Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Krummzeiler

Manchmal kommen Verse aus, ohne dass eine glatte Zeilenzahl herauszukommt. Und sind mit ein wenig mehr Sorgfalt ebenso rhythmisch zu lesen.


  • Schulslam & das hunderteinundvierzigste Gedicht

    Sassari Gastronomieschule

    Zum Schulslam in Sassari. Wilder Vormittag.

    Noschonung

    Entscheidungen, liebe
    Jungen und Mädchen
    Sind die adjustier’nden Rädchen
    Die im Körperwuchse wohnen

    Haut nur laut und stetig rein
    Stellt sie ständig anders ein
    Später bleibt noch so viel Zeit
    Um sich in Beständigkeit
    Für das, was man niemals erreichte, zu schonen


  • Mün2 & das hundertvierunddreißigste Gedicht

    Maibaum Viktualienmarkt

    Am gleichen Tag, nach der Fahrt on -ster nach -chen

    Auf Drei alle

    Sind die anderen Leute so bedeutsam wie ich?
    Ich halt’s ja für Unsinn – berichtige mich!
    Oder richte mich gleich
    Im Kleinstädterreich
    Mit irgendwas mit Medien hin

    Man erkennt ja beim Gähnen
    Sein Volk an den Zähnen
    Jed Eigenschaft am immerhin

    Auf Drei ruft alles: „Neubeginn!“


  • Münster & das hundertdreiunddreißigste Gedicht

    Münster

    In Münster gefeiert. Vorher Slam. Trotz vorherer Streckensperrung Marl-Haltern.

    Die verkaterten Morgen

    Ein verknitterter Blick kratzt das Kalb meiner Stirn
    Der gehört noch nicht so ganz zu mir
    Ich muss ein verwittertes Fell strukturier’n
    Die entglittenen Bilder des Tages entwirr’n
    Danach erst begebe auch ich mich ins Hier


  • Falkensee & das hundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Silhouette am Bahnhof Falkensee

    Nach dem Abflug um 6:30 Uhr von Helsinki Zwischenstopp und Auftritt in Falkensee. Weiter ging es dann nach Essen. Zum Auftritt. Und um zwei Uhr auf den Zug gen München, wo ich um 8 Uhr eintraf. Einer 24Stunden-Reportage würdig.

    In Falkensee

    Ob ich nun nackt im Balkan steh‘
    Ein Schaf anpack‘ in Falkensee
    Bei ’ner Attacke Hulk anfleh‘
    ‚Ne Kalkwand wacker schwarz bestreiche –
    Es ist am Ende eh das Gleiche!

    Da hör‘ ich euch den Einwand schrei’n:
    „Das kann doch nicht das Gleiche sein!?“

    Nun, wenn ich da noch etwas einschränken darf:
    Nichts war so weich wie das Fell von dem Schaf


  • Wedding & das neunundneunzigste Gedicht

    Wedding, Hinterhof

    Wedding, Hinterhof.

    Ich hätt‘ vielleicht noch so etwas wie einen Koffer in …

    Ich hab noch einen Koffer in Berlin
    Da ist vermutlich längst schon nix mehr drin
    Denn die Baliner
    Ditt sind Schlawiner
    Wo wat zu holen is‘, da langen’se auch hin


  • Wartburg & das neunundsiebzigste Gedicht

    Pflichtprogramm Eisenach: Einmal zur Wartburg hoch. Die Ursprungsslamlocation.

    Die Sehnsucht der Steine

    Eh die Wartburg Burg ward, war sie
    Unbehauner Fels und quasi
    Wie der Berg, den sie heut krönt

    Manches Werden wird bestöhnt:
    „Was soll das Gewese? Ich hab doch das Meine!“

    Sieh dein Mühsal als Dienst für
    Die Sehnsucht der Steine

    Anmerkung zum Genus: Heute wird Mühsal nur noch als Femininum verwendet, früher konnte Mühsal indessen auch ein Neutrum sein.


  • Zürich & das sechsundfünfzigste Gedicht

    Zürichsee

    Im Regen angekommen, im Frühlingssonnenschein raus. Zürich versöhnt.

    Zur Ich und zum Du

    So, als sei es ganz natürlich
    Führte eine fremde Spur mich
    Schnurgeraden Weges zur Ich
    Dem feminin wurzelnden Kern meines Lebens

    Da sprach zur Ich ich
    „Komm, verführ mich
    Scheint’s auch etwas ungebührlich
    Hier, in der Kannschonstadt Zürich!“

    „Kann schon sein, dass ich das mache
    Doch das bleibt ganz meine Sache
    Zum Du drängst du mich vergebens!“

    Zu dumm, zu dumm, zu dumm, zu dumm
    So seufzend kehrt‘ ich wieder um


  • Fürth & das zweiundfünfzigste Gedicht

    Fürth Brunnen

    Just, da ich dachte, in Fürth nichts mehr Abbildenswertes zu erblicken, stolpere ich über ein Einhorn nebst einem Krokohippo-Mischling, die Ihresgleichen suchen. Was wiederum nur ein holprige Überleitung zum 52. Gedicht ergeben soll. (Schöne Zwischenerkenntnis: Als ich versuchte zu ergooglen, ob man die Wendung „just da“ mit einem Komma trennt, wurden mir Hunderte Vorkommen von „Just Dance“ angezeigt)

    Iris gleichen

    Gerne würd‘ ich Iris gleichen

    Doch

    Ihr is‘ alles unter Scheichen
    Bloß Affront – und darf sich schleichen

    Ich

    Ahne, dass ich Ihresgleichen
    Niemals kann das Wasser reichen
    Doch ihr irrt, wähnt ihr mich weichen:

    Einmal wird mir Iris gleichen!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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