Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Kleidung

Gedichte, in denen Kleidungsstücke die Protagonisten sind.


  • Oide Wies’n & das zweitausenddreihundertundzwanzigste Gedicht

    Im Museumszelt der „Historischen Gesellschaft Bayerischer Schausteller e.V.“

    Zwischengeschlechtliches

    Wie hab ich seibernd dreingeluchst,
    Wo sie statt unter- ungebuxt
    Ihr wabernd „so ist recht“-Geschlecht
    Reich frei entfaltet ausgeflächt,
    Als sei ’ne Reihe von Rekorden
    Für neue Ären einzunorden.

    Hab so stark drauf- wie dreingeäugt,
    Dass jetzt voll Gram mein Blick sich beugt
    Und nach solch warmen Halten sucht,
    Die spaltenarme Zeit verflucht –
    Als sei die Folge von Genüssen,
    Dass Weitre weiters folgen müssen,
    Um seinen Pegel auch zu halten
    (und in der Regel geht’s um Spalten).

    Doch heut, vor dir zu sehr bebuxten
    Schaff ich’s nicht mal zur verdrucksten
    „Magst du dich ma auszieh’n?“-Frage
    Für die Mild’rung meiner Lage.
    Ich witt’re hier klar ein Gebiet,
    Das unenthüllt mich runterzieht –
    Anstatt du’s mit dem Büxlein tust!

    Worauf des Glücks Verzückt-Sein fußt.
    Magst du gemäß solch‘ Sehnen
    Die Hosenbünde dehnen?


  • Model & das zweitausendzweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Nicole Eisenman. What Happened im Museum Brandhorst

    Crossover-Ripostegedicht zu Tucholskys „Das Ideal“ und den Heidi-Klum-Rant von Roger Willemsen.

    Der Ich-Handel (The I-deal/Dimunitiv von „selten“)

    Ja, das möchste:
    Du willst bei der Challenge heut voll überzeugen,
    Dass all jene andren dich neidisch beäugen
    Und Heidi kreischt fleischig vor Scheineuphorie,
    Du hätt’st krass Personality
    Und die Fashionwelt wird sich schon bald darum reißen,
    Dich auf ihren Kampagnen willkommen zu heißen.

    Du schwebst vom Walk auf Wolke Sieben,
    Bist dabei ganz du selbst geblieben,
    Gibst dich dem Netz in Gänze hin
    Als mega! Influencerin,
    Bekommst von dort so viel zurück:
    Ein tausendfach geteiltes Glück.
    Ja, das möchste.
    Aber,
    in Wahrheit wirst du voll verheizt
    Im Tollhaus, das mit Chancen geizt,
    Verkackst im Kreis beknackter Grazien,
    Verlacht als Wackelkandidatin,
    Die beständig, unbändig und flehentlich flennt
    Vor gemeinen Designern, die eh keiner kennt.

    Letztlich fehlt dir das Foto zum Model-Champ,
    Du hoffst noch auf das Dschungelcamp
    Und hangelst fesch von „Au!“ zu „Au!“
    Durchs Dickicht dich vom Trash-TV.

    Doch wie sehr man sich auch engagiert,
    Dass man sich dann noch etabliert
    Vorm bösen Ansturm erster Fältchen
    Das
    Ist seltchen.


  • Leinenzwang & das zweitausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Vor einem Supermarkt in Aland

    Vererbliches

    In meines Vaters alten Hosen
    Misslingen alle eitlen Posen.

    Da grient ein Schwall von Disrespekt
    Im Dom des Feuilletons,
    Ein All verschalt unangesteckt
    Vom feu des Perignons.

    Da spricht wahllose Ahnung: „Spiel dich nicht so auf!“,
    Doch in solcherlei Hosen nehm ich das in Kauf.


  • Bachstelze & das zweitausendeinhunderteinundvierzigste Gedicht

    Bachstelze in Aland

    Zu spät gelieferte Werbeslogans: Lob des Matelots

    Es wird unangefochten der Matelot
    Sehr zielelegant uns geflochten aus Stroh
    Als ein Stilgarant über der Haarpracht Verzierung,
    Die Bonvivance übende Chapeaunisierung!


  • Pommerngalione & das zweitausendeinhundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Galionsfigur der Pommern im Hafen von Mariehamn

    Aspekte der Hutfertigung (eine Erinnerung an Lindenberg)

    Mit Hitz‘ und Druck am Ziehstand schrumpft
    Ins Drittelsein der Stumpen.

    Wo ein Detail mit Feinschliff trumpft,
    Bleibt Größe Maß der Lumpen.


  • Hutmuseum & das zweitausendeinhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Deutsches Hutmuseum in Lindenberg im Allgäu

    Hutmachertricks

    Man schleift mit einer Haifischhaut
    Die Filzschicht zum Velours.

    Wer das sich unter Wasser traut,
    Veredelt jede Schur.


  • Durchblick & das zweitausendvierzigste Gedicht

    Blick auf Schloss Spiez

    Zum Loch im Schritt meiner Lieblingsbuxe

    Es leistet die Hose grad da sich ein Loch,
    Wo auch meine Unterbux leckt.
    So zeigt sich falthaarig ein Sackstückchen noch,
    Obschon rundum doppelt bedeckt.

    Doch, Freunde, vielleicht gibt’s im Rund dieser Welt
    Zehn Menschen, den’n solche Entblößung gefällt!?
    Die mit jener Entdeckung Schwung
    Nebst Mannschaftsportsbegeisterung
    Beschließen, zum Team sich zusammenzuschließen,
    Und mit mir trainieren das Fußbälleschießen!?
    Wir hangeln uns von Sieg zu Sieg
    Hin zum Gewinn der Champions League!
    Und in Interviews wird oft gefragt, wie es kam,
    Dass sich diese Mannschaft formierte –
    Dann wühle ich just den Teil Sack aus der Scham,
    Der einst durch mein Hosenloch stierte.

    Ein Augenblick Hoden – wie kurz auch – vermag,
    Den Lauf aller Bälle zu ändern …
    Zeig dich unbeeindruckt von Moden und trag
    Mit Stolz den Verfall von Gewändern!

    Nur du konterst bar der Erkenntnis vom Zweck:
    „Jetzt echt: Diese Hose – wirf endlich mal weg!“


  • Islas Purpurinas & das eintausendneunhundertneunundzwanzigste Gedicht

    Blick auf die Islas Purpurinas von der Festungsmauer von Essaouira

    Erdal Rex

    Ist die Richtung auch falsch, in die ich mich bewege –
    Am Ende kommt immer das Meer.

    Aber wirkt sich das aus auf die Wanderschuhpflege?
    Nun ja, ich befürchte wohl: sehr.


  • Osterseepanorama & das eintausendsechshundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Blick über den Großen Ostersee

    Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

    Joggende

    Man glaubt’s kaum, doch ich trau’s dir zu,
    Du fandst noch grad vorm Spiegel „Whooo!
    Ich schnittigflotter Sausewind
    Feg gleich durch alle Gassen!“
    Laut schreit dein Outfit „Gott ist blind“,
    Vom Mindestmaß verlassen.

    Jede Zeit hat ihr Debakel
    Von ästhetischer Natur –
    Bald huschst du als Gehweg-Makel
    Zum „Das geht echt gar nicht!“ pur.

    Magst du dich nicht hinbegeben,
    Wo man unverdächtig schwitzt?
    Eh durch das gepflegte Leben
    Ständig dein „Ich trau mich!“ blitzt?!
    Bürgersteige sind dem Sporte
    Selten zugeneigte Orte.


  • Pension Cortina & das eintausendfünfhundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Treppenhaus der Hotel Pensio Cortina an der Kantstraße in Charlotenburg

    Stadtteiler Zweizeiler: Charlottenburg

    Charlottenburger Burkamotten
    per Gucklochfraß der Deckkraft spotten


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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