Rollenwechsel
Heut bin halt ich mal Publikum,
Drum schalt ich mich plus Handy stumm.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte zur Kunst und der künstlerischen Inbrunst nebst dem entsprechenden Leiden.

Rollenwechsel
Heut bin halt ich mal Publikum,
Drum schalt ich mich plus Handy stumm.

Eine Kosmosfülle Gutgemeintes
Eine Kosmosfülle Gutgemeintes
Erstreckt sich in die Gassen.
Durch der Fassade Gipspracht scheint es:
So müsst’es halbwegs passen,
Dass Motivation und Erfolg sich mal küssen!?
Der Überstrich fordert: Sie müssen, sie müssen!
Doch nichts passiert. Nein, der Verfall
Ermächtigt sich hier überall
Der quasi unbenutzten Stadt
Und plündert das gemachte Nest
Für das so schmuck garnierte Fest,
Das niemals stattgefunden hat.
Alle Rechte bei Ute Kratzer, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.

Die Flugbegleiter
Ich schwärme wieder aus und säe
Meine Saat in Strudelnähe.
Der Blutfluss jeder alten Wunde
Benötigt keine weit’re Stunde
Sich tropfnass zu erholen.
Die nächste Runde darf beginnen –
Als Rinnsal kannst du nicht gewinnen!
Wie sehr ich mich nach Ruhe sehne,
Erzähl’n die rings verstreuten Zähne
Wie rabenschwarze Dohlen.

Spätes Nachsitzen
Nun bin ich schon älter als einst meine Lehrer
Und frag‘ mich, was brächt‘ ich mir bei?
Wo fänd‘ ich den Zugang als Wissensvermehrer
Fürs üb-liche „Give it a try!“?
Schlurfende Gedankengänge,
Ohne Drall nach vorn –
Ob der Morgens-Aufsteh-Zwänge
Allen Flow verlor’n.
Konnten all die Pflichtlektüren
Mich zu den Gedichten führen?
Zumindest: Es wurden die Pfade gelegt
Zu Beeten, die seither man selbstbewusst pflegt.
Behaupt‘ ja gern und stur, ich hätt’s
Mir selber beigebracht –
Liest das jetzt der Herr X, ich schätz‘,
Dass er nur herzlich lacht.
Nun bin ich schon älter als einst meine Lehrer
Und wie ihnen ist mir heute klar:
Es log meine Show als Aus-Trotz-Aufbehrer,
Wie formbar ich doch damals war.
Alle Rechte bei Hans-Peter Franz, der das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.

Der Ausreißer
Bist von einem Zuhause weggelaufen,
Dass es in dieser Art nicht mehr gibt.
Und du könntest dir jederzeit kaufen,
Dass überall dich jemand liebt.
Die dir versagten Ritterschläge
Werden längst nicht mehr eingeübt.
Ein Kosmos voller Fehlbeträge
Hat alle Bilanzen getrübt.
Trotzdem träumst du von keinem besseren Leben –
Denn das Träumen an sich trägt die Schuld!
Du wirst dich energisch vorm Nachtisch erheben.
„Was sollte denn das?“ – „Das ist Kult!“

Befriedet
Dein Aufruhrbegehren war stets etwas weird,
Nun hab’n manche Lehren dich pazifiziert,
Bist immer noch Insel, doch fügst dich dem Meer,
Warst hartes Gerinnsel, nun rügst du meist fair.
Den Frieden zu finden, heißt ihn zu erzwingen –
Es kann das Sich-Winden nicht ewig gelingen.
Erwies rüder Stolz nicht beizeiten als falsch sich?
Fast müd zuckt die Klinge – und irrt sich gewaltig.
Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.

Zu lang geschwiegen
Zu lange schweigen
Heißt: Rhythmus vergeigen,
Abseits zu landen vom einstigen Reigen
Zu lang zu schweigen
Bedingt abzusteigen,
Heißt: Weißheit verbeigen,
Zertretene Zehchen,
Heißt: irgendwie sich ohne Nirgends verlier’n,
Dringt letztlich gesetzlich als Leerstand ins Hirn
Und kommt zum Ende nicht zur Ruh.
Trotz Likes zeigt sich dann Blut im Schuh.

Im Widerstreben
Ich werde womöglich mich nie dran gewöhnen,
Dass man sich an alles gewöhnt.
Sollt‘ ich denn dem Pool der Gewohnheiten höhnen,
Wenn alles in mir klagend stöhnt?

Meer und Horizont
Und im Ozean des Wissens, nicht zu genügen,
Strecke ich meine Haifischflosse empor.
Oh, schon brandet Protest, sich ein wenig zu fügen! –
Im etwas zu einig erscheinenden Chor.
Es entrüstet die Jury mein Raubfischgebahren –
Ja, war denn ihr Votum nicht deutlich genug?!
Gleich wird sich ein Meerjungfraugirl mit mir paaren –
Als all der Unendlichkeit schönster Betrug!

Im Visier
An meiner Pläne Flipchart harrt
Das Tschechowsche Gewehr.
Verspür ich solch Gefährdungsgrad?
Ich würde sage: sehr.
Es flötet sein „Zu spät, zu spät!“
Mein Kuckuck gegens Ändern.
Und ich diktier, was er mir rät,
Noch nie gehörten Sendern.
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