Ende der Saison
Nun hat der See sich abgekühlt
Der mich fast ein Halbjahr verführt
Dass ich wie im Wahn seine Wasser durchwühlt
Ab heute wir nur noch gerührt
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ende der Saison
Nun hat der See sich abgekühlt
Der mich fast ein Halbjahr verführt
Dass ich wie im Wahn seine Wasser durchwühlt
Ab heute wir nur noch gerührt

Gliederfüßer
Den Krabben, die über die Uferbank krabbeln
Schäumt ein schillernder Blasenbehang von der Schnüss
Der gleicht jenem nach einen Lungendürchschüss
Ins kehlige Gürgeln versandenden Brabbeln
Wenn ich durch Mund und Nase schlürf
Bin ich ein Tier mit Blasenwürf?
Vielleicht auch am Verbluten?
Das lässt sich nur vermuten

In der Fledermauskolonie
Ja, öl‘ dir die Flughaut, mein Pappenheimwicht!
Nein, ein Schwarm muss nicht intelligent sein!
Allein die Geflogenheit ist unsre Pflicht
Und das ultraschallhell In-die-Luft-Schrei’n
Ich kann dir beim Kopfüberhängen berichten
Von Ausschwärmerei, dass die Sinne sich lichten –
Im Klammheimcode, den niemands Echolot knackt!
Wie du weißt, ruht der Schlafverband nie …
Und der Höhlenguano, der sich aus ihm kackt
Bleibt zwingende Philosophie!
Als ein Säugetier, dem man die Flugkunst geschenkt
Überlege dir stets, wessen Gunst dich bedrängt
Und öle die Flughaut vor deinem Anheimfall!
Enge darf nur der Aufwärmung gelten!
Misstrau‘ auch dem Platz, unter dem ich mich festkrall‘!
Denn selbstloser Ratschlag ist selten

Ein Text für ein weiteren Song vom kommenden dreizehnten Marilyn’s Army Album „Zeit zu schrei’n“.
Plötzlich Applaus
Plötzlich wollen alle tanzen
Plötzlich woll’n sie alle raus
Plötzlich geh’n sie voll aufs Ganze
Plötzlich ist es dein Applaus
Alle sagen: Ja ich kenn‘ den!
Alle fragen: Alles klar?
Alle tanzen um ihr Ausseh’n
Alle nehmen dich jetzt wahr
Plötzlich ist es dein Applaus
Plötzlich geh’n sie ab und rufen: Yeaah! Yeaaaah!
Plötzlich schaffst du irgendwas mit Yeaah, Yeaaaah!
Plötzlich zuckt in jedem Move ein Yeaah, Yeaaaah!
Doch das liegt nicht an dir
Es ist nur das Jetzt & Hier
Es ist nur das Jetzt & …
Plötzlich könn’n sie alles nachseh’n
Plötzlich macht’s den’n nichts mehr aus
Plötzlich woll’n sie hinter dir steh’n
Plötzlich ist es dein Applaus
Alle sagen: Muss ma gut sein!
Alle sagen: Is doch wahr!
Alle können’s nachvollziehen
Allen ist jetzt alles klar
Plötzlich ist es dein Applaus
Plötzlich geh’n sie ab und rufen: Yeaah! Yeaaaah!
Plötzlich schaffst du irgendwas mit Yeaah, Yeaaaah!
Plötzlich zuckt in jedem Move ein Yeaah, Yeaaaah!
Doch das liegt nicht an dir
Es ist nur das Jetzt & Hier
Es ist nur das Jetzt & Hier
Plötzlich woll’n sie exaltieren
Plötzlich zieh’n sich alle aus
Plötzlich soll es kulminieren
Plötzlich ist es dein Applaus
Alle sagen: Ja, ich kenn‘ den!
Alle fragen: Alles klar?
Alle tanzen um ihr Aussehen
Alle nennen dich jetzt Star
Plötzlich ist es dein Applaus

Die Kameseilie
Von der Einsicht, die Welt würde immer vorangeh’n
Sah ich vier Kadaver versinken
Man konnte ein Leben ihn’n wirklich nicht anseh’n
Doch träum‘ ich seither vom Ertrinken
Meine Sorge um sie
Führt des Nachts die Regie
Und obschon auch mein Bett Traulichkeiten umsteh’n
Seh‘ ich um sie Blaulichter blinken
Von dem Mantra, der Fortschritt schlüg‘ goldene Routen
Sah ich drei Metalle verblassen
Schon wollt‘ ich dem Kelch kein Getränk mehr zumuten
Erschrocken von gültigen Massen
So als ging’s Stück um Stück
Auch schon wieder zurück
Doch waren nicht wir hier und immer die Guten?
Wer könnte grad uns ernsthaft hassen?
Aus dem Glaube, der Drall läs‘ sich aus den Geboten
Sah ich, wie zwei Seiten sich lösten
Wie läppisch sprach sich das Gedenken der Toten
Bevor sie den Schlachtplan entblößten
Aber eins sah ich noch
Das verhinderte doch
Dass wir mit der Anderen Dämm’rung verrohten
Da wir in die Schlusssequenz dösten

Khayyam Replik 2
Für die werten Gelehrten stimmt an eure Harfen
Und ehret ihr Werk zur Erleuchtung von Schafen!
So sehr sie in Finsternis blieben – es scheint
Als könnten wir alle seither besser schlafen!

Verona
Ganz oben ruht stolz wie in Sänften gemauert
Das Rudel der Scaliger Hunde
Ich stürz durch die Piazzas wie aufsaugetoll
Tauch auch in arenige Runde
Was sonst so vom Ewig das Jetzt überdauert‘
Kann schwerlich ein Tag ganz erzählen
Da gilt’s zum Passieren von Speicher und Zoll
Den prägendsten Ausschnitt zu wählen

Die aufgegebene Fabrik
Die aufgegebene Fabrik
Flüstert immer noch Worte wie Kapazität
Auslastungsgrad oder Marktpotential
All die Willenskraft schwebt im Jahrhundertaspik
Und gerät in die Strömung vom Nu-is-egal
Des Gebäudes Geschichte ist längstens geschrieben
Und ein Mörtelstrang ragt aus der Wandnostalgie
Die Arbeit ward aus den Maschinen vertrieben
Und harrt auf den Neustart – ich wüsste nicht wie
Geschulterte Vermächtnisse
Ruh’n in unsteten Schreinen der Handlangerei
Untradiert über ein Handmanual
Doch die Fertigkeit stummer Gedächtnisse wiegt
Nur im Hain alter Mauern noch resthaft real
Wie den Eifer und Schliff noch im Guten vergeuden?
Allen Unterschied, den bald schon niemand mehr merkt?
Du wirkst für die Aura von toten Gebäuden
Und wirst von den Damalssekunden gestärkt

Oder halt bergsteigen
Brixen, maul‘ ich unentschlossen, was soll man in Brixen tun?
Schau‘ mir mein entblößtes Glied an, reim’s zusammen und brumm‘: Nun, …

Zur Aufmunterung
Als wär‘ eine einmal vergebene Chance
In der ganzen Welt nicht mehr zu finden!
Als würde die ach-so-verfehlte Balance
Sofort aus dem Orbit verschwinden!
Als sei’n heikle Stellen so schmal konstruiert
Dass jeder sie maximal einmal passiert!
Nun, prinzipiell stimmt all das wohl …
Doch immerhin gibt’s Alkohol!
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