Komm, wir arbeiten heut an der Lücke,
Die später wir hier hinterlassen!
Und wir kappen die Pfeiler der Brücke,
Wir leeren des Fährmeisters Kassen!
Wo wir einmal war’n, muss man Horizont seh’n
Als ein Suchbild bedrückender Leere,
Vor dem dann die ratlosen Nachrücker steh’n
In Lückenbeflickungsmisere.
Wenn die Spuren des Grauens an Schärfe verlieren,
Abscheulichkeit sich von dem Schauder erlöst,
Hilft gnädige Vegetation zu kaschieren,
Welch Bestie von Erbe im Wurzelreich döst.
Die Namenlosen kann längst niemand mehr taufen,
Die Erleichterung klagt gegens Hausverbot.
Derweil sich Gedanken beim Rundweg verlaufen,
Erscheint dieses Plätzchen nun endgültig tot.
Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.
Drei-Sterne-Chefkochassistent
Weißt du, wie viel Sternlein stehen
Im Berufskompositum?
Und wie viele dann durchdrehen,
So als brächt’s die Sprache um?
Gott, der Herr, hat mir erzählet,
Dass er gern Verbohrte quälet.
Und die gibt’s grad allemal
Beiderseits in großer Zahl!
Sicht auf die Berge mit den Augen der Unfallchirurgie
Die Stadt mit die Berge am Nahrand, da wohn‘ ick –
Entstellt von die Narben der Plattentektonik.
Da ist man einst voll aneinander gerasselt,
Hat dem Schöpfer den Plan einer Planheit vermasselt.
Die Wunden vom Crash außen wulstig verteilt,
Abgetupft mit Wolkenschaum –
Die Stadt ist selbst sehr gut verheilt
Und die Berge davor, hey – die sieht man doch kaum!
Du schaust auf deine gepackten Sachen,
Deren Pünktlichkeit voreilig scheint.
Du warst so bemüht, alles richtig zu machen –
Auch wenn’s niemand so streng wie du meint.
Ein Ausflug, zu dem man nicht abgeholt wird
Und ein Ferienprogramm, das nicht startet.
Du bist nicht im Vorfeld als Date-King stolziert
Und hast trotzdem schon zu viel erwartet.
Kann den Winter ja immer noch lieben,
Obschon sein Beginn schmerzhaft schwermütig macht,
Und ganz gleich auch, wie schlimm er’s getrieben –
Der Rest der Tonsur schwindet uneitel sacht.
Doch droht mir ein Dasein, da ich wohl gewillt
Bin, immer zu schrei’n, dass der Winter mich killt!
Bisher ist sein Zorn mir erträglich geblieben
Und mir’s manchmal möglich, den Winter zu lieben.
Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.
Heimspielstadion
Konzertsaalbühne, Seiteneingang –
Etliche Male schlich ich mich dort lang
Und verwurzelte hier all mein Bühnen-Bestehen,
Um stets nach bekannten Gesichtern zu sehen.
Ich hab imposantere Säle besehen,
Ließ mich in entferntesten Ländern verstehen,
Doch der Schritt in das Spotlight kennt das „Hier geht es lang!“
Vom Grendpfahl zu Steele, vom Seiteneingang.
Doch nach dem Wintereinbruch blieb den
Ersten Frühlingsgefühlen nicht viel Resonanz:
Den knospenwarm Wiederverliebten
Ward der Safe leergeräumt
Und „Na, fertig geträumt?“
Mit kühlem Strich über die Hauswand gesprayt,
Sehr rüde gecancelt dies frühreife Date
Zur Klärung des Wer-ist-hier-dran?s.