Wenn in sechs Jahr’n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff’s, wenn’s gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Narben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.
Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier –
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm’nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!
Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss’nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.
Zweites Ripostegedicht zu Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“
Von Birnen und Äppeln
Das Ladengeschäft namens Gravis im Tal
Führt Must-Have-Produkte (die mir recht egal)
Und kommt zur Ladenöffnungszeit
(denn zum iStore beim Rathaus ist’s gar nicht so weit)
Am Laden vorbei so ein hipsternder Seppel
So flüstert’s: „Kemmst eina? I geb dia’n Apple!“
Riposte-Crossovergedicht zu Heinz Erhardts „Ein Naßhorn“ und „In der Traumstadt (Lächeln)“ von Peter Paul Althaus
Horn und Sporn
In der Traumstadt ist ein Nashorn stehengeblieben
Niemand weiß, wem es gehört
Und beim Versuch es fortzuschieben
Hat ein Polizist sich die Schulter gezerrt
Und das Nashorn weiß gar nicht, wie viel es gewogen
Bevor es nach Schwabing gekommen
Doch es hat hier, nachdem’s durch die Kneipen gezogen
Wohl deutlich noch zugenommen
Langsam stapft es nun von hinnen
Trotz der Masse: leicht verstört
Will als „Ansporn“ neu beginnen
Weil’s sich quasi gleich anhört
Dieser taube Wissenszipfel im Abseits
Hat seit Eröffnung des Hauses noch nie int’ressiert
Weshalb dein: „Ach, schau mal hier – wusstest du das?!“
Den rüde Geweckten komplett irritiert
Hinten heraus, da ist München so klein
Da ist München noch nicht einmal Stadt
Da kannst du dein Zeter und Mordio schrei’n
Da fahren die Pendler dich platt
Hinten heraus, da wird nicht gezählt
Da hat man sein Leben nicht selber gewählt
Da loggt man als Ziel ein:
„Ich möchte mobil sein!“
Um zu bleiben bei dem, was man hat