Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Messlatten & das achthundertachtzehnte Gedicht

    Marienplatz

    Den Hürden

    Einfach jedes und alles gutbesser zu machen
    Wo ist das Problem?
    Durch die Séparées, die sie mit Andacht bewachen
    Knistert mein Poem


  • St. Patrick & das achthundertsiebzehnte Gedicht

    St. Patrick's Day Umzug München

    Für Shane M. et al.

    Groll‘ nicht den Drogen der Irrfahrten wegen
    Ohne sie gäb‘ es gar keine Reise
    Trünn‘ auch nicht ab von des Alkohols Segen
    Denn wer will die Welt doppelt so leise?

    Nun wiegt dich die Zerbrechlichkeit
    Zu dem Sermon „Das war zu erwarten“
    Der gern als nebensächlich weiht
    Allen Ungestüms prächtigste Taten

    Beginn’n auch meiner Jugend Helden
    Sich nacheinander abzumelden
    Für den Rest meiner Zeit rühr’n sie tief durch die Knochen
    Schür’n hinter dem Vorhang vom einstigen Brennen
    Ich hab‘ meine Seele längst zigmal erbrochen
    Aber vier bis fünf Songs lang kann ich sie erkennen


  • Vorboten & das achthundertsechzehnte Gedicht

    Schneeglöckchen am Alten Nordfriedhof

    Er ist’s! – Präludium

    Meine Sehnsucht massiert die noch zögernden Knospen
    Und ich sporne die Aussaat an, die sich da ziert
    Ich werde die nichtigsten Götter umgospeln
    Brüll treibhaustrieblüstern: Er wird, er wird!


  • Codename Babakota & das achthundertfünfzehnte Gedicht

    Indri Baby

    Der Indri Indri und andre

    Symphonien aus Türenquietschen
    schamverstummt vor deinem Sang
    Tonal verwandt – doch fernab, bittscheen
    deinem Schluchz im Abgangklang

    Die schwarze Komponistenmähne
    wächst an Babakotas Ohr
    aus Panda-Plüsch rag’n lange Beene
    und die Arme ooch hervor

    Du bist im Größenmaßgedränge
    wählerischstes Meistertier
    Bärig-stummelnd schwänzt du Länge
    Andre, Indri, neiden’s dir!


  • Berenty & das achthundertvierzehnte Gedicht

    Katta in Berenty NP

    Kattalogik

    Wärst du gern ein Kater, Katta?
    (Die allerbesten Chancen hat er!)
    Doch trotz krauligjauligem Katzengejammer
    und hochgereckt schräggescheckt längsstreifend strammer
    Grazilillytät im Gang
    macht das Kätzchen dir Mätzchen, maunzt:
    Schön, doch zu lang!

    Fläz dich bäuchlings zur Sonne
    maul ein „Pöh!“, seufze „Puh …“
    du katzenunartiges Katta, du!


  • Ludwigstraße & das achthundertdreizehnte Gedicht

    Ludwigstraße

    Schulte, Schulte – immer dieser Schulte!

    Kataloge, Katapulte
    Katastrophen, Cutter Schulte

    Katerstimmung statt Katharsis?
    Wart, bis Cutter Schulte da is‘!

    Ob Katakomben, ob Katamarane
    Überall schwenkt Cutter Schulte die Fahne!

    Und ich bereu‘ fast jeden Tag
    Dass ich nich‘ was mit Medien mach‘!


  • Gänze & das achthundertzwölfte Gedicht

    Wasservögel Flauchersteg

    Hastig

    Du hast die Seuche an den Hacken
    Sie zwingt dich, bäuchlings abzukacken
    Und alles ist Malheur

    Du hasst die Seuche an den Hacken?
    Dann zwing dich, beide abzuzwacken
    Es bessert sich, ich schwör‘!


  • Chinesischer Turm & das achthundertelfte Gedicht

    Chinesischer Turm

    Dem Fem

    Ich möchte dich mal richtig gendern
    Und ramm‘ an jedes End‘ ein „-In“
    Werd all den alten Code verändern
    Bis dass ich völlig sprachlos bin

    Du musst mich darum nicht lang bitten
    Mich treibt der Liebreiz deiner Wünsche


  • Letzte Schicht & das achthundertzehnte Gedicht

    Am Kleinhesseloher See

    Die Einladung

    Das Licht, es hat grade echt richtig zu tun
    Allen Schutt aus den Kammern zu fegen
    Den ein schlampiger Mieter als Teilzeittribun
    Ertrutzte mit Dutzend Belegen

    Den harten Nacken
    Mit zarten Macken
    Wie schadlos vor Glück überstanden

    Hör, wie Mörike röhrt
    Aus dem Tower betört:
    „Frühling, du kannst wieder landen!“


  • Isarlauf & das achthundertneunte Gedicht

    Isar

    Ripostegedicht zu „Der Reiter und der Bodensee“ von Gustav Schwab

    Die anderen Reiter und der Bodensee

    Tief unten und in Bodennäh‘
    Harrt auf dem Grund vom Bodensee
    Die Reiterschar, die übers Jahr
    So durch das Eis gebrochen war

    Von Zeh und Huf bis zu den Ohren
    Starr’n Ross und Reiter schockgefroren
    Hinauf zur milchig strahl’nden Schicht
    Wohlwissend: „Manchmal hält die nicht!“

    Und jeder, der hindurchgerammt
    Schwebt nun zum Zombietum verdammt
    Im kühlen Nass, wo nichts verdirbt
    Bis er im Frühling richtig stirbt

    Wenn Sonnenstrahl die Eisschicht taut
    Wird auch der Körper abgebaut
    So lange müssen unten warten
    Die hier ein Stockwerk tiefer traten

    So muss manch Recke nutzlos dümpeln
    Im Bodensee und andren Tümpeln

    Doch, horcht! Da naht auf seinem Rosse
    Vom Ufer ein künftiger Leidensgenosse!

    Schon trabt er mit immer leicht schlitternden Tritte
    Zum Eingangsbereich der schon knisternden Mitte
    Dumpf durchwabert der Schall von dem Todesgalopp
    Die zermürbende Stille des Sees, bis dann „Stopp!“

    Ein Leichnam namens Bertram schreit
    „Ihr Mannen, macht euch mit bereit!
    Entreißt eure Leiber des Winterschlafs Betten
    Treibt mit mir nach oben, den Knaben zu retten!

    Stützt mit den Leibern eurer Rappen
    Die Eisschicht, wo sie einen schlappen
    Und kläglich tragend Eindruck macht
    Und wo’s beim nächsten Kleindruck kracht!

    Nun, Freunde, was soll ich euch lange behellen
    Ihr kennt wohl am besten die heikelsten Stellen!
    Vollbring’n wir’s mit vereinter Kraft
    Dass er’s ans andre Ufer schafft!“

    Kurz drauf wird die Schicht, wo ihre Deckkraft im Argen
    Von den Rücken ertrunkener Pferde getragen

    Schon donnert heran das Getrommel der Hufe
    Von vorderster Front hört man Jubel und Rufe:

    „Es hielt – wir hielten’s! Er hat uns passiert!“
    Und wenn auch manch Sprung durch die Eisdecke sirrt
    Solange die Schutzschicht nur splittert statt bricht
    Hält auch noch die Mitte des Reiters Gewicht

    Und im Zentrum von alldem hält Bertram sein Ross
    Den gefall’nen Gefährten im See nun der Boss
    Da der durchschlagskraftmächtigste Tritt auf ihn bangt
    Und er nur ruft: „Treffer. Mitnichten versenkt!“

    Da schöpfen auch die, die’s noch treffen wird, Mut
    Zudem dort das Eis mählich dicker wird. „Gut,
    Den kritischen Teil hat er nun überwunden
    Und bald auch den Weg an das Ufer gefunden

    Wo im Schatten der Berge es stärker gefriert
    So dass ihm von nun an wohl nichts mehr passiert!“
    Da jubelt die Schar und man gibt sich Highfive
    Sie tanzen und singen zu „Stayin‘ Alive“

    Doch kommt ein Zwerg hervorgekrochen:
    „Just dort bin ich ins Eis gebrochen!“

    „Just wo?!“ „Nun, er reitet geradewegs hin!
    Und dort ist das Eis wirklich dünner als dünn!“

    Weh! Niemand traut da gern seinen Ohren
    Nur Bertram gibt dem Pferd die Sporen
    Und sein treuer Gaul schießt durch das Nasselement
    So wie man das höchstens von Seepferdchen kennt

    Schon ist’s – so sehr strengt es sich an
    Gleichauf mit jenem Reitersmann
    Wie ein gekipptes Spiegelbild
    Dort arglos – da entschlossen wild

    Nun wird auch die Gefahr reell:
    Den See trifft hier ein warmer Quell
    Macht’s Eis porös wie Blätterteig
    Durchschmetterbar vom kleinsten Zweig

    Um zu erkenn’n: Das hält ihn nicht!
    Braucht es nicht erst ’nen Testbericht
    Auf Verstärkung zu warten, dazu fehlt die Zeit
    Also plant Recke Bertram die Rettung zu zweit:

    „Wir bleiben stetig unter ihnen
    Geleiten sie so wie auf Schienen

    Und öffnet sich des Eises Spalt
    Geb’n unsre Körper ihnen Halt!“

    So ward zum Peak vom Eisschicht-Schwund
    Das Pferd dem Pferd ein Untergrund
    Bewahrt‘ es vor dem kühlen Grab
    Perfekt getimet im Hucketrab

    Dem Highsporn, der nach vorn nur stiert
    Wird nicht gewahr, was hier passiert
    Schon nimmt er mit ’nem Riesensatz
    Im Fließ der Uferwiese Platz

    Bloß Pferd und Bertram treib’n zerfetzt
    Vom Hufgetrampel arg verletzt
    Im eisfrei’n Teil des Sees herum
    Wo sie sofort verwesen – dumm!

    Denn kaum am Sauerstoff gerochen
    Schält sich das Restfleisch von den Knochen
    Trotzdem feiert nun stürmisch: „Oh, Bertram, du Held!“
    Der Reittrupp Unterwasserwelt

    „Siehst du ihn, noch?“ „Ja, er erreicht jetzt das Dorf!“
    Von den brüchigen Lippen des Boss‘ blättert Schorf

    „Erzähl uns, was tut er?“ „Er blickt grad zurück!
    Ich denke, allmählich begreift er sein Glück.

    Und nun … bitte, nein! Gott, das glaub ich jetzt nicht!“

    Na, ihr kennt ja das Ende vom andren Gedicht!


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