Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ripostegedichte

Antwortgedichte zu Werken der großen und kleineren Poesie. Inspiriert von den Federn der Anderen. Monatlich vorgetragen in der Rubrik „Parade und Riposte“ der Lesebühne Der Schlössl Salon im Pelkovenschlössl in Moosach.


  • Einstein & das achthundertzweiundneunzigste Gedicht

    Einstein vorm Ulmer Münster

    Riposte-Crossovergedicht zu Heinz Erhardts „Ein Naßhorn“ und „In der Traumstadt (Lächeln)“ von Peter Paul Althaus

    Ein Lächeln in der Wüste

    Ein Lächeln und ein Lächerlich
    War’n wüste Hirngespinste
    Die heimlich amüsierten mich
    Und allet fragt: „Wat grinste?“


  • Übersicht & das achthundertneunundzwanzigste Gedicht

    Blick auf Victoria von den Trois Freres

    Ripostegedicht zu „Du bist ein Rätsel mir von fremder Art“ von Rose Ausländer

    Die Auflösung

    Nach fünf Minuten war dann ja
    So zwischen uns schon alles klar
    Wir wollten nicht den Kreis bemessen
    Wir gingen gleich zum Eiskremessen
    Und kurz darauf – auch gemeinsam ins Bett

    Doch niemand seufzte: „Ach, wie nett …!“

    Weil es gilt als Versprechen: Zur Liebe nur wird
    Was sich auch gebührend verkomplifiziert!

    Wir haben es schlichtweg zu simpel getrieben
    Drum nannte man schlecht unsren Weg sich zu lieben

    Schon ward uns genommen
    Was kurz schien vollkommen

    Und gab’s je was zurück? Ach, nein …
    Man darf nicht einfach glücklich sein!


  • Isarlauf & das achthundertneunte Gedicht

    Isar

    Ripostegedicht zu „Der Reiter und der Bodensee“ von Gustav Schwab

    Die anderen Reiter und der Bodensee

    Tief unten und in Bodennäh‘
    Harrt auf dem Grund vom Bodensee
    Die Reiterschar, die übers Jahr
    So durch das Eis gebrochen war

    Von Zeh und Huf bis zu den Ohren
    Starr’n Ross und Reiter schockgefroren
    Hinauf zur milchig strahl’nden Schicht
    Wohlwissend: „Manchmal hält die nicht!“

    Und jeder, der hindurchgerammt
    Schwebt nun zum Zombietum verdammt
    Im kühlen Nass, wo nichts verdirbt
    Bis er im Frühling richtig stirbt

    Wenn Sonnenstrahl die Eisschicht taut
    Wird auch der Körper abgebaut
    So lange müssen unten warten
    Die hier ein Stockwerk tiefer traten

    So muss manch Recke nutzlos dümpeln
    Im Bodensee und andren Tümpeln

    Doch, horcht! Da naht auf seinem Rosse
    Vom Ufer ein künftiger Leidensgenosse!

    Schon trabt er mit immer leicht schlitternden Tritte
    Zum Eingangsbereich der schon knisternden Mitte
    Dumpf durchwabert der Schall von dem Todesgalopp
    Die zermürbende Stille des Sees, bis dann „Stopp!“

    Ein Leichnam namens Bertram schreit
    „Ihr Mannen, macht euch mit bereit!
    Entreißt eure Leiber des Winterschlafs Betten
    Treibt mit mir nach oben, den Knaben zu retten!

    Stützt mit den Leibern eurer Rappen
    Die Eisschicht, wo sie einen schlappen
    Und kläglich tragend Eindruck macht
    Und wo’s beim nächsten Kleindruck kracht!

    Nun, Freunde, was soll ich euch lange behellen
    Ihr kennt wohl am besten die heikelsten Stellen!
    Vollbring’n wir’s mit vereinter Kraft
    Dass er’s ans andre Ufer schafft!“

    Kurz drauf wird die Schicht, wo ihre Deckkraft im Argen
    Von den Rücken ertrunkener Pferde getragen

    Schon donnert heran das Getrommel der Hufe
    Von vorderster Front hört man Jubel und Rufe:

    „Es hielt – wir hielten’s! Er hat uns passiert!“
    Und wenn auch manch Sprung durch die Eisdecke sirrt
    Solange die Schutzschicht nur splittert statt bricht
    Hält auch noch die Mitte des Reiters Gewicht

    Und im Zentrum von alldem hält Bertram sein Ross
    Den gefall’nen Gefährten im See nun der Boss
    Da der durchschlagskraftmächtigste Tritt auf ihn bangt
    Und er nur ruft: „Treffer. Mitnichten versenkt!“

    Da schöpfen auch die, die’s noch treffen wird, Mut
    Zudem dort das Eis mählich dicker wird. „Gut,
    Den kritischen Teil hat er nun überwunden
    Und bald auch den Weg an das Ufer gefunden

    Wo im Schatten der Berge es stärker gefriert
    So dass ihm von nun an wohl nichts mehr passiert!“
    Da jubelt die Schar und man gibt sich Highfive
    Sie tanzen und singen zu „Stayin‘ Alive“

    Doch kommt ein Zwerg hervorgekrochen:
    „Just dort bin ich ins Eis gebrochen!“

    „Just wo?!“ „Nun, er reitet geradewegs hin!
    Und dort ist das Eis wirklich dünner als dünn!“

    Weh! Niemand traut da gern seinen Ohren
    Nur Bertram gibt dem Pferd die Sporen
    Und sein treuer Gaul schießt durch das Nasselement
    So wie man das höchstens von Seepferdchen kennt

    Schon ist’s – so sehr strengt es sich an
    Gleichauf mit jenem Reitersmann
    Wie ein gekipptes Spiegelbild
    Dort arglos – da entschlossen wild

    Nun wird auch die Gefahr reell:
    Den See trifft hier ein warmer Quell
    Macht’s Eis porös wie Blätterteig
    Durchschmetterbar vom kleinsten Zweig

    Um zu erkenn’n: Das hält ihn nicht!
    Braucht es nicht erst ’nen Testbericht
    Auf Verstärkung zu warten, dazu fehlt die Zeit
    Also plant Recke Bertram die Rettung zu zweit:

    „Wir bleiben stetig unter ihnen
    Geleiten sie so wie auf Schienen

    Und öffnet sich des Eises Spalt
    Geb’n unsre Körper ihnen Halt!“

    So ward zum Peak vom Eisschicht-Schwund
    Das Pferd dem Pferd ein Untergrund
    Bewahrt‘ es vor dem kühlen Grab
    Perfekt getimet im Hucketrab

    Dem Highsporn, der nach vorn nur stiert
    Wird nicht gewahr, was hier passiert
    Schon nimmt er mit ’nem Riesensatz
    Im Fließ der Uferwiese Platz

    Bloß Pferd und Bertram treib’n zerfetzt
    Vom Hufgetrampel arg verletzt
    Im eisfrei’n Teil des Sees herum
    Wo sie sofort verwesen – dumm!

    Denn kaum am Sauerstoff gerochen
    Schält sich das Restfleisch von den Knochen
    Trotzdem feiert nun stürmisch: „Oh, Bertram, du Held!“
    Der Reittrupp Unterwasserwelt

    „Siehst du ihn, noch?“ „Ja, er erreicht jetzt das Dorf!“
    Von den brüchigen Lippen des Boss‘ blättert Schorf

    „Erzähl uns, was tut er?“ „Er blickt grad zurück!
    Ich denke, allmählich begreift er sein Glück.

    Und nun … bitte, nein! Gott, das glaub ich jetzt nicht!“

    Na, ihr kennt ja das Ende vom andren Gedicht!


  • Quartier 206 & das siebenhundertachtzigste Gedicht

    Quartier 206 Berlin

    Ripostegedicht zum Text „Hohes Gericht“ von Waalkes/Gernhardt/Knorr/Eilert.

    Hohes Gericht 2.0

    Angemahnter,
    Sie werd’n von uns mit Buh!s vertaggt, weil Ihr Post einen Spusi neckt!

    Ich hab den Spusi nicht geneckt, mich hat nur nach Genuss von Sekt
    Wohl ein gewisser Bruce gehackt, der mein Profil mit Schmus befleckt –
    Und das hat dann die Buhs geweckt!

    Sie haben aber in Ihren Kommentaren ganz andere Angaben gemacht!
    Ich zitiere wörtlich:
    „Ich habe grad mit Blues entdeckt, dass jemand meine Muse deckt,
    Sich keck nach ihrem Busen reckt, und innert eines Nus gecheckt,
    dass dahinter mein Spusi steckt!“
    Das wurde doch auch so geliket!?
    Herr Zeuge, können Sie das bestätigen?

    Nee, das ist nur diffus korrekt …
    Ich hatt‘ mich hinter Gnus versteckt und grad meine To-Dos gecheckt,
    Da hat mich was am Fuß geleckt, der sicherlich ganz grus’lig schmeckt…

    Das tut doch überhaupt nichts zur Sache!

    Doch!
    Der allgemeine User checkt ja nicht, was so ein Bruce ausheckt,
    der alle CPU’s verdreckt mit irgendwelchem Fuselsekt!

    Jetzt reicht’s aber!
    Im Namen der Community,
    wenn einer seinen Spusi trackt, dass der an seiner Muse leckt,
    und dann in der’n Geschmuse hackt, dann weil in ihm ein Loser steckt!
    Wenn er jedoch Diffuses swaggt und sanft Beate Uhse weckt,
    Ihn keinesfalls Abstruses schreckt – dann sagen wir zum Gruß: „Korrekt!“
    Wir schauen, wo der Newsfluss leckt und hoffen, dass der Bruce verreckt!
    Wem der Spruch zu konfus, der eckt mit allen andern finster an,
    Das Weit’re dann auf Instagram, das hohe Gericht zieht sich zum Binge Watching zurück,
    Das Urteil lautet: Shitstorm!


  • Fluten & das siebenhundertsiebzigste Gedicht

    Eisbachwellekanal

    WC-Spülungen

    Kaum, dass jemand abgezogen
    Rumpeln durch die Wand die Wogen
    Um mit Hast und dumpfen Brüllen
    Jenen Kasten zu befüllen
    Der der Spülung Masse fasst
    Plus der Wasser Märsche Last

    Horcht! Es schießt aus vollen Rohren
    Ungestüm und ohne End‘!
    Weh! Schon scheint dies Haus verloren
    Wenn den Strom kein Moses trennt!

    Die

    Geister werden mehr und Meer!
    Wer wird nun der Wasser Herr
    Eh die letzten Speicher leer?

    Der-

    Weil der Meister es verschlief
    Dass ich ihn um Hilfe rief
    Steigt der Schwimmer aus dem Tief
    Um den Zufluss vom Abort
    Wo die Wasser sich ergießen –
    Drohend, als sei’s immerfort –
    Ganz allmählich zu verschließen

    Da muss sich der Quell verengen
    Klingt’s, als wenn die Wasser sängen
    Die sich durch den Restspalt zwängen
    Bis ihr Wille abgeebbt
    Von Furor auf Stille zappt

    Ja

    So verfügt unsrer Installateure Verschluss
    Dass alles, alles enden muss!


  • Tor 21 & das siebenhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Märchenwelt der Linzer Grottenbahn

    Ripostegedicht zu Loriots „Advent“

    Abitus

    Ja, ist es denn verwündowlich
    Dass der Herr von Bülow sich
    Mit denen derer vom Forst überwarf?
    Ihr Sinnen für Humor nicht traf?

    Wer lässt sich schon gerne per Spottvers ermorden?
    So sind die Herrn vorsorglich tätig geworden
    Aus Notwehr mit dem Schrotgewehr –
    Nun lebt der Loriot nicht mehr!

    Die Förster in Firststrikemanier
    Beförderten das Vögeltier
    Ins Jenseits und ölten die Waidmannspistole
    Die fortan die Spötter vom Stamm der Pirole
    Von Stämmen und höheren Rossrücken hole
    Sollten diese die Grenzen der Ethik missachten
    Und Förster ob ihrer Filetstücke schlachten

    Doch was im Geäst da an lästernder Last
    Beim Förstermännchen so verhasst
    Wird weiters umhegt von den Damen der Herrn
    Die die garstigen, drastisch bestraften Strophen
    Von umgelegten Förstern mit Freude verzehr’n

    Und nichts auf der Welt beschützt ewig die Doofen


  • Unterm Fernsehturm & das sechshundertneunzigste Gedicht

    Unterm Berliner Fernsehturm

    Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes „Liebesgedicht“ (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).

    Never trust a Lovepoem

    Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
    Das verstimmte schon früh manch Instrument
    Weil man sich für das Aneinandergewöhn’n, Kind
    Schon vom Start weg zu gut kennt
    Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
    Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
    Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
    Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt


  • Teetisch & das sechshundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Von der Tate Modern

    Ripostegedicht zu „Sie saßen und tranken am Teetisch“ von Heinrich Heine unter der Vermutung, dass Heine sich nur aus semantischen Gründen den Lapsus eines identischen Reimes (Teetisch – ästhetisch) leistet. Es war natürlich der rein reimende Stehtisch gemeint, dessen Nutzung durch Sitzende Heine unstatthaft, wenn nicht kriminell, erschien.

    Wir saßen und tranken am Stehtisch

    Wir saßen und tranken am Stehtisch
    Und kamen so lieblos uns vor
    Denn fraglos war’s wenig ästhetisch
    Wie der Tisch an Bedeutung verlor

    Wie negierten frech alle Semantik
    Und bestuhlten, wo aufrecht man steht
    Der Plattenbau moserte grantig:
    „Ey, wenn ihr nicht steh’n wollt, dann geht!“


  • Charlottenburg & das sechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Straße in Charlottenburg

    Wandrers Nachtlied. Der Spreepark-Remix

    Über allen Schienen
    Ist Ruh,
    Und in bemoosten Fahrkabinen
    Ahnest du
    Schlummern Fahrtwindturbulenzen.
    Alle Statik
    Starrt und knarrt
    Dir und uns den Riesenrat:
    Jeder stößt an seine Grenzen.

    Vor dem Tore: Kassenhäuschen.
    Die warten schon lange
    Auf Wärter und Schlange
    Und wundern sich: Kerl, wat’n krasset Päuschen!

    Hier liegt
    Des Vergnügens Mumie
    Zu Ruinen aufgebahrt;
    Die Dinos verrotten im Walde.

    Warte nur, balde
    endet auch für dich die Fahrt.


  • Pichola See & das sechshundertfünfundvierzigste Gedicht

    Pichola See Bei Uidapur

    Ripostegedicht zu Erich Kästners „Maskenball im Hochgebirge“

    Am Mittwoch nach Maskenball

    Ab Mittwoch wär wieder was frei im Hotel
    Und man freue sich auf den Besuch
    Die Tanzabende vorerst zwar ohne Kapell‘
    Doch Schnee gäb’s noch immer genug

    Im Garten wär jetzt so ein Massengrab
    Und auch manch totes Reh
    Der Vollmond vom Maskenball nähm wieder ab
    Im Gegensatz zum Schnee

    Du zweifelst: „Vielleicht fahr’n wir doch nicht dorthin?
    Der Hausherr heißt Erich, mein Bester …
    Ich bin in solch Vers-Tecken nich so gern drin
    Denn der Mörder ist immer der Kästner!“


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