Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Kosmos Berlin & das hundertzweiundsechzigste Gedicht

    GEMA-Fest im Kosmos Berlin

    Im Kino Kosmos zu Berlin. Vier Fantasten-Schatten – mit freundlicher Unterstützung der munter blitzenden Fotografenkollegen. Und als Gedicht ein passender Liedtext vom kommenden Marilyn’s Army Album.

    Vielen Dank für die Laudatio

    Vielen Dank für die Laudatio
    Ich danke für Ihr Kommen und das Pipapo
    Die Show hier, muss ich sagen – sie ist einfach nur noch „Woah!“
    Mein Dank geht an den Schirmherr und den Hauptsponsor
    Momentan hängt sicherlich der Himmel voller Geigen
    Da wäre auch die Chance, sich einmal demütig zu zeigen
    Nur ist halt nicht so meins – darüber sind wir uns im Klar’n
    Das möcht‘ ich Ihnen und vor allem mir hier jetzt erspar’n

    Denn: Es ist bedeutungslos
    Und wenn man ehrlich ist
    War es am Ende bloß
    Ein kurzer Blitz in der Historie tristgrau durchgeweichter Zeit

    Wie süß schmeckt denn nun wirklich all der Mühen Lohn?
    Da ließ sich was zu sagen, doch ich langweile mich schon
    Und wie versprochen, quäle ich jetzt nicht Ihre Geduld
    Ich danke fürs Vertrauen und steh‘ tief in Ihrer Schuld

    Denn: Es ist bedeutungslos
    Und wenn man ehrlich ist
    Bleibt es am Ende bloß
    Ein kurzer Blitz in der Historie tristgrau durchgeweichter Zeit


  • Nach-Halle & das hunderteinundsechzigste Gedicht

    Statue der Lesenden, Haal a.d. Saale

    Noch ein Nachschlag vom Saale-Spaziergang. Mit sonnigem Gruß von der Statue der Lesenden.

    Dessert not Desert

    Betrachte mit Nachsicht die Nachtisch-Verächter
    Die „Hauptsache Hauptgang“-Gang isst so viel schlechter!

    Denn das bessere Essen beseelt das Dessert
    Ist dem kundigen Munde ein Mindestverzehr
    Gibt nach Fastfutterfadheit Dir Süße zurück
    Ist genüsslich den Müßiggang küssendes Glück

    Wer mag sich in Patisseriekunst versenken

    Wer ruft nur heroisch „Ach nein, ich entsage
    Will mich auf Asketen-Diäten beschränken!“?

    Ja gut, war jetzt mehr ’ne rhetorische Frage


  • Halle an der Saale & das hundertsechzigste Gedicht

    Saale-Spaziergang

    Halle an der Saale an den Auen.

    Sechs

    Die Vokale des Substantivs Saaleaue
    Zählte dereinst König Volker, der Schlaue
    Mit den Mitteln von heut erscheint dies fast banal
    Doch nach wie vor gilt die ermittelte Zahl
    Als früher Beweis des menschlichen Geistes
    Dem, was er zu leisten imstande sei – heißt es

    Doch war Volker bewusst, was er so kontemplativ tat?
    Allzu viel zu dem Punkt ist ja nicht überliefert
    Nur ein Zählholz ist uns – samt sechs Kerben – geblieben
    Von dem man sich sagt, es gab ursprünglich sieben


  • Hallenkonzert & das hundertneunundfünfzigste Gedicht

    Halle an der Saale Marktplatz mit Marktkirche

    Das vermutlich vom Schriftbild ausgewogenste Konzertplakat der Welt. Ist ein Gedicht wert.

    Alphaville

    Alphaville live in Halle!
    Ach, da rufen wieder alle:
    „Tolle Lyrik, nie gegeben!“
    Krass verfasst vom puren Leben


  • Das beste Bürohaus & das hundertachtundfünfzigste Gedicht

    Halle an der Saale

    Da kann man nicht widersprechen.

    Das beste Bürohaus der Welt

    Ich wohne im besten Bürohaus der Stadt
    Die freilich nicht sehr viel Bürohäuser hat
    Im Workload-Flow des Stadtverlags
    Zur Förd’rung des Büroalltags


  • Magdeburg & das hundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Bahnhof Magdeburg Neustadt

    Bahnhof Magdeburg-Neustadt. Edgar Allan Poe hätte seine Freude dran.

    Im Burgenland

    Ich mag de Burg, die Wolfs Burg ist
    Den Schinken, der die Hamburg disst
    Gern meide ich das burgfrei Sein
    Das regenslos sein Leid Augsschrei’n


  • Der Himmel über Berlin & das hundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Tempelhofer Feld

    Der Himmel über Tempelhof. Derweil es laut Telefonaustausch im Rest der Republik regnet.

    Über Schatten

    So ’ne monumentalen
    Sonnenstrahlen
    Entsprießen nur Himmeln, die wolkenbewattet

    Drum gilt auch, wir werden
    Hier unten auf Erden
    Teils heilsüberströmt, bisweilen beschattet


  • Tempelhofer Feld & das hundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Tempelhofer Feld

    Zwischenstopp Berlin. Zur besten Feldlerchenbrutzeit.

    Die Brüten

    Die Feldlerche knöttert gelinde umgrast
    Und trittgeschützt vom Flatterband
    Das knatternd stramm im Winde rast:
    „Ab hier ist Lerchenpärchenland!“


  • Chemnitz & das hundertvierundfünfzigste Gedicht

    Chemnitz

    Und nun wirklich: Chemnitz.

    Geheimnisvolles Chemnitz

    Als ICE-Halt abgeprallt
    Umgeben von diffusem Wald
    Liegt Chemnitz da, man weiß nicht wo
    Nicht, wie’s dort ausschaut – sowieso

    Ach, Fremder, solltest nicht erwarten
    Dir würde man nun mehr verraten
    Es raunt die Stadt geheimnisvoll:
    „Ja, is‘ hier wirklich nich‘ so toll!“

    Denn würde man
    Mal irgendwann
    Was Chemnitz‘ Reize bieten, zeigen
    Würd’n zeitnah auch die Mieten steigen

    So hüllt man Insel, Park und See
    Im Schrecken vom Betonklischee
    Mit leergepafftem Schornsteinschlund
    (Scheint einer auch entwaffnend bunt)
    Gilt gern als „Bäh!“ und dankt der Welt
    Dass nie ein ICE hier hält


  • Kämmnix & das hundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Chemnitz

    Dass Glatzköpfigkeit nie ohne Faschokonnotation auskommt – dabei würde ich das gerade in diesem Text ausblenden wollen. Denn Chemnitz ist vor allem Pinguinstadt.

    In Chemnitz

    In Chemnitz gibt es nichts zu kämmen
    Wer würde dort auch viel erwarten?
    Denn gut rasierte Schädel-Bemmen
    Die halten nix von Kammsportarten


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