Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Carolina & das zweitausendzweihundertachtundfünfzigste Gedicht

    Blühender Pseudobombax ellipticum und Antillengrackel

    Strg + V, analog

    Nach monitorbeschienener Zuhausebleiberei
    Bin ich jetzt vom Empfang erlöst und sowas von dabei.
    Und jeder Tropfen Blut in mir
    Verneunfacht seine Stärke,
    Es strömt sich eine Flut ins Hier
    Voll neu erdachter Werke.

    Weshalb hab ich mich je entwöhnt
    Vom längst gewussten How-to-do?
    Warum bloß hab ich mir verpönt
    Das „Heute schau ich nur mal zu!“?

    Je weiter ich nach draußen drift‘,
    Je mehr erfasst mich Sinn,
    Ich tippe nur noch via Stift
    Ins echte Mittendrin.

    Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, für die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft wurde.


  • Ausgerechnet B. & das zweitausendzweihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Bananenbaum bei Jibacoa

    Mein Ostererlebnis

    Der Hase kennt sehr gute Eierverstecke –
    Und zwar in der Heia und unter der Decke.
    Dort suchten sie auch meine Finger und fanden:
    Der Herr ist wieder auferstanden!


  • Garden Inn & das zweitausendzweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Die Zimmerausstattung im Hilton Garden Inn Frankfurt Airport

    Wie im Flug

    Es grenzt beinahe an Betrug:
    Stunden, die vergeh’n im Flug – ?!
    Jedenfalls im Flieger
    Bleibt das Zähe Sieger.


  • Fraport & das zweitausendzweihundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Terminal C Frankfurter Flughafen, kurz vorm Abflug

    Reisefertig

    Wenn Reisetaschenreißverschlüsse
    Sich ihre Krampen reiben,
    Am Bahnsteig rasche Abschiedsküsse
    Als letzter Gruß verbleiben,

    Wenn Vorbereitungseifer sich
    Gen Wirklichkeit entspannt
    Und das Gepäck deckt ein für dich
    Die Zeit im andern Land,

    Ist man schon spürbar angetan,
    Kennt Leute, Strand und Preise,
    Nun folgt die Haut dem großen Plan
    Und macht sich auf die Reise.

    Alle Rechte bei Cora Cristofolini, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft hat.


  • Heimernte & das zweitausendzweihundertvierundfünfzigste Gedicht

    Ein Wurf meiner Schwabinger Kaffeepflanze

    Poesie & Nährwert

    Dieses Gedicht fabuliert einen Startpunkt,
    Von dem sich noch Linien verzweigen,
    Markiert Grazie, mit der es schon vor jeder Tat prunkt,
    Proklamiert Immanenz als sein Eigen.

    Doch letztlich dient dieses Gedicht der Ernährung,
    Schafft Eier, Kartoffeln und Brot,
    Von Versen gestrickt ist es wahrhafte Währung,
    Verbleibt in Punkt Anspruch devot.

    Dieses Gedicht schreiben andre Poeten
    Und -*innen nun vielfältig fort.

    Dieses Gedicht besorgt nur die Moneten –
    Ein Anfang fürs werdende Wort.

    Und entgegnet mir nicht, dies sei nur ein Gedicht!

    Denn es sorgt andernorts – auf ein Wort – für: Gewicht.

    Alle Rechte bei Frauke Gnadl, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft hat.


  • Model & das zweitausendzweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Nicole Eisenman. What Happened im Museum Brandhorst

    Crossover-Ripostegedicht zu Tucholskys „Das Ideal“ und den Heidi-Klum-Rant von Roger Willemsen.

    Der Ich-Handel (The I-deal/Dimunitiv von „selten“)

    Ja, das möchste:
    Du willst bei der Challenge heut voll überzeugen,
    Dass all jene andren dich neidisch beäugen
    Und Heidi kreischt fleischig vor Scheineuphorie,
    Du hätt’st krass Personality
    Und die Fashionwelt wird sich schon bald darum reißen,
    Dich auf ihren Kampagnen willkommen zu heißen.

    Du schwebst vom Walk auf Wolke Sieben,
    Bist dabei ganz du selbst geblieben,
    Gibst dich dem Netz in Gänze hin
    Als mega! Influencerin,
    Bekommst von dort so viel zurück:
    Ein tausendfach geteiltes Glück.
    Ja, das möchste.
    Aber,
    in Wahrheit wirst du voll verheizt
    Im Tollhaus, das mit Chancen geizt,
    Verkackst im Kreis beknackter Grazien,
    Verlacht als Wackelkandidatin,
    Die beständig, unbändig und flehentlich flennt
    Vor gemeinen Designern, die eh keiner kennt.

    Letztlich fehlt dir das Foto zum Model-Champ,
    Du hoffst noch auf das Dschungelcamp
    Und hangelst fesch von „Au!“ zu „Au!“
    Durchs Dickicht dich vom Trash-TV.

    Doch wie sehr man sich auch engagiert,
    Dass man sich dann noch etabliert
    Vorm bösen Ansturm erster Fältchen
    Das
    Ist seltchen.


  • Party Room & das zweitausendzweihundertzweiundfünfzigste Gedicht

    „Party Room“ – Installation von Pope.L im Museum Brandhorst

    Fraternidad (freie Übersetzung des Gedichts von Luz de Cuba)

    Achtung, hier spricht die Poesie!
    Achtung, hier spricht die Poesie!
    Poetisieren Sie sich bitte,
    Poetisieren Sie sich,
    Dass die Verse rauschen wie Zugvögelschwingen,
    Erhaben wie erhebend
    Mit Schwung in das Himmelreich über den Dingen –
    Wir überqueren schwebend
    Die Weiten von Meeren und Ozeanen,
    Weil Wasser uns nie trennt!
    Wir müssen den Weg zueinander nicht bahnen –
    Wir sind 1 Firmament.

    Tik-tak schlägt die Stunde der Poesie
    Tik-tak – die Minute aus Reim
    Tik-tak – die Flamme der Melodie
    Wir weben aus Farben ein Heim.


  • Eisenmans Mann & das zweitausendzweihunderteinundfünfzigste Gedicht

    Nicole Eisenman. What Happened im Museum Brandhorst

    Weisheit, vergebens

    „Nun, da ich es verstanden hab,
    Bin ich so knapp vorm Gehen!“,
    Ruf ich hinauf aus meinem Grab.

    Du wirst es nicht verstehen.


  • Westendstraße & das zweitausendzweihundertfünfzigste Gedicht

    Gebäude der alten Augustinerbrauerei in der Westendstraße

    Ermüdungsbrüche

    Ich suhle und besudel mich in Ungewöhnlichkeit,
    Stöhn immer etwas langgeweilt und falle aus der Zeit.

    Ach, könnte ich für irgendwas
    Mich zweimal interessieren!
    Ach, fänd ich mal an etwas Spaß
    Nach lebenslangem Gieren!

    Kenn keinen Unterscheidungsgrad
    Von Lebensqualitäten.
    Mir ist egal, worauf ich wart –
    Es kann sich nur verspäten.

    In mir verschwendet, ohne Not, sich unaufhörlich Leben.
    Doch wird’s mich bis zu meinem Tod, sehr unbeeindruckt, geben.


  • Adenauer-Brücke & das zweitausendzweihundertneunundvierzigste Gedicht

    Die Konrad-Adenauer-Brücke nach Essen-Überruhr

    Besuch im Daheim

    Essen-Überruhr, hört man, verbiete es mir,
    Es meinen Geburtsort zu nennen.
    Man lädt mich zwar jedes Mal ein auf ein Bier,
    Doch nur, um sich von mir zu trennen.

    Mich dürstet es so nach dem Wiegengefühl,
    In alter Gewissheit zu baden –
    Schon schließt tumbes Modernisierungsgemühl
    Den letzten verbliebenen Laden.

    Man schläfert hier jeglichen Anhaltspunkt ein.
    Nur ich kann doch nicht alles erinnern!

    Dann bittet man rüde, mich rechts einzureih’n,
    Im Rudel von echten Beginnern.

    „Ich bin hier geboren!“, rumort es in mir
    (die S-Kurve immer im Blick),
    Geb weder verloren den Ort und das Hier
    Und schlurf durch den Ruhrwiesenschlick.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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