Den Hürden
Einfach jedes und alles gutbesser zu machen
Wo ist das Problem?
Durch die Séparées, die sie mit Andacht bewachen
Knistert mein Poem
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Den Hürden
Einfach jedes und alles gutbesser zu machen
Wo ist das Problem?
Durch die Séparées, die sie mit Andacht bewachen
Knistert mein Poem

Für Shane M. et al.
Groll‘ nicht den Drogen der Irrfahrten wegen
Ohne sie gäb‘ es gar keine Reise
Trünn‘ auch nicht ab von des Alkohols Segen
Denn wer will die Welt doppelt so leise?
Nun wiegt dich die Zerbrechlichkeit
Zu dem Sermon „Das war zu erwarten“
Der gern als nebensächlich weiht
Allen Ungestüms prächtigste Taten
Beginn’n auch meiner Jugend Helden
Sich nacheinander abzumelden
Für den Rest meiner Zeit rühr’n sie tief durch die Knochen
Schür’n hinter dem Vorhang vom einstigen Brennen
Ich hab‘ meine Seele längst zigmal erbrochen
Aber vier bis fünf Songs lang kann ich sie erkennen

Er ist’s! – Präludium
Meine Sehnsucht massiert die noch zögernden Knospen
Und ich sporne die Aussaat an, die sich da ziert
Ich werde die nichtigsten Götter umgospeln
Brüll treibhaustrieblüstern: Er wird, er wird!

Der Indri Indri und andre
Symphonien aus Türenquietschen
schamverstummt vor deinem Sang
Tonal verwandt – doch fernab, bittscheen
deinem Schluchz im Abgangklang
Die schwarze Komponistenmähne
wächst an Babakotas Ohr
aus Panda-Plüsch rag’n lange Beene
und die Arme ooch hervor
Du bist im Größenmaßgedränge
wählerischstes Meistertier
Bärig-stummelnd schwänzt du Länge
Andre, Indri, neiden’s dir!

Kattalogik
Wärst du gern ein Kater, Katta?
(Die allerbesten Chancen hat er!)
Doch trotz krauligjauligem Katzengejammer
und hochgereckt schräggescheckt längsstreifend strammer
Grazilillytät im Gang
macht das Kätzchen dir Mätzchen, maunzt:
Schön, doch zu lang!
Fläz dich bäuchlings zur Sonne
maul ein „Pöh!“, seufze „Puh …“
du katzenunartiges Katta, du!

Schulte, Schulte – immer dieser Schulte!
Kataloge, Katapulte
Katastrophen, Cutter Schulte
Katerstimmung statt Katharsis?
Wart, bis Cutter Schulte da is‘!
Ob Katakomben, ob Katamarane
Überall schwenkt Cutter Schulte die Fahne!
Und ich bereu‘ fast jeden Tag
Dass ich nich‘ was mit Medien mach‘!

Hastig
Du hast die Seuche an den Hacken
Sie zwingt dich, bäuchlings abzukacken
Und alles ist Malheur
Du hasst die Seuche an den Hacken?
Dann zwing dich, beide abzuzwacken
Es bessert sich, ich schwör‘!

Dem Fem
Ich möchte dich mal richtig gendern
Und ramm‘ an jedes End‘ ein „-In“
Werd all den alten Code verändern
Bis dass ich völlig sprachlos bin
Du musst mich darum nicht lang bitten
Mich treibt der Liebreiz deiner Wünsche

Die Einladung
Das Licht, es hat grade echt richtig zu tun
Allen Schutt aus den Kammern zu fegen
Den ein schlampiger Mieter als Teilzeittribun
Ertrutzte mit Dutzend Belegen
Den harten Nacken
Mit zarten Macken
Wie schadlos vor Glück überstanden
Hör, wie Mörike röhrt
Aus dem Tower betört:
„Frühling, du kannst wieder landen!“

Ripostegedicht zu „Der Reiter und der Bodensee“ von Gustav Schwab
Die anderen Reiter und der Bodensee
Tief unten und in Bodennäh‘
Harrt auf dem Grund vom Bodensee
Die Reiterschar, die übers Jahr
So durch das Eis gebrochen war
Von Zeh und Huf bis zu den Ohren
Starr’n Ross und Reiter schockgefroren
Hinauf zur milchig strahl’nden Schicht
Wohlwissend: „Manchmal hält die nicht!“
Und jeder, der hindurchgerammt
Schwebt nun zum Zombietum verdammt
Im kühlen Nass, wo nichts verdirbt
Bis er im Frühling richtig stirbt
Wenn Sonnenstrahl die Eisschicht taut
Wird auch der Körper abgebaut
So lange müssen unten warten
Die hier ein Stockwerk tiefer traten
So muss manch Recke nutzlos dümpeln
Im Bodensee und andren Tümpeln
Doch, horcht! Da naht auf seinem Rosse
Vom Ufer ein künftiger Leidensgenosse!
Schon trabt er mit immer leicht schlitternden Tritte
Zum Eingangsbereich der schon knisternden Mitte
Dumpf durchwabert der Schall von dem Todesgalopp
Die zermürbende Stille des Sees, bis dann „Stopp!“
Ein Leichnam namens Bertram schreit
„Ihr Mannen, macht euch mit bereit!
Entreißt eure Leiber des Winterschlafs Betten
Treibt mit mir nach oben, den Knaben zu retten!
Stützt mit den Leibern eurer Rappen
Die Eisschicht, wo sie einen schlappen
Und kläglich tragend Eindruck macht
Und wo’s beim nächsten Kleindruck kracht!
Nun, Freunde, was soll ich euch lange behellen
Ihr kennt wohl am besten die heikelsten Stellen!
Vollbring’n wir’s mit vereinter Kraft
Dass er’s ans andre Ufer schafft!“
Kurz drauf wird die Schicht, wo ihre Deckkraft im Argen
Von den Rücken ertrunkener Pferde getragen
Schon donnert heran das Getrommel der Hufe
Von vorderster Front hört man Jubel und Rufe:
„Es hielt – wir hielten’s! Er hat uns passiert!“
Und wenn auch manch Sprung durch die Eisdecke sirrt
Solange die Schutzschicht nur splittert statt bricht
Hält auch noch die Mitte des Reiters Gewicht
Und im Zentrum von alldem hält Bertram sein Ross
Den gefall’nen Gefährten im See nun der Boss
Da der durchschlagskraftmächtigste Tritt auf ihn bangt
Und er nur ruft: „Treffer. Mitnichten versenkt!“
Da schöpfen auch die, die’s noch treffen wird, Mut
Zudem dort das Eis mählich dicker wird. „Gut,
Den kritischen Teil hat er nun überwunden
Und bald auch den Weg an das Ufer gefunden
Wo im Schatten der Berge es stärker gefriert
So dass ihm von nun an wohl nichts mehr passiert!“
Da jubelt die Schar und man gibt sich Highfive
Sie tanzen und singen zu „Stayin‘ Alive“
Doch kommt ein Zwerg hervorgekrochen:
„Just dort bin ich ins Eis gebrochen!“
„Just wo?!“ „Nun, er reitet geradewegs hin!
Und dort ist das Eis wirklich dünner als dünn!“
Weh! Niemand traut da gern seinen Ohren
Nur Bertram gibt dem Pferd die Sporen
Und sein treuer Gaul schießt durch das Nasselement
So wie man das höchstens von Seepferdchen kennt
Schon ist’s – so sehr strengt es sich an
Gleichauf mit jenem Reitersmann
Wie ein gekipptes Spiegelbild
Dort arglos – da entschlossen wild
Nun wird auch die Gefahr reell:
Den See trifft hier ein warmer Quell
Macht’s Eis porös wie Blätterteig
Durchschmetterbar vom kleinsten Zweig
Um zu erkenn’n: Das hält ihn nicht!
Braucht es nicht erst ’nen Testbericht
Auf Verstärkung zu warten, dazu fehlt die Zeit
Also plant Recke Bertram die Rettung zu zweit:
„Wir bleiben stetig unter ihnen
Geleiten sie so wie auf Schienen
Und öffnet sich des Eises Spalt
Geb’n unsre Körper ihnen Halt!“
So ward zum Peak vom Eisschicht-Schwund
Das Pferd dem Pferd ein Untergrund
Bewahrt‘ es vor dem kühlen Grab
Perfekt getimet im Hucketrab
Dem Highsporn, der nach vorn nur stiert
Wird nicht gewahr, was hier passiert
Schon nimmt er mit ’nem Riesensatz
Im Fließ der Uferwiese Platz
Bloß Pferd und Bertram treib’n zerfetzt
Vom Hufgetrampel arg verletzt
Im eisfrei’n Teil des Sees herum
Wo sie sofort verwesen – dumm!
Denn kaum am Sauerstoff gerochen
Schält sich das Restfleisch von den Knochen
Trotzdem feiert nun stürmisch: „Oh, Bertram, du Held!“
Der Reittrupp Unterwasserwelt
„Siehst du ihn, noch?“ „Ja, er erreicht jetzt das Dorf!“
Von den brüchigen Lippen des Boss‘ blättert Schorf
„Erzähl uns, was tut er?“ „Er blickt grad zurück!
Ich denke, allmählich begreift er sein Glück.
Und nun … bitte, nein! Gott, das glaub ich jetzt nicht!“
Na, ihr kennt ja das Ende vom andren Gedicht!
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