Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Rotbauchlemur & das dreihundertzweiunddreißigste Gedicht

    Rotbauchlemur

    Nach der recht umfangreichen Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge eins von vier. Es folgen noch drei weitere Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

    Rotbauchlemur

    Von roter Farbe ist dein Bauch
    Ich würde sagen: Sicher – auch!
    Ist doch dein Fell, noch ungegerbt
    Ganz regelmäßig eingefärbt

    Warum stürzt sich die Namenswelt
    So auf dein Bäuchlein, rot befellt?
    Das wollig, pummlig aufgebauscht
    Leicht angekräuselt unterflauscht
    Im Weichsein vielleicht unbeschreiblich
    Doch gleich verteilt am Körper, mein‘ ich

    Nun mussten die Namensvergeber wie -innen
    Ja irgendwo mit dem Benennen beginnen
    So benannten sie vorerst dich nach deinem Bauch
    Dahinter (in Klammern) steht unsichtbar „auch!“


  • Mausmaki & das dreihunderteinunddreißigste Gedicht

    Mausmaki

    Mehr Schlaf geht nicht: Mausmaki am Tage, beim Zimmersäubern aufgespürt. Aber vor Einbruch der Dunkelheit wird kein Auge geöffnet, sei der Trubel auch noch so groß.

    Einschlafgedicht

    Mit achtzig Tonnen Gewicht auf den Schultern
    Schlepp ich mich zum Marsch into Mausmaki-Schlaf
    Ich bitte die Weiten des Alls ums Geduld-Hab’n
    Und schmieg mich in Tiefen ein, lämmchenbrav


  • Anjozorobe & das dreihundertdreißigste Gedicht

    Saha Forest Camp

    Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.

    Spotting the Paradise Flycatcher

    „Did you see it?“ „No.“ „There!“ „Where?!“
    „Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!“
    „Doch, er sitzt doch noch hier vorn!“
    „Hab ihn irgendwie verlorn …“
    „Jetzt kann man ihn ganz toll seh’n!
    Kannst du mal zu Seite geh’n?!“
    „Wo denn? Ich würd auch mal gern …!“
    „Ja, wie soll man das erklär’n …?
    Siehst du diesen dunklen Ast?
    Etwas weiter links davon …hast
    Geseh’n? Jetzt ist er weggeflogen!“

    Vielleicht wurd’st du auch angelogen.


  • Ambohimanga & das dreihundertneunundzwanzigste Gedicht

    Blick von Ambohimanga

    Natürlich jedes Mal so, aber nach wie vor beim Neubesuch von exotischem Flair: In der Nacht liegt die Mondsichel waagerecht überm Horizont.

    Afrika

    Lächelnd hängt die Mondessichel über traurig Afrika
    Dem Gewohnten widersprechend im Gebrauch von „Alles klar!“
    Im Kuckucksnest der Zuversicht sich Trotz mit Trost und Stolz vermengt
    Was sie zu einem Dämmstoff eint, ist: dass der Mond doch an sie denkt


  • Antananarivo & das dreihundertachtundzwanzigste Gedicht

    Antananarivo

    Anne und die Afrikaskepsis

    Toni war recht angetan
    Von Antananarivo
    Tante Anne nach lag’s an
    Den achtzehn Kannen Pivo


  • Abu Dhabi VII & das dreihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Abu Dhabi Silhouette

    Dattelglück

    Es schmeckt la Dattel d’Abu Dhabi
    So nach „ja, hier komm ich her!“
    Nach orientalischst und arabi-
    Chst und Schleck und „köstlich, mehr!“
    Bergamott‘ winkt, Kardamom
    Sandsturm, Temp’raturphantom
    Affenglut bis Abendbrise
    Scheichgewand und Ölpreiskrise
    Nach Verheißung, Adlerholz
    Oryx, Souqs und Sultanstolz

    Wie ein Harz aus dem Herzen der Wüste geronnen
    Wie von Myrrhe beraucht, für den Gaumen erwählt
    So haben wohl schon tausend Nächte begonnen

    Die eine mehr braucht’s, die dir alles erzählt


  • Abu Dhabi VI & das dreihundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Cornichon-Beach

    Abend an Corniche-Beach.

    Zur Profanierung des Glaubens

    Und zärtlich kläfft der Muezzin:
    „So, allet jetzt zur Kirche hin!
    Ach, wat sach ich – zur Moschee!
    Aber, Jesses, wie ich seh
    Will ma wieder keener beten!
    Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
    Vom Befummeln eurer Biester?
    Wartet nur, ihr Schweinepriester!
    Ich setz nie mehr Ablassfristen –
    Klär mich auf zum Atheisten
    Steig schnell ab vom Minarett
    Und leg mich zu euch ins Bett!“


  • Abu Dhabi V & das dreihundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Skyline Abu Dhabi

    Abu Dhabi

    Ich senke meine sanften Zähne
    In den warmen Hals der Gazelle
    Ich schmecke Blut und hör Gegähne
    Das ich mit scheuem Zorn bebelle

    Wir finden in keiner der Welten zusammen
    Und scheinen doch aus selbem Sande zu stammen
    Wir entkamen dem Nirgends und kamen so weit
    In den endlosen Fluren der Vorläufigkeit
    Doch stets zeigt sich ein neuer Berg
    Erleuchtet von ’nem Feuerwerk


  • Abu Dhabi IV & das dreihundertvierundzwanzigste Gedicht

    Emirates Palace

    Im von mir vor dreieinhalb Jahren hier aus Büchern gebauten Emirates Palace gewesen. Angesichts der Wucht von Marmor, Glanz und Blattgold gedacht, dass hier viele Dinge ganz neu gedacht werden müssen. U.a. altgediente Sprichwörter:

    Emirates Palace

    Willst was geldten
    Mach dich goldten


  • Abu Dhabi III & das dreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Saadiyat Beach

    Die Sonne geht unter, der Tag darf beginnen. Soll niemand sagen, sie hätte nicht alles gegeben.

    Der neunzehnte Stock

    Ja, von hier kann ich das Meer seh’n
    Gleich neben mir den Rooftop-Pool
    Seh Taxifahrer Runden dreh’n
    Die Luft ist immer noch nicht cool

    Es geht schon auf Eins zu
    Doch der Tag scheint noch jung
    Er fädelt sich ein – du
    Verlorst deinen Schwung
    Weil du viel zu früh hungrig ins Leere greifst
    Die wahre Bestimmung vertändelnd nur streifst

    Du weißt genau: Die Ungeduld
    Ist niemals jemand anders schuld
    Winkst der Stadt zu: „Naja, eig’ntlich hätt‘ ich noch Bock!“
    Und du schaust sie dir an, dort vom neunzehnten Stock


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