Nach der recht umfangreichen Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge eins von vier. Es folgen noch drei weitere Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.
Rotbauchlemur
Von roter Farbe ist dein Bauch
Ich würde sagen: Sicher – auch!
Ist doch dein Fell, noch ungegerbt
Ganz regelmäßig eingefärbt
Warum stürzt sich die Namenswelt
So auf dein Bäuchlein, rot befellt?
Das wollig, pummlig aufgebauscht
Leicht angekräuselt unterflauscht
Im Weichsein vielleicht unbeschreiblich
Doch gleich verteilt am Körper, mein‘ ich
Nun mussten die Namensvergeber wie -innen
Ja irgendwo mit dem Benennen beginnen
So benannten sie vorerst dich nach deinem Bauch
Dahinter (in Klammern) steht unsichtbar „auch!“
Mehr Schlaf geht nicht: Mausmaki am Tage, beim Zimmersäubern aufgespürt. Aber vor Einbruch der Dunkelheit wird kein Auge geöffnet, sei der Trubel auch noch so groß.
Einschlafgedicht
Mit achtzig Tonnen Gewicht auf den Schultern
Schlepp ich mich zum Marsch into Mausmaki-Schlaf
Ich bitte die Weiten des Alls ums Geduld-Hab’n
Und schmieg mich in Tiefen ein, lämmchenbrav
Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.
Spotting the Paradise Flycatcher
„Did you see it?“ „No.“ „There!“ „Where?!“
„Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!“
„Doch, er sitzt doch noch hier vorn!“
„Hab ihn irgendwie verlorn …“
„Jetzt kann man ihn ganz toll seh’n!
Kannst du mal zu Seite geh’n?!“
„Wo denn? Ich würd auch mal gern …!“
„Ja, wie soll man das erklär’n …?
Siehst du diesen dunklen Ast?
Etwas weiter links davon …hast
Geseh’n? Jetzt ist er weggeflogen!“
Natürlich jedes Mal so, aber nach wie vor beim Neubesuch von exotischem Flair: In der Nacht liegt die Mondsichel waagerecht überm Horizont.
Afrika
Lächelnd hängt die Mondessichel über traurig Afrika
Dem Gewohnten widersprechend im Gebrauch von „Alles klar!“
Im Kuckucksnest der Zuversicht sich Trotz mit Trost und Stolz vermengt
Was sie zu einem Dämmstoff eint, ist: dass der Mond doch an sie denkt
Es schmeckt la Dattel d’Abu Dhabi
So nach „ja, hier komm ich her!“
Nach orientalischst und arabi-
Chst und Schleck und „köstlich, mehr!“
Bergamott‘ winkt, Kardamom
Sandsturm, Temp’raturphantom
Affenglut bis Abendbrise
Scheichgewand und Ölpreiskrise
Nach Verheißung, Adlerholz
Oryx, Souqs und Sultanstolz
Wie ein Harz aus dem Herzen der Wüste geronnen
Wie von Myrrhe beraucht, für den Gaumen erwählt
So haben wohl schon tausend Nächte begonnen
Und zärtlich kläfft der Muezzin:
„So, allet jetzt zur Kirche hin!
Ach, wat sach ich – zur Moschee!
Aber, Jesses, wie ich seh
Will ma wieder keener beten!
Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
Vom Befummeln eurer Biester?
Wartet nur, ihr Schweinepriester!
Ich setz nie mehr Ablassfristen –
Klär mich auf zum Atheisten
Steig schnell ab vom Minarett
Und leg mich zu euch ins Bett!“
Ich senke meine sanften Zähne
In den warmen Hals der Gazelle
Ich schmecke Blut und hör Gegähne
Das ich mit scheuem Zorn bebelle
Wir finden in keiner der Welten zusammen
Und scheinen doch aus selbem Sande zu stammen
Wir entkamen dem Nirgends und kamen so weit
In den endlosen Fluren der Vorläufigkeit
Doch stets zeigt sich ein neuer Berg
Erleuchtet von ’nem Feuerwerk
Im von mir vor dreieinhalb Jahren hier aus Büchern gebauten Emirates Palace gewesen. Angesichts der Wucht von Marmor, Glanz und Blattgold gedacht, dass hier viele Dinge ganz neu gedacht werden müssen. U.a. altgediente Sprichwörter:
Die Sonne geht unter, der Tag darf beginnen. Soll niemand sagen, sie hätte nicht alles gegeben.
Der neunzehnte Stock
Ja, von hier kann ich das Meer seh’n
Gleich neben mir den Rooftop-Pool
Seh Taxifahrer Runden dreh’n
Die Luft ist immer noch nicht cool
Es geht schon auf Eins zu
Doch der Tag scheint noch jung
Er fädelt sich ein – du
Verlorst deinen Schwung
Weil du viel zu früh hungrig ins Leere greifst
Die wahre Bestimmung vertändelnd nur streifst
Du weißt genau: Die Ungeduld
Ist niemals jemand anders schuld
Winkst der Stadt zu: „Naja, eig’ntlich hätt‘ ich noch Bock!“
Und du schaust sie dir an, dort vom neunzehnten Stock