag in Finnland ist recht grau. So grau, dass sich auch die Bäume auf Schwarz-Weiß beschränken

    Die Birken

    Als der Leopard ums Zebra
    Zärtlich seine Arme warf
    War den Amourierten eh klar
    Dass man derlei gar nicht darf

    Doch Leo sagt Zebi – den Huf in der Pfote:
    Ein Zweig wahrer Liebe entmachtet Verbote!

    Seitdem wächst für der beiden Traum
    Sogar auf kargem Grund ein Baum
    Die Fellmuster beider Tiere vereinend
    Die Grenze zu dem, was nicht sein kann, verneinend

    Singet nun ein Lob den Birken
    Und sagt’s auch den andern Tierken!


  • Amsterdam & das hundertundfünfte Gedicht

    Amsterdam

    Blütenglück

    Was kümmert die Blüte die fehl’nde Idylle?
    Zur Not ist sie durchaus sich selbst schon genug
    Auf kleinstem Terrain die größtmögliche Fülle
    Schmückt sie sich ihr Stück zum geglückten Versuch

    Übers Andere sollen die Andren entscheiden
    Das wird sie nicht sehen, das muss sie nicht leiden


  • Leaving Potsdam & das achtundneunzigste Gedicht

    Potsdams Park Sanssouci

    Und noch ein letztes lyrisches Mitbringsel aus Potsdam.

    Im Garten

    Das alles hier hatte mal einen Namen
    Fest verstrebt pferchten Lettern den Grundbesitz ein
    War’n dem Platz in der Welt jener nötige Rahmen
    Um zeitlich befristet ein Ich-Reich zu sein

    Nun nistet ein Schwalbenpaar in diesem Bogen
    Der war vielleicht mal ein O, war vielleicht Konsonant
    Wohl zig mal bebrütet, noch öfter durchflogen
    Stand hier mal ein Name, den jemand gekannt


  • Tourblues & das vierundachtzigste Gedicht

    Isarauen

    Und schon wieder auf Achse. Beim Aufbruch schon Heimweh. Na, Gottseidank geht’s in die immer vergnüglich stimmende Schweiz – das mag uns Gedichte folgender Strickart ersparen (die nach der Strickart Zwei zufällig ausgewählte Anfangszeilen weiterschreiben im Dienstagsslammer Workshop aus mir purzelten):

    Die Dahlien 2.0

    Immer, wenn die Dahlien blüh’n
    So spät im Jahr noch frisches Grün
    Blick‘ ich verdutzt
    Aufs schlecht genutz-
    te, nun schon fast vergang’ne Jahr
    Und frag‘ mich, ob es nicht vielleicht
    Nicht jetzt erst, da die Zeit mir weicht

    Von Anbeginn verloren war


  • Hofgartenblues & das achtunddreißigste Gedicht

    Im Wiener Hofgarten

    Man sollte Wien nicht verlassen, wenn man bislang dieses stimmungsvolle Städtchen nur mit purer Quatsch-Dichtung bedacht hat. Habe ich dennoch getan. Hier nun meine postbesuchige Wiedergutmachung:

    Vorfrühlingsmelancholie

    Die braunbegrauten Astkorallen
    Der herbstzeitvergessenen Großstadtallee
    Sie spür’n in ihren Wurzelballen
    Die ersten Signale an Knospen-in-spe
    Es lässt die Gewissheit von Blühen und Sprießen
    Sie schweigsam die Tage des Aufschubs genießen

    Denn wenn Dorn und Rösschen erst aufgewacht sind
    Ist der Wandel vorbei

    Und das Sterben beginnt.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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