Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Neubeginn & das zweitausendzweihundertvierundneunzigste Gedicht

    Wasserhühnchennachwuchs am Schliersee

    Der Anblick (Etappe 1: Vorherzusehendes)
    Teil des Großgedichts „Hier ruht unsre viel zu früh von uns geschiedene Dorothee-Cosima“

    Ein duftiger Anblick ist ihre Haut,
    So sondergleich und eben,
    So bis zum Anschlag aufgefraut –
    Mein Herzschlag naht dem Beben!

    Es tuscht die Wangen rosigrot,
    Wenn unsre Blicke kreuzen –
    Welch Abgrund und welch tosend‘ Not,
    Wie’s ruft aus feuchten Käuzen,
    Die aus dem Tagschlaf wachgerupft
    Schreckgroßäugig urplötzen!
    Karnickelig mein Herz durchhupft
    Der Drang, sich zu ergötzen.

    Oh, Dorothee! Oh, Cosima!
    So fröstelndmollig unnahbar
    Nehm‘ ich Euch ungebeten wahr
    Und Ihr mich in Gewahrsam,
    Wo ich gefährlich wehrlos bin –
    So hin und weg, so weg und hin,
    So reich beschenkt wie sparsam.

    Wie wird mir nur? Wie an der Schnur
    Verrinnt mein Sein zu Körper pur –
    Absonderlich wie sonderbar,
    Oh, Dorothee – oh, Cosima!
    Ihr Doppelnamenbindestrich
    Macht folgsam zum Gesinde mich …

    Mit Euch verbindlich anzubandeln?
    Trotz der Ehrfurcht vorm sperrigen Namensgeflecht?
    Welch Anmaßungsgrad würd‘ solch‘ Plane gerecht –
    Müsst nicht die Welt sich wandeln?

    Doch dies‘ Spürchen an Hoffnung zieht mich in den Bann –
    Dann schürzt sie die Lippen und, Gott!, spricht mich an!


  • Hasengraben & das zweitausendzweihundertfünfundachtzigste Gedicht

    Der Hasengraben zum Heiligen See im Neuen Garten Potsdam

    Retro

    Die Sitzecke hat ausgedient,
    Die Polster fast zerschlissen,
    Die Schrankwand hält den Raum vermint,
    Im Sofa schlummern Kissen.

    Der Mensch, der für ihr Muster sich
    Einst generös entschieden,
    Sieht nun mit Stolz, dass nichts verblich,
    Nur nicht mehr von hienieden.

    Es schlummern hinterm Einbauschrank
    Der Ersttapete Reste.
    Auch hier schwor man auf sich’re Bank
    Zum Einzug nur das Beste!

    „Modern trotz Minimaletat“
    Ätzt’s jetzt aus Hausverwaltern.

    Der letzte Klecks von „wie’s mal war“
    Darf hier in Ruhe altern.


  • Stuttgart 21 in 23 & das zweitausendzweihundertdreiundachtzigste Gedicht

    Restfassade vom Stuttgarter Bahnhof

    Gedanken beim Hotelfrühstück

    Ist ein dreckiger Tisch nur ein Muster der Dinge,
    Die ich früher verachtete, maßlos, als hinge
    Ich einzig daran, dass hier Maßstäbe gelten
    Als ewig in stetig sich wandelnden Welten?
    Denn randlos gespannt überwachen die Weiten
    Des spannungsarm Wahren die Unmöglichkeiten.

    Schon erspäh ich ein von mir Behasstes,
    Nie vorbehaltlos Angefasstes,
    Im Schoße recht geschätzter Leute –
    Was, auch wenn ich mir’s schadlos deute,
    Mir meines Urteils Schärfe nimmt,
    Wie aufgelöst im Unbestimmt.

    Ein Kosmos fremder Sympathien
    Bewegt sich ins Entfalten.

    Oft straft die Zeit als unverzieh’n,
    Am Alten festzuhalten.


  • Coronation & das zweitausendzweihundertneunundsiebzigste Gedicht

    The Mall vorm Coronation Day

    Coronation of Charles III

    Coronation nach Corona,
    Buckinghampalastbewohner,
    Schickercharles heut chic in Schale,
    Rant am Rand tauft man Randale.

    Fahnenfans erahn’n Fanfaren,
    Chartern schon die Charts der Scharen –
    Alles will Begeisterung!
    Alles sagt sich: „Na, so jung
    Krönen wir nicht mehr zusammen!“

    Gewöhnt man sich erst an die Schrammen,
    Versiegen Insignien, einst geliebt,
    Ins Resignieren: „Tja, dann gibt
    Der Vater seinem erstbesten Sohne
    Das Erbe bald halt ohne Krone!“

    Und fast ohne Stolz in der Betonung, i say:
    „The latest coronation-day
    War vielleicht schon the last –
    Und myself war dabei –
    And i bought souvenirs of King Charles, Nummer Drei!“


  • Vedado & das zweitausendzweihundertachtundsechzigste Gedicht

    Am Malecon in Verdado

    Lost in Havanna

    Aus dem Dunkel der Winkel lockt’s hektisch:
    „An Anhaltspunkt: Alter, versteck disch!“
    Plötzlich löscht alle Richtung sich aus meinem Weg,
    Orientierung verrinnt, schon ist Licht Privileg.
    Wie rasend schabt sich Resignieren
    In mein früh’res Souverän,
    Ich muss Verirrtheit konstatieren,
    Fahrigflach lass ich mich geh’n.

    Vor Demut ob der Gassen Massen Macht
    Geh ich zurück zu sich’rem Ursprung.
    Rasselnd japst es in mir sacht:
    „Warst grad ganz schön aus der Spur, Jung!“

    Doch ein Blick auf den Stadtplan am Morgen beweist:
    Ich habe mein Ziel einfach sehr gut umkreist.


  • Energieträger & das zweitausendzweihunderteinundsechzigste Gedicht

    Strommasten bei Jibacoa

    Gereifter Kinderdank

    Danke für die manchmal nur stoisch
    Gedankenabwandernd
    Ab und an versandenden,
    Dann rauschbelauschten Worte.
    Es sind alle Kinder so minderheroisch,
    Niemals zeitlich verfrüht,
    Doch bald reiflich bemüht,
    Um das Schmieren der ihrigen Pforte
    Zurück
    In das Glück
    Vom noch mind’ren Bewusstsein.
    Alles schlendert gen Schluss vom Gewusst in Verlust ein
    Und nichts in der Welt setzt sich an jene Stelle
    Dieser rüglosgenügsam verfügbaren Quelle.


  • Carolina & das zweitausendzweihundertachtundfünfzigste Gedicht

    Blühender Pseudobombax ellipticum und Antillengrackel

    Strg + V, analog

    Nach monitorbeschienener Zuhausebleiberei
    Bin ich jetzt vom Empfang erlöst und sowas von dabei.
    Und jeder Tropfen Blut in mir
    Verneunfacht seine Stärke,
    Es strömt sich eine Flut ins Hier
    Voll neu erdachter Werke.

    Weshalb hab ich mich je entwöhnt
    Vom längst gewussten How-to-do?
    Warum bloß hab ich mir verpönt
    Das „Heute schau ich nur mal zu!“?

    Je weiter ich nach draußen drift‘,
    Je mehr erfasst mich Sinn,
    Ich tippe nur noch via Stift
    Ins echte Mittendrin.

    Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, für die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft wurde.


  • Heimernte & das zweitausendzweihundertvierundfünfzigste Gedicht

    Ein Wurf meiner Schwabinger Kaffeepflanze

    Poesie & Nährwert

    Dieses Gedicht fabuliert einen Startpunkt,
    Von dem sich noch Linien verzweigen,
    Markiert Grazie, mit der es schon vor jeder Tat prunkt,
    Proklamiert Immanenz als sein Eigen.

    Doch letztlich dient dieses Gedicht der Ernährung,
    Schafft Eier, Kartoffeln und Brot,
    Von Versen gestrickt ist es wahrhafte Währung,
    Verbleibt in Punkt Anspruch devot.

    Dieses Gedicht schreiben andre Poeten
    Und -*innen nun vielfältig fort.

    Dieses Gedicht besorgt nur die Moneten –
    Ein Anfang fürs werdende Wort.

    Und entgegnet mir nicht, dies sei nur ein Gedicht!

    Denn es sorgt andernorts – auf ein Wort – für: Gewicht.

    Alle Rechte bei Frauke Gnadl, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft hat.


  • Party Room & das zweitausendzweihundertzweiundfünfzigste Gedicht

    „Party Room“ – Installation von Pope.L im Museum Brandhorst

    Fraternidad (freie Übersetzung des Gedichts von Luz de Cuba)

    Achtung, hier spricht die Poesie!
    Achtung, hier spricht die Poesie!
    Poetisieren Sie sich bitte,
    Poetisieren Sie sich,
    Dass die Verse rauschen wie Zugvögelschwingen,
    Erhaben wie erhebend
    Mit Schwung in das Himmelreich über den Dingen –
    Wir überqueren schwebend
    Die Weiten von Meeren und Ozeanen,
    Weil Wasser uns nie trennt!
    Wir müssen den Weg zueinander nicht bahnen –
    Wir sind 1 Firmament.

    Tik-tak schlägt die Stunde der Poesie
    Tik-tak – die Minute aus Reim
    Tik-tak – die Flamme der Melodie
    Wir weben aus Farben ein Heim.


  • Adenauer-Brücke & das zweitausendzweihundertneunundvierzigste Gedicht

    Die Konrad-Adenauer-Brücke nach Essen-Überruhr

    Besuch im Daheim

    Essen-Überruhr, hört man, verbiete es mir,
    Es meinen Geburtsort zu nennen.
    Man lädt mich zwar jedes Mal ein auf ein Bier,
    Doch nur, um sich von mir zu trennen.

    Mich dürstet es so nach dem Wiegengefühl,
    In alter Gewissheit zu baden –
    Schon schließt tumbes Modernisierungsgemühl
    Den letzten verbliebenen Laden.

    Man schläfert hier jeglichen Anhaltspunkt ein.
    Nur ich kann doch nicht alles erinnern!

    Dann bittet man rüde, mich rechts einzureih’n,
    Im Rudel von echten Beginnern.

    „Ich bin hier geboren!“, rumort es in mir
    (die S-Kurve immer im Blick),
    Geb weder verloren den Ort und das Hier
    Und schlurf durch den Ruhrwiesenschlick.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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