Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Wedding & das neunundneunzigste Gedicht

    Wedding, Hinterhof

    Wedding, Hinterhof.

    Ich hätt‘ vielleicht noch so etwas wie einen Koffer in …

    Ich hab noch einen Koffer in Berlin
    Da ist vermutlich längst schon nix mehr drin
    Denn die Baliner
    Ditt sind Schlawiner
    Wo wat zu holen is‘, da langen’se auch hin


  • Leaving Potsdam & das achtundneunzigste Gedicht

    Potsdams Park Sanssouci

    Und noch ein letztes lyrisches Mitbringsel aus Potsdam.

    Im Garten

    Das alles hier hatte mal einen Namen
    Fest verstrebt pferchten Lettern den Grundbesitz ein
    War’n dem Platz in der Welt jener nötige Rahmen
    Um zeitlich befristet ein Ich-Reich zu sein

    Nun nistet ein Schwalbenpaar in diesem Bogen
    Der war vielleicht mal ein O, war vielleicht Konsonant
    Wohl zig mal bebrütet, noch öfter durchflogen
    Stand hier mal ein Name, den jemand gekannt


  • Sanssouci & das siebenundneunzigste Gedicht

    Potsdam Schloss Sanssouci

    Am Folgetag durch Potsdams Park …

    Sanssouci (Stadtführungsalternative 2)

    Potsdams Park Sanssouci wurde kurz nach der Wende
    In nur 68 Jahren erbaut, liebe Jäste
    Und nebst all den Jebäud’n hier oof’m Jelände
    Zum Jedenken an die Studentenproteste
    Nach Benno Ohnesorg benannt
    Ditt is‘ den meesten nich‘ bekannt!


  • Nauener Tor & das sechsundneunzigste Gedicht

    Nauener Tor Potsdam

    Am Vorabend durch Potsdams Mitte …

    Nauener Tor (Stadtführungsalternative 1)

    Schau’n ‚Se hier: Ditt Nau’ner Tor!
    Staun’n ‚Se, wat? Ick les‘ ma‘ vor:
    Achtzehnirjendwattneunzisch von Walt Ditzney erbaut
    Dem dann vom Alten Fritz auf’m Drehset jeklaut
    Und so steht ditt Nau’ner Tor ebnt hier
    Seh’n ‚Se ja selbs, wa? Trau’n ‚Se mir …!


  • Potsdam & das fünfundneunzigste Gedicht

    Kolonie Alexandrowka

    Potsdam. Flaneurpromenade meiner Berliner Zeit. Aber zu viel Idylle reizt auch. Selbst in der Kolonie Alexandrowka.

    Nichts Schlechtes über Potsdam

    Du nennst dich selbst nur Nachgeburt
    Gesäßabszess und Randgewächs im hehren Glanz Berlins
    Du, liebes Potsdam, richtest dich
    Fatal brutaler, radikaler als du, Potsdam, es verdiens‘
    Schimpfst dich verzog’ner Kinder Stube
    Und Möchtegerners Jauchegrube
    Sag, glaubst du, Potsdam, selbst den Mist
    Dass du statt Stadt nur Kotzkram bist?

    Da schaut die Stadt mich an und klagt:
    „Das hab ich alles nie gesagt!“

    Wie bitte? Stimmt. Das war ja ich
    Na, wie gesagt, es stimmt ja nich‘!


  • Fraunhofer & das vierundneunzigste Gedicht

    Die Stützen der Geselllschaft

    Eine Stütze im vollends verslammten Terminkalender: Die Stützen der Geselllschaft.

    Das Schützen der Gazellen

    Die Stützen der Gesellschaft
    Sie schelten den Geparden
    Er nutze seine Schnellkraft
    Zu der Gazellschafts Schaden


  • Lorelei & das dreiundneunzigste Gedicht

    Lorelei

    Auf der Rückfahrt von Koblenz, aus dem Zug heraus: die olle Lorelei.

    Romantischer Abzählvers (für Kinder ab vier Jahren)

    Lore, leih mir kurz dein Ohr
    Und ein Stück vom Ofenrohr
    Irgendwann läuft’s drauf hinaus
    Du gehörlos, Ofen aus


  • Koblenz & das zweiundneunzigste Gedicht

    Koblenz Rhein

    Stadt vs. Jahreszeit Crossover.

    Kobenlenz

    Wenn’s Lenz wird und im Schweinekoben
    Frisch abgenabelt Ferkel toben
    Weil, immer wenn sich’s Leben mehrt
    Der Start gelingt ganz unbeschwert
    Da ringelschwänzt die Leichtigkeit
    Wo ich als Bauer ein nich‘ schreit‘
    Ich weiß ja, wie die Aktien steh’n
    Die bald haarlos überm Rost sich dreh’n
    Doch für diesen Moment
    Und zu hundert Prozent
    Besinn‘ ich mich innig, all dieses zu loben
    Das Leben, die Ferkel, den Lenz und den Koben


  • Deutsches Eck & das einundneunzigste Gedicht

    Deutsches Eck Koblenz

    Wo Vater Rhein Mutter Mosel küsst. Aber flussaufwärts ist es romantischer.

    Deutsches Eck

    Sagt, was könnt sich nasser küssen
    Als die Wasser von zwei Flüssen?


  • Substanz & das neunzigste Gedicht

    Substanz Poetry Slam

    Zurück in München. Zurück im Substanz. Mein zwanzigster Auftritt dort. Damit mein am zweithäufigsten besuchter Slam. Und ein Auftritt steht dieses Jahr gar noch an.

    Slam und Substanz

    Schau, die Macher schöner Worte
    Locken wieder an zum Orte,
    Wo in langen Warteschlangen
    Hintenan harrt hart am bangen:
    Wer da zum Durchquer’n der Pforte
    Eine Bahn zu spät gewählt –
    Wird wohl nicht nicht mehr ‚reingelangen,
    Weil beim Slam das Timing zählt.

    Dort drinnen durchdringt das Gedränge im Raum
    Ein Ohrenmuschelkuschelflaum,
    Dass bald im Strahl der Wortkaskaden
    Nackige Gedanken baden.
    Schön berauscht von Show und Schaum
    Krönt man einen Slam-Nomaden.

    Mal gewinnt was haltlos Grelles,
    Manchmal auch was Substanz-ielles –
    Slam-Ruhm ehrt den Star nie lange
    Und verweht auch allzu schnell. Es

    … ist um eins nur keinem bange:
    Ewig währt die Warteschlange.


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