Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Blitzbegegnung & das zweitausendvierhundertachtundsechzigste Gedicht

    Orang Utan bei der Sukau Rainforest Lodge

    Waldspaziergang mit Orang Utans

    So sehr nah,
    So sehr da,
    So, so unvorhersehbar …

    In Ehrfurcht
    Oder eher Furcht?
    Äh, äh, ähtwas unberuh’gt!?

    Ein Moment,
    Ein Monument,
    Das sich ins Gedächtnis brennt.


  • 460 m & das zweitausendvierhundertdreiundsechzigste Gedicht

    Die Petronas Towers von Kuala Lumpur bei Nacht

    Von der Regenzeit müssen wir gar nicht erst reden!

    Beschwer dich nicht, so nass zu kauern
    Unter den Petronas Towern!


  • Rasaria Lookout & das zweitausendvierhunderteinundfünfzigste Gedicht

    Blick von der Ausgucksplattform im Rasaria Reserve

    Ananas

    Die allererlauchtigste Ananasklasse –
    Sie haucht sich durch all meine Kaumuskelmasse
    Als historischer, multigeschmackstoller Sieg.

    Manch Fadheit gab Anlass zur Ananasnachsicht,
    Nun stillt die Papillen ein Thrill named „Verzag nicht!“,
    Denn diese Frucht wuchtet ihr voll fantastique.

    Das Altmaß krass schassende Ananasklassen
    Lassen anderswo anstandslos alles erblassen!


  • Umbau & das zweitausendvierhundertdreiundvierzigste Gedicht

    Varadero-Museum im Umbau

    The House of Ascher (zum Siebzigsten)

    Hurtig durchspurtet das House of Ascher
    Zum Geburtstagsschmaus: der Pascha.

    Er, der oft auf Shows gesichtet
    (manch Moment dort abgelichtet),
    Folgt dem „Es ist angerichtet!“,
    Wird daselbst nun eingedichtet:

    Es hilft, nicht erst beim Siebzigwerden
    Mittels „Sieb‘s Ich!“ sich zu erden –
    Auf dass hehre Nichtigkeiten
    Nicht von dem, was wichtig, leiten

    Und wir lässig überwinden
    Was wir längst schon lästig finden.

    Alle Rechte bei Wolfgang Ascher, für den das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden wurde.

     


  • Ex-Heizkraftwerk & das zweitausendvierhundertzweiundvierzigste Gedicht

    Das neue Kulturkraftwerk Bergson in Aubing

    Heldenfantum

    Joi, bald können auch wir wieder Helden gedenken,
    Kränze kredenzen und Mitgefühl schenken,
    Den Stolz in die trauernden Heulsusen rammen
    Und ausweglos heucheln, hier gäb‘s ein Zusammen.

    Denn nie sind es die Söhne der Einsatzbefehle,
    Die die Schützengräben düngen.
    Nie sind es die Söhne der Uni-Hörsäle,
    Die Altersdurchschnitte verjüngen.

    Doch wir formen das Wording der Einladungs-Cards
    Und wir kümmern uns um das Design.
    Wir spiel‘n gern die Liftboys des Ranghöhegrads –
    Durchaus offen, doch niemals gemein.

    Wir bestatten auch Matsche (wir horten ja Würde),
    Beklatschen die Opfer als unsres Volks Bürde
    Beim Kränzekredenzen und Mitgefühlschenken –
    So vollendet durchregt, wenn wir Helden gedenken.


     


  • Ruhrpottglühen & das zweitausendvierhundertvierzigste Gedicht

    Blick von Überruhr auf Essen-City

    Marshallpläne

    Mit Aus-der-Zeit-Gefallenheit
    Respekte einzufordern,
    Aus überfühltem Krallenneid
    Gleich Bergketten zu ordern,
    Den Einbahnstraßenschildern
    Der Veränderung zu trotzen,
    Nach maßverirrtem Wildern
    Mit Trophäen rumzuprotzen
    Und der geschenkten Gäule Zahngold
    Unverzollt zu horten? –
    Hast, Witzbold, lang genug gehowlt
    Als Sprössling bess’rer Sorten!

    Planst, alle Möbel dieser Stadt
    Zurückzurecht zu rücken
    Und jedes aufgeschlag’ne Blatt
    Mit Post-Its zu bestücken?

    Wirst colt-bereit am Einfahrtsgleis
    Den Sheriffstern polieren –
    Und jeder „You’re too old!“-Beweis
    Wird dich nicht interessieren.


  • Einzigartig & das zweitausendvierhundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Ein Strandzugang von Varadero Beach

    Das Rind als Löwenanteil

    Dass Kühe ständig fressen,
    Indes der Löwe meistens ruht,
    Bewegt die Frage: Wessen
    Gewissen schlürft hier ruhig Blut?

    Und wie wird Friedlichkeit belohnt,
    Wenn über ihr ihr Leiden thront?


  • A Ent Orange & das zweitausendvierhundertvierunddreißigste Gedicht

    Im Parque Josone, Varadero

    Gefühlte Übersetzung von You’ll never walk alone

    Fänd ne Wahl für uns statt
    Was uns Herzenswunsch sei
    Neben WLAN und Handy-Vertrag

    Ätz nicht rum, doch bleib stur
    Dass ne Handvoll Korn reicht
    Als der Sold für uns pro Tag

    Vollkorn heißt Gewinn’n
    Weil Korn wächst an Ähr‘n
    Wir sind nicht konsumverdorb‘n

    Weil Korn, weil Korn
    Ob im Brot, ob als Schnaps
    Es gefällt uns Volk als Lohn

    Es gefällt uns Volk als Lohn


  • Durchhalteparolen & das zweitausendvierhundertdreißigste Gedicht

    Fassade im Zentrum Havannas

    Prince of Neverland

    Irgendwo bestürmen Katastrophen
    Schon die Vororte meiner Saisonfröhlichkeit.
    Irgendwo triumphieren schon wieder Doofen –
    Und man darf nicht vergessen: Wir sind nur zu zweit.

    Irgendwo wird mit maßlosem Blutdurst
    Die Höhe der Schmach schon behechelt.
    Und du schwafelst noch immer von Mut, Wurst?!
    Überall wirst du immer belächelt!

    Ich weiß, du glaubst im Nach-wie-vor
    Schlicht nie an Niederlagen –
    Sagst: „Irgendwann fällt noch ein Tor!“
    Und stellst dich keinen Fragen.


  • Alle Möwen Evelyn & das zweitausendvierhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Möwe @ Varadero Beach

    Ripostegedicht auf das Buch „Lob der Faulheit“ von K. Kusenberg

    Evelyn Dahm, 15. VII. 61 (eine Signatur)

    Im Buch der Faulheit, Evelyn,
    Hast du nicht viel gelesen!
    Du bist, drum gibt’s auch nichts zu süh’n,
    Hierzu zu faul gewesen.

    Was bringt man im Detail noch bei
    Den’n, die schon alles kennen?
    Vom Drang nach Überbieterei
    Gilt’s hier sich doch zu trennen!

    Im Faulsein kann nur Meister sein,
    Wer nie danach gestrebt.
    Denn jeder Eifer schläft gleich ein,
    Sobald man Faulheit lebt.

    Es gibt ja durchaus viel Facetten,
    Die zu beleuchten wären –
    Doch braucht dies Zeit, die wir gern hätten,
    Um Faulheit zu vermehren.

    Wer sagt, er sei besonders faul,
    Macht sich sogleich verdächtig.
    Wer wirklich faul ist, hält sein Maul –
    Des so Verübtens mächtig.

    Ich glaube, Evelyn begriff,
    Dass Faulheit dem entschwindet,
    Der sie verwöhnt mit letztem Schliff,
    Sich bis zur Krönung schindet.

    Drum hat sie auch das Buch markant
    Als ihr Revier markiert –
    Doch ganz im Sinne, was drin stand,
    Den Inhalt ignoriert!


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