Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Sundowner & das zweitausendvierhundertneunzehnte Gedicht

    Sonnenuntergang Varadero

    Wie der Wind

    Wie der Wind plötzlich auffrischt, wenn die Sonne versinkt –
    So, als hätt‘ er sich erst nicht getraut.
    Nun erkühnend, zu instruier’n, was uns die Nacht bringt
    Wie ein altkluger Halbastronaut.

    Der Sonne Versinken besiegelt stets Abschied
    Und gewolltsam begrüßt man die Nacht.

    Doch wenn man die Stunden der Dunkelheit abzieht,
    Verbleibt uns ein Plus heller Macht.

    Alle Rechte bei Tom Droste, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Light winds & das zweitausendvierhundertfünfzehnte Gedicht

    Varadero Beach, Valle 62

    Als würde ich

    Als würde ich tatsächlich etwas verpassen,
    Entschüd ich mich, dieses heut bleiben zu lassen
    Und jenes auf irgendein Wann zu verschieben.
    Als güb‘s letzte Chancen, die mir noch geblieben.

    Als würd irgendwann irgendwen interessieren,
    Welch Dinge mir heute halt nicht mehr passieren.

    Aber ich bleibe hektisch und nehm alles mit,
    Als gült‘s, etwas langfristig doch zu vermissen.
    Zwar müde, doch unbeirrt geh ich den Schritt –

    Als würde ich‘s nicht wissen.

    Alle Rechte bei Frauke Gnadl, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 von mir gekauft hat.


  • Blütenspätlese & das zweitausendvierhundertdreizehnte Gedicht

    Tulpen im Botanischen Garten München

    Neue Begleitmusik

    In einem Restaurant mit Punkmusik gediegen zu speisen –
    Ich will nie wieder sagen, nichts hätt‘ sich bewegt!
    Ja, mag sein: Auf uns nicht tief bewegende Weisen –
    Dennoch wird Nicht-Erwartbares längstens gepflegt.

    Und die Welt trägt Tattoos , färbt sich wild ihre Haare,
    Tippelt Schritte, die ich Tolldreister niemals gewagt!
    Ich seh‘s aus dem Sumpf altvergangener Jahre,
    Verstreue mein „Ich hab‘s ja immer gesagt!“.

    Aber nirgends heißt‘s: „Interessant, lass ma hören!“ –
    Unsre früheren Kämpfe, sie bleiben perdu.
    Wir wollten einst, können heute: nur stören.

    Habe fertig gegessen. War sehr gut. Und nü?


  • Dachgold & das zweitausendvierhundertachte Gedicht

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    Auf Wiedersehen

    Ich habe mich in dieser Stadt hier vergessen,

    Weiß nicht mehr, wie sich einstmals ein Weg von mir lief,
    Muss neubeginnnah mit dem Rinnstein mich messen,
    Mit jeder Berechnung lieg ich chronisch schief.

    Aber hat mich nicht grade ein Wissen gestriffen?
    Hab ich mich hier vorschnell als nutzlos begriffen?
    Lässt sich dort ein Anhaltspunkt wiederverknüpfen?
    Werd folglich ich unbeschwert alles durchhüpfen?

    Nein, den Weg zu dem Glück, das mich einst hier enthemmt,
    Find ich nicht mehr zurück. Und die Stadt bleibt. Mir fremd.


  • Innsbruck-Ansicht & das zweitausendvierhundertsechste Gedicht

    Blick auf Inn und Innsbruck

    Dürers Ansicht auf

    Die Ruinen ewiger Bauten, sie schwimmen
    Im Strom der Zeit dahin.
    Er stiehlt Silhouetten, lässt Highlights verdimmen,
    Nimmt dem Festungswall einstigen Sinn.

    Einst war hier eine Stadt mit gleichem Namen.
    Ich mag nicht nach Kirchtürmen fragen –
    Wann die alten verschwanden, wo die neuen herkamen
    Und was die Historiker sagen.

    Die Vergänglichkeit nagt an uns Kindern geschwinder
    Und wir suchen Erlösung in Mauern.
    Doch scheppert der Schlussgong nur etwas gelinder,
    Denn nichts wird uns lang überdauern.


  • Züriseewasser & das zweitausendvierhundertdritte Gedicht

    Blick auf den Zürichsee

    Am Mythenquai, Anfang April

    Am Mythenquai kühle ich Anfang April
    Meine Füße fühlbar im See, denn ich will
    Die Sonne, die Berge, den Schweiß, die Schweiz halten,
    Den Alltag, das Alter und Alldas abspalten.

    Zum Speichern der Einmaligkeit
    Will ich mich so ermahnen,
    Eh Trott, Stress und vertane Zeit
    Sich abermals verzahnen.

    Alle Rechte bei Lukas Hofstetter, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Rietpark & das zweitausendvierhundertzweite Gedicht

    Villa im Rietpark

    Dem letzten Teil

    Dass ich dereinst mit dir hier war,
    Gilt auch nach diesem plötzlichen Tod.
    Es stimmt, dieses lebensglückraubende Jahr
    Wiegt nichts zurück ins Lot.

    Doch dass ich einst mit dir hier stand –
    Das wird Gewissheit bleiben.
    Bleib für mich mit im alten Land,
    Eh sie zu mir dich treiben!


  • Balkonwiederkehrer & das zweitausendvierhundertste Gedicht

    Moosacher Balkonstilleben

    Kurzweil

    Stetig stimmt, dass der Frühling an Tempo gewinnt,
    Mit dem Düfte und Farben verblassen,
    Dass die längeren Tage die kürzeren sind –
    Schon bei Sonnenaufgang uns verlassen.

    Verweile Moment, du bist so schön!
    Was sich wünschen ließ, muss man nun flehen.
    Einst fröhlicher Sang schlurft dahin zum Gestöhn …

    Und der Frühling ist nicht mehr zu sehen.


  • Kein Zürich & das zweitausenddreihundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Marienplatz-Skyline

    Unterwegs ohne Kamera

    Ist ja klar: Es ergießt sich die Malerischkeit
    In den kameralosigen Tag!

    Ständig bin ich unbändigstens ablichtbereit –
    Wenn nichts sich zeigen mag!

    Prompt türmt Idyll sich auf Idyll
    Zum Input grauer Zellen.
    Das, was ich konservieren will –
    Schon hat’s die ersten Dellen!

    Wie sich der Berg, der Berg!, !der Berg!
    Im Kirchturm-Off erhebet! –
    Was eines Suchers Lebenswerk,
    Wird ex und hopp durchlebet.

    Gebannt bind ich ums Ungebannt
    Die Fesselchen vom Restverstand.

    Was sich bewahrt im Innern,
    Lässt sich dereinst erinnern:
    „Das war der Tag in jenem Jahr,
    Da ich mal ohne Kamera!“


  • Erste Ergebnisse & das zweitausenddreihundertvierundneunzigste Gedicht

    Erste Fühlingsboten auf dem Moosacher Balkon

    Verschlafen

    Der Frühling zieht bereits ins Land,
    Nur ich verbleib im Schnee.
    All die Blüten beteuern, ich sei nicht bekannt,
    Was ich wohl auch versteh.

    Wenn ich in diesem Jahr versag,
    Wird das mein Schicksal bleiben?
    Wird sich, was ich am Frühling mag,
    Erinn’rungsschwach entleiben?

    Der Frühling serviert ’ne gehortete Nuss –
    Mich drang’s einst vorzubauen!
    Nun bitt‘ ich scheu vorm Halbentschluss
    Den Schnee um mich: zu tauen.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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