Sodann beschloss der Februar,
Dass dieses Jahr ein Schaltjahr war.
Und man schalt einander bis zur Spaltung,
Verdammte stets die Ampelschaltung:
„Leuchten Rot, Gelb und Grün – heißt das Fahr‘n oder Halten?!“
Ist ein Schaltjahr die Chance, einmal schneller zu schalten?
Die Fregatte „Hessen“ kriegt ihr Go!,
Den „Taurus“ bremst das Kanzler-“No!“
Der Ukrainekrieg feiert den zweiten Geburtstag,
Macron denkt ob Bodentruppeinsätze kurz nach,
Es lässt die Wut im Gazastreifen
Die nächste Brut der Hamas reifen,
Zum Berlinale-Finale lärmen Antisemiten
Und die Bild fragt: „Frau Roth, lassen Sie sich das bieten?“
Ja, die Welt scheint in Entscheidungsnot:
Wie, wann und wo intervenieren?
Plötzlich heißt es, pardauz!, „Der Nawalny ist tot!“
Ja, wie konnte denn sowas passieren?
Die Konflikte, die Krisen, die Kriege – sie drängeln,
Dringen uns ins Gemüt wie Saharasand –
Vielleicht gräbt das Bezahlkarten-Flüchtlinge-Gängeln
Einen dichteren Ruhewall um unser Land!?
Drinnen jagen wir emsig RAF-Pensionäre –
Auf dass die Welt bald sich‘rer wäre.
Was sie am letzten Februar
Dann leider Gottes doch nicht war.
Was gab’s, was war und was geschah
Im damals ja noch neuen Jahr
Im ersten Monat Januar?
Ja nu, a-nfangs sah man da,
Dass Japan erbebte
An Neujahr, Margrethe
Von Dänemark hat abgedankt,
Ecuador
Erfasst Furor –
Vom Drogenhandel vollgetankt,
Treckerbauern und Beckenbauer
Belegen die Zitzen der Titelblattspalten.
Wo erstere sich auf Berlin-Fahrt erhitzen,
Muss jener nach Abpfiff in Salzburg erkalten.
Es enthüllt und entmüllt uns das Correctiv
Den Potsdam-Kotzkram-Vorjahrsmief –
Da erlern’n wir das Mordswörtchen Remigration
Und zu Pfingsten auf Sylt, da beherrscht man es schon.
Doch rekordzahl’nverdächtig formiert sich Protest
Zum Quod-erat-demonstrandum-Fest.
War ganz schön was los, da in unseren Straßen –
’ne Werteunion (so ganz ohne Herrn Maaßen).
Es gibt da einen Ort, an dem die
Mythen, die Diebe, die Chuzpelust
Seit jeher und fortan besteh’n.
Dort macht sich die Seele bequem, sie
Bewirkt’s und tangiert’s von alleine. Du musst
Aus eigner Sorge dorthin geh’n.
Denn das Verlieren der Fühler – es schreitet voran!
Dereinst treuer Schüler, begreifst du: Es kann
Früher überzeugt Erlerntes
Hinfällig einstmals erscheinen.
Und als ein sehr, sehr weit Entferntes
Nicht zu dem mehr zähl’n, das wir beweinen.
Es gibt da einen Ort, der speichert
Der Kupferstecher Beute,
Der verliert seinen Sog.
Er hortet so viel, das bereichert.
Misstraue dem Heute,
Das stets dich betrog.
Ich war heut mit künftigen Leichen baden.
Ich muss sagen, sie schwammen sehr gut.
Da schwärmten sie: „Erika, zeig deine Waden!“
Für Lebende ganz schön viel Mut!
Ich hab manche Hintern vorm Stillstand geseh’n.
Ich muss sagen, sie blieben mir fern.
Ich zerrte sie in Silhouetten von Reh’n
Vor einem erloschenen Stern.
Die Straffen hab’n frech für ein Mehr kandidiert.
Ich muss sagen, die wirkten gesund.
Da wurd‘ manche Zweisamkeit abzelebriert
In Gemeinsamkeit mit einem Hund.
Mag sein, ihre Haut wird durch Luft präpariert.
Ich muss sagen, die kennen den Dreh!
Für jeden, der doch in ’nen Sarg sich verirrt,
Steht hinten am Waldrand ein Reh.
Ich wünsche mir vor meines Lebens Erblindung
Noch so etwas wie eine Eiscremeerfindung.
Etwas Nützliches, dass dem Genusse entspringt –
Etwas Nutzloses, dass sich als Must-have verdingt.
Ein Gewöhnung verpönendes Mahl des Verwöhnens,
Ein unübergehbares Mal des Versöhnens,
Unwiderlegbar als „Is the world nice?!“-Meme –
Kurzum, ein bisschen so etwas wie Eiscreme.
So ’ne Erfindung der Welt hinterlassen,
Als letzter Akt vorm finalen Erblassen,
Irgendwie etwas wie Eiscreme vererben …
Gut, man kann friedlich auch ohne dies sterben.
Doch das als ein Restzielchen nicht aufzugeben –
Das ist letztendlich mein Anspruch ans Leben.
Wenn ihr Clowns euch schlafen legt,
Muss ich aufbau’n, unentwegt,
Das Gerüst; muss prüfend schauen,
Ob der Lift zum Morgengrauen
Sicher funktioniert, dass die
Liebe Sonne irgendwie
Ihren Weg ans Firmament
Absolviert. Derweil ihr pennt.
Ich erschaff zur Schlafenszeit,
Eskortiert von Wachsamkeit,
Das Gerüst vom neuen Tag.
Einfach, weil ich euch so mag.
Würd ich nicht um euch mich sorgen,
Verseleer wär euer Morgen!
Doch dass ich dann dösend den Tag zu nichts nutze
(verrichteter Pflicht gemäß hab ich ja frei),
Es müßigt euch zu einem Runtergeputze:
Ihr bezichtigt mich schlichtweg der Tagträumerei!
Bevor alles beim Alten bleibt,
Wappnen wir uns fürs Rückschritte-Rennen.
Es ist ja egal, wer nun wie übertreibt,
Da wir beide Seiten schon kennen.
Doch schon wieder ertappst du dich, mehr zu erwarten –
Treu verfolgst du die Phalanx der Prognosen!
Ob der Möglichkeit anderer Kann-Kandidaten
Hortest du Hope – in nicht-impfbaren Dosen.
Litaneien von „Eigentlich kann das nicht sein!“
Setzt Realität unter Dauerbeschuss.
Sie krächzen und ächzen ihr stöhnendes „Nein …!“,
Steh’n fassungslos vor – scheint’s gewöhnbarem – Stuss.
Wir haben das nicht mehr für möglich gehalten –
Ohne Chancen, auf and’res zu hoffen.
Es gilt, die Prinzipien im Off zu verwalten,
Als stünd das Ergebnis noch offen.