Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Der Ethno- wie der Fotograph
Wollen fremdes Selbstbild portraitieren –
Der eine bedient einen Forschungsbedarf,
Der Zweite beginnt zu verzieren:
Plastikblumen wie Girlanden,
Sofas voll von Stofftierbanden,
Schrillidyllmärchenschlossparkhintergründe,
Auf dass all dies nahenden Reichtum verkünde,
Wenn wir überbelichtet im Wunschbild ertrinken,
Zum Golfstaatenluxus der Bollywoodschinken.
In dir regt sich ein Widerspruch?
Das liegt an deinem Stallgeruch:
Für dich muss die Kunst mit Erwartungen brechen –
Hier strahlt sie als nie sich erfülln’des Versprechen!
Will die Kirche im Dorf sich erneuern
Nach dem dreckigen Kolonialismus,
Muss sie den Wert unsres Kreuzzugs beteuern
Gegen Hexen-Kannibalismus.
Wer in Glaubensfragen Abstand wahrt
Gitscht im Bodensatz unserer Werte!
Die Kluft wird schnell ein schmaler Grat
Und die Gastfreundschaft schwindet in Härte.
Denn jeder, der nicht bei uns mitglaubt, der zahle
Mit dem schwär’nden Verdacht, er sei selbst Kannibale.
All das Sterben ist ne Strafe Gottes
Und Aids die Klinge des Schafottes,
Aber wir als belesene Messe-Kadetten
Werd’n eure besessenen Seelen erretten!
Ab ins Virengeseuch diabolischer Mächte
Führt uns unser Kreuzzug und Gott, der Gerechte!
Ferne Dörfer soll’n nun in Kaskaden
Von Weihwasser und Gospel baden!
Es ist Aids das Werk kannibalistischer Hexen –
Die müssen den Trog der Verantwortung exen,
Bis aus höhnenden Körpern die Stigmata schäumen,
Wenn gottlose Bestien das Feld dröhnend räumen!
Da kreucht es flink im Hexennest –
Ein sattes Glied entsetzt!
Der Inquisitor bebt und bellt,
Das Schlüpferchen benetzt,
Wenn Phantasie mit kühnstem Strich
Verpeinlicht das Befragen,
Dass schlimmster Ahn bestätigt sich –
Kaum lässt es sich ertragen! –
Doch da wir schon so tief gebohrt:
Wie deep drang JENER ein?
Enthemmt ergießt sich Wort auf Wort,
Erlöst von all der Pein.
Ein Stigma ist ein hohler Schlund,
Den Eifernde verfüllen.
Es braucht dazu nicht viel an Grund,
Nur unbeürrten Wüllen!
Oh, durch diesen Krieg müssen die Geister uns lenken!
Denn die Siegchance der irdischen Leben
Offeriert doch zu viele plausible Bedenken
Gegen’s Stöcke und Steine Erheben.
Wenn die Unsittlichkeit dieses Staats dich zerfrisst,
Komm zur Holy Spirit Mobile Armee,
Wo der Oberbefehlshaber ein Medium ist,
Stets auf Empfang gottgewollter Idee!
Ein Kommandoschrei reicht in die Sphären der Predigt:
Unser Glaube kann Berge versetzen!
Schon gewähren wir – montaner Deckung entledigt –
Den Regierungstrupps uns zu zerfetzen.
Fürs gemütliche Treffen unter alten Kollegen
Trieb die Welt uns recht weit vom Zurück.
Ein paar Bojen umdümpeln noch unser Deswegen
Für ein kurz zu sich findendes Glück.
Es tat gut, sich nach all der Zeit mal zu seh’n!
Und war das Weswegen auch nicht zu versteh’n –
Wir standen im einstgen Verständnis uns nah.
Und mit uns posierte fürs Foto ein Da.
Ein Schatten ist Teil der sozialen Person,
Der sich nachts von dir löst, um den Traum zu erkunden,
Nach dem Tod sich erhellt zum verbleibenden Klon –
Nur die Achtsamkeit schützt ihn vor Wunden!
Quintessenz:
Soll die Integration in der Fremde gelingen,
Beachte die Extremitäten –
Um über den eigenen Schatten zu springen,
Ohne auf andre zu treten!