Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Ex-Heizkraftwerk & das zweitausendvierhundertzweiundvierzigste Gedicht

    Das neue Kulturkraftwerk Bergson in Aubing

    Heldenfantum

    Joi, bald können auch wir wieder Helden gedenken,
    Kränze kredenzen und Mitgefühl schenken,
    Den Stolz in die trauernden Heulsusen rammen
    Und ausweglos heucheln, hier gäb‘s ein Zusammen.

    Denn nie sind es die Söhne der Einsatzbefehle,
    Die die Schützengräben düngen.
    Nie sind es die Söhne der Uni-Hörsäle,
    Die Altersdurchschnitte verjüngen.

    Doch wir formen das Wording der Einladungs-Cards
    Und wir kümmern uns um das Design.
    Wir spiel‘n gern die Liftboys des Ranghöhegrads –
    Durchaus offen, doch niemals gemein.

    Wir bestatten auch Matsche (wir horten ja Würde),
    Beklatschen die Opfer als unsres Volks Bürde
    Beim Kränzekredenzen und Mitgefühlschenken –
    So vollendet durchregt, wenn wir Helden gedenken.


     


  • Ruhrpottglühen & das zweitausendvierhundertvierzigste Gedicht

    Blick von Überruhr auf Essen-City

    Marshallpläne

    Mit Aus-der-Zeit-Gefallenheit
    Respekte einzufordern,
    Aus überfühltem Krallenneid
    Gleich Bergketten zu ordern,
    Den Einbahnstraßenschildern
    Der Veränderung zu trotzen,
    Nach maßverirrtem Wildern
    Mit Trophäen rumzuprotzen
    Und der geschenkten Gäule Zahngold
    Unverzollt zu horten? –
    Hast, Witzbold, lang genug gehowlt
    Als Sprössling bess’rer Sorten!

    Planst, alle Möbel dieser Stadt
    Zurückzurecht zu rücken
    Und jedes aufgeschlag’ne Blatt
    Mit Post-Its zu bestücken?

    Wirst colt-bereit am Einfahrtsgleis
    Den Sheriffstern polieren –
    Und jeder „You’re too old!“-Beweis
    Wird dich nicht interessieren.


  • Küstenlinie & das zweitausendvierhundertachtunddreißigste Gedicht

    Varadero Beach

    Theoretisch abstürzen

    Wie viele juveniler Räusche
    Hab ich nach Dammbruch ausgekotzt?
    Achtzig (wenn ich mich nicht täusche) –
    Wild aus Aug und Maul gerotzt.

    Nicht brutal oft, auch nicht wenig,
    Und höchst selten gilt: Ich sehn mich
    Nach der Zeit zurück – der Non-Stops,
    Jägermeisterrunden, Headshots,
    Einspritzer im Trinkspielwahn,
    Konterbier im Mittagstran … –
    Da ich mich der Sechzig näh’re
    und mir gruselt jetzt, ich wäre
    Nochmals so vom Rausch gepfählt.

    Hab drum vieles abgewählt.

    Doch ich spür nun, auch ohne ins Tun zu versinken:
    Heute ist so ein Tag, hey, zum richtig Betrinken!

    Alle Rechte bei Ute Kratzer, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Blick von der Liege & das zweitausendvierhundertzwanzigste Gedicht

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    Die nutzlose Zeit

    Du köstlich verstreichende nutzlose Zeit,
    Ich winke dir vom Pool-Rand zu!
    Gern wär ich zu reicherem Output bereit,
    Doch saug vom Honig deiner Ruh.

    Ich lasse meine Blicke schweifen,
    Ohne meinen Kopf zu dreh’n.
    Reizt’s mich Geseh’nes zu begreifen,
    Ist eig’ntlich schon zuviel gescheh’n.

    Wo immer Schönheiten mich streifen,
    Ruf scheu ein Schaudern ich hervor,
    Mit Reizes Flut mich einzuseifen –
    Das pflegt die Zeit, die ich verlor.

    Es zählt kein Tag, wo sonst schon Stunden
    Im Zerrbild der Bedeutsamkeit
    Sich aufgebläht. Lass dich erkunden,

    Du kostbare, streichzarte, nutzlose Zeit!

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Hartgestrüpp & das zweitausendvierhundertachtzehnte Gedicht

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    Anmutungen

    Ach, ihr seid noch gar nicht vorbestraft?!
    Hat man euch nie erwischt?
    Habt ihr per Ausseh‘n mich verarscht,
    Verruchtheit aufgetischt?

    Rasiert man außerhalb vom Knast sich
    Denn derart hart den Schädel?
    Blasiertheit war‘s allein, dass fast ich
    Evakuiert‘ mein Städel!

    Die Tattoowucht entsprang allein
    Spätjugendlichen Zwängen?
    Gefängnis stünd euch wirklich fein!
    Ich will euch da nicht drängen,

    Doch optisch passt ihr wunderbar
    Auf den Justizvollzugsalltar!
    Die Härte, die ihr darstell‘n wollt –
    Die ließ sich dort beweisen!
    Ihr würdet nur, dort reingetrollt,
    Halt weniger verreisen.


  • Altöttinger & das zweitausenddreihundertachtundneunzigste Gedicht

    Süße Auswahl in einem Supermarkt in Altötting

    Sommer der Bäuche

    Dies wird der Sommer der Bäuche
    Und Nabelbeschauung!

    Es trennt meinen Blick nur ’ne hautdünne Schicht
    Vom Därmegeschläuche
    Der Damenverdauung –
    Mein lüsternes Schmachten kühlt nun dies Gedicht.

    Wie sollt ich den Flaum deiner Unterbauchwölbe
    Mich nicht durchwehend wähnen?
    Wie mündete nicht ich im Auch-nur-das-sölbe! ?

    Beim letzten Sehnendehnen
    Dem Triebe-Trubel abzuschwör’n
    Entgegen bisheriger Bräuche?

    Steht da als Option. Und ich wählte sie görn.
    Doch nicht in ’nem Sommer der Bäuche.


  • Kein Zürich & das zweitausenddreihundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Marienplatz-Skyline

    Unterwegs ohne Kamera

    Ist ja klar: Es ergießt sich die Malerischkeit
    In den kameralosigen Tag!

    Ständig bin ich unbändigstens ablichtbereit –
    Wenn nichts sich zeigen mag!

    Prompt türmt Idyll sich auf Idyll
    Zum Input grauer Zellen.
    Das, was ich konservieren will –
    Schon hat’s die ersten Dellen!

    Wie sich der Berg, der Berg!, !der Berg!
    Im Kirchturm-Off erhebet! –
    Was eines Suchers Lebenswerk,
    Wird ex und hopp durchlebet.

    Gebannt bind ich ums Ungebannt
    Die Fesselchen vom Restverstand.

    Was sich bewahrt im Innern,
    Lässt sich dereinst erinnern:
    „Das war der Tag in jenem Jahr,
    Da ich mal ohne Kamera!“


  • Startgrau & das zweitausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

    Baumsilhouetten an der Würm bei Feldmoching

    Verfrühtling

    Schon sitzen wir draußen bei Sommergetränken
    Und dreh’n durch Gespräche von neuen Versuchen.
    Wir brüten den Eifer, uns Wärmen zu denken,
    Die aus Insgeheimen den Winter verfluchen.

    All das ist uns gestattet. Und es wird uns bestätigt,
    Da Liebmutter Sonne ’nen Blitzbesuch tätigt

    Gemäß eines unterschriftslosen Vertrags.

    Schon rattern den Ladenschlussblues die Rolladen,
    Die andre Geschäfte beschließen.
    Ein ehern Gesetz zerrt an Resteskapaden
    Und lehrt uns das alte Verdrießen.

    Wir frieren verurteilt, die innere Uhr teilt
    Uns mit, dass der Frühling noch lang nicht bei uns weilt.

    Es war nur der Rausch eines vorschnellen Tags.


  • Serenissimaalgen & das zweitausenddreihundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Algen in der Lagune von Venedig

    Die Räuber 3

    Hauptmann: Halt!
    Mark Zuckerberg: Stillsteh’n!
    Alle: Überfall! Hier ist das Geld!

    Hauptmann: Da wollten die enden, wie’s ihn’n grad gefällt …!
    Aber da hab’n wir alle Wörtchen noch mitzureden –
    Wir ziehen im Hintergrund längst schon die Fäden!

    Alle: Und deshalb mal bitte beim Zukunft-Gestalten
    Trotz allen Eifers innehalten!
    Hauptmann: Denn wir sind die, die die Ressourcen verwalten –
    Alle: Ihr seid nur die, die hier ehemals galten!

    Mark Zuckerberg: War das euch nicht klar?
    Elon Musk: Was schaut ihr so entsetzt?
    Alle: Nur wir bestimm’n, wann das Spiel aus ist!
    Mark Zuckerberg & Elon Musk: Hargh!
    Hauptmann: Jetzt.


  • Zwielichter & das zweitausenddreihundertachtundsechzigste Gedicht

    Am Markusplatz zu Karneval

    Die Räuber 2

    Hauptmann: Nun, wie bewerten wir Drei das bislang hier Beseh’ne?
    Dem SPA und dem Tal droht das noch nicht Gescheh’ne …

    Mark Zuckerberg: Wie lange, Herr Hauptmann, woll’n wir wohl noch warten?
    Wir sind höchst solvent – und wir drängen auf Taten!

    Elon Musk: Mir ist langweilig!

    Hauptmann: Nun, eilig haben wir’s nicht!
    Die Bad Guttkopper büßen grad ein an Gewicht –
    Und je dünner, je günstiger sind sie zu haben.
    Denn die fürchten, auch China buhlt um unsre Gaben!

    Mark Zuckerberg: Steh’n denn indessen noch außer uns dreien
    Andere Räubersleut in unsren Reihen?

    Hauptmann: Ja, diese Seppl von Apple, die Google-Stoßer,
    Der ChatGPT-Chef ist auch schon ein Großer:
    Der melkt neues Wissen aus altem Gedächtnis –
    Man rätselt nur, ob er wohl selber noch echt is‘!
    Längst ist jenes Land all der Dichter und Denker
    Nur noch das Pfand einer Verpflichtung an Schenker
    Denn unser Schlachtruf heißt – noch einmal probegebellt:

    Alle: Dies ist ein Überfall – hier ist das Geld!

    Hauptmann: Sprich: Gib den Deppchen ihr Häppchen – danach erst beklau ’se!
    Lasst das gern mal sacken, wir machen jetzt Pause!


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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