Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Untergrundstation & das siebenhundertzweiundfünfzigste Gedicht

    U-Bahnhof Alexanderplatz

    Zur Aufmunterung

    Wie oft ward das, was dich empörte
    Das prinzipiell Zerstörenswerte
    Dann doch vom Rest der Welt verehrt?

    Und trotzdem lagst du nicht verkehrt


  • Verewigter Stenz & das siebenhunderteinundfünfzigste Gedicht

    Monaco Franze an der Münchner Freiheit

    Hochzeitsgedicht

    Ja,

    ich will mit dir welken
    immer langsamer werden
    statt Pferde nur noch Esel stehl’n
    Auf Wellnessfarm’n mit 66
    die uns verblieb’ne Knete zähl’n

    Würd‘ sogar mit dir walken
    an Nordischen Sticks
    und sorgen dich Falten
    ich seh‘ da doch nix!
    Denn eh wir gänzlich gräulich sind
    sind wir – zwar heuchelnd – farbenblind

    Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
    du rattenscharfes Bräutebiest
    Doch dein Dekolleté ist mir ewig heilig
    und wenn du mir erlaubst, verweil‘ ich
    das mir verblieb’ne Ewigkeitchen
    Wang‘ an Wang‘ an deinem Seitchen
    bis ich tattergreisig im Rollator tapper‘
    mit innerlich fester, nur äußerlich schlapper
    starrsinnsnaher Stetigkeit
    Wir hab’n’s ja eh nicht mehr so weit

    Denn den besten Teil meiner Zeit gab ich dir schon
    nun folgt noch die Treuepunkt-Paybackaktion
    Doch gäb‘ man mir noch mal so’n Leb’n zu verschwenden
    so schenkt‘ ich es dir mit fast gleichvollen Händen
    und
    würd‘ mit dir welken von heute bis morgen
    für jeden Romantisch zwei Stühle besorgen
    würd‘ Wellness und Willkür und Wolken ertragen
    und tät’s selbst in Kirche und Standesamt sagen:

    Lasst den Mond doch mal Mond sein!
    Wat will ick mit Sterne?
    Ich mein‘ das ganz irdisch:
    Ja, hab‘ ditt Girl gerne!
    Sprech‘ den ZugeneigtseinsEid an sich:
    Ick liebe dir /(Strich) liebe dich

    Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
    du rattenscharfes Bräutebiest
    Nur, dass du jetzt vor Scham erglühst
    nicht rot zu werden dich bemühst

    Doch rot ist die Liebe, wie sich nun wieder zeigt
    Auf dass ihre Röte um kein’n Deut erbleicht!

    Mehr Gedichte für Hochzeiten und Geburtstage


  • Virtualiösität & das siebenhundertneunundvierzigste Gedicht

    U-Bahnhof Giselastraße

    Der Jüngling und das Mädchen am Fenster

    Heute bin ich displaytrunken
    Tief in ihr Profil versunken
    Spürt‘ ihr sternenklares Schimmern
    Über meine Netzhaut flimmern

    Über Netz und Netz verbunden
    Schwelgte ich für fast zwei Stunden

    Oh nähr‘, treuer Akku, du weiter dies Märchen
    Und still‘ die im Stillen behausten Begehrchen

    Wohin die Geschicke uns fortan auch treiben
    Sie wird ewig
    In der Chronik
    Meines ersten Browsers bleiben


  • Frisiertisch & das siebenhundertachtundvierzigste Gedicht

    Bewohner vom Nachbargarten in der Tengstraße

    Ein kurzer Ausblick auf Kommendes – meine vordergründig unziemliche Betextung der Schlusssequenz von Rossinis Ouvertüre zum „Der Barbier von Sevilla“. Einfach frei heraus mitrappen!

    Frisierte Ouvertüre

    Es naht dünnbeinig und fadenscheinig …
    Dann rumpelt’s rüpelhaft gnadenlos steinig an
    Bis man es irgendwann
    Nicht mehr verleugnen kann
    Und sich per Sensation den Komfortzonen Ungewohntes angewöhnen lässt

    Noch nachvollziehbar
    Dass der Barbar da an der Bar dereinst Barbier war
    Und ganz Sevilla
    Für ihn vibriert wie zu’nem Tanzschritt von Godzilla

    Schablonisiert wirkt das hier Servierte
    Wie verziert für schiere Schmierenlarmoyanz

    Ihr insistiert zwar
    Der Komponisten Zierde sei nicht kompostierbar
    Und ganz Sevilla
    Schien wie frisiert von ’ner verirrten VoKuHiLa

    Ironisiert stiehlt das Irritier’nde
    Nicht der Grundprinzipien Linientreue Glanz

    Es flutet unvermutet gut durchblutet gegenströmig
    Und belebend widerstrebend in das Haar Verlockung webend:
    Eine der Ekstatik abgerung’ne Akrobatik
    Die die Ex-Barbier-Barbatik mit Vokabel-Kokolores koloriert (3x)
    Und mit Chaos kokettiert
    Uns mit Tobak torpediert
    Ziemlich ungewohnt toupiert
    Von dem Frondienst desertiert

    Mit infantiler VoKuHiLa
    Geht Godzilla nach Sevilla
    Zu dem Dealer in der Ex-Barbiere Bar:
    „Machst Du mir mein Haar?
    Diesmal aber ma‘
    Statt dezent und eh’r verstohlen
    Bitte zentnerschwer und unverhohlen
    Wild verkämmt ungehemmt
    Maßlos onduliert
    Spaßig koloriert
    Ich bin da gänzlich ungeniert
    Sofern nur jemand applaudiert
    Und sein beziehungsweise ihr
    Hochwohlgefallen konstatiert
    Jawoll


  • Guter Rutsch & das siebenhundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Piste in Ellmau

    Okayer Rutsch ins neue Jahr

    Bei meinem Rutsch ins neue Jahr
    Bin ich nicht weit gekommen
    Ich strandete in einer Bar
    Und bin den Rest geschwommen


  • Überwintern & das siebenhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Tannen an der Piste in Ellmau

    Neujahrstagabend

    Lieber erster Januar, du und dieses neue Jahr
    Sind natürlich auch erst zwar
    Sehr kurz da –
    Doch gehste ma
    Einen Schritt zur Seite?

    Ach, dacht’s mir wohl
    (trotz Alkohol):
    Da ist ja schon der zweite!

    Man muss um vorsätzliche Sachen
    Nicht immer so ’nen Aufriss machen!
    Das Jahr macht nach dem Neuanfang
    Ja auch so weiter wie bislang.


  • Hohe Salve & das siebenhundertdreiundvierzigste Gedicht

    An der Hohen Salve

    Ein Plädoyer für die Mittelgebirgswanderung

    Verwahre dich vor hochalpinen
    Rauf- und wieder Runter-Spleenen!

    Wo der Fels noch nackig ist
    Erosion die Grasnaht frisst
    Gibt’s nur:

    Geröll
    Geröll in spe
    Lawinengatter
    etwas Schnee
    geballte Lebensfeindlichkeit
    trostlos grau im Steinschlagkleid

    Denn der Berg, die Abbruchschlampe
    glänzt erst ab der Bauchspeckwampe

    Rück dem Gipfel nie zu nah, Kind
    reicht doch, dass die Berge da sind!

    Deren Schönheit lässt sich loben
    auch von nicht totalweitoben


  • Tor 23 & das siebenhundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Band-Backstage Grend

    Ein Text vom Marilyn’s Army Album „Zeit zu schrei’n“ (2018). Und wie am jeden 23. Dezember nutzen wir diese Backstage für unser Weihnachtskonzert im GREND Essen.

    Keine Beweise

    Du sagst, es sei Zeit zu verstehn
    So könne es nicht weitergehn
    Da gäbs Menschen mit guten Ideen
    Aber ich werd das niemals so sehn

    Keine Beweise
    Wenn ich es nicht will
    Das sind keine Beweise
    Wenn ich es nicht will
    Vielleicht war ich zu leise
    Doch du bist jetzt still!
    Das sind keine Beweise für mich

    Du sagst, es sei letztlich banal
    Man hätte ja eh keine Wahl
    Dass Skrupel und Zweifel vergehn
    Aber ich werd das niemals so sehn

    Du sprichst von den Zeichen der Zeit
    Du wärst für was Neues bereit
    Inzwischen sei zuviel geschehn
    Aber ich werd das niemals so sehn

    Ich erkenn, wie du weichst
    Mit den Falschen die Hände dir reichst
    Mir scheint, ständig gibt’s einen wie dich
    Und immer fehlt einer wie ich


  • Tor 21 & das siebenhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Märchenwelt der Linzer Grottenbahn

    Ripostegedicht zu Loriots „Advent“

    Abitus

    Ja, ist es denn verwündowlich
    Dass der Herr von Bülow sich
    Mit denen derer vom Forst überwarf?
    Ihr Sinnen für Humor nicht traf?

    Wer lässt sich schon gerne per Spottvers ermorden?
    So sind die Herrn vorsorglich tätig geworden
    Aus Notwehr mit dem Schrotgewehr –
    Nun lebt der Loriot nicht mehr!

    Die Förster in Firststrikemanier
    Beförderten das Vögeltier
    Ins Jenseits und ölten die Waidmannspistole
    Die fortan die Spötter vom Stamm der Pirole
    Von Stämmen und höheren Rossrücken hole
    Sollten diese die Grenzen der Ethik missachten
    Und Förster ob ihrer Filetstücke schlachten

    Doch was im Geäst da an lästernder Last
    Beim Förstermännchen so verhasst
    Wird weiters umhegt von den Damen der Herrn
    Die die garstigen, drastisch bestraften Strophen
    Von umgelegten Förstern mit Freude verzehr’n

    Und nichts auf der Welt beschützt ewig die Doofen


  • Tor 20 & das siebenhundertvierunddreißigste Gedicht

    Linz Donaubrücke

    Meisterschalen und Schales meistern

    Wenn die blauweißen Knappen ganz knapp unterliegen
    Die Borussia in Russia versäumt hat zu siegen
    Ringt der Ruhrpott mit der Fassung
    Und tränenreich geht’s gleich zur Trainerentlassung

    Doch wie kling’n erst derer Klagen
    Die durch stete Niederlagen
    Strandeten in Unterligen
    Während andre munter siegen

    Ach, wat leiden all die treu’n
    Fans von Wattenscheid 09!
    Fehlt dem VfL die Spannkraft
    Zum Comeback als Fahrstuhlmannschaft?
    Ist für Zebras kein Zaub’rer der Ballkunst zu kriegen
    So ein Kleeblatt ja eh wat für untere Ligen?
    Werd’n irgendwann wohl die Rot-Weissen
    Auch mal wieder etwas reißen?

    Tradition schießt keine Tore
    Ohne Kohle in der Lore
    Setzt du keine Fußballtrends!
    (Dat erklär mal deine Fans …)


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