In zehn Jahren kennt hier dann niemand mehr Polster
Und nuckelt nur am Digitalen,
Abhold der Komforts, derer ehemals tollster
Ist Teil des Tributs, den die Kalkfresser zahlen.
Und vorhanglos lügt sich zum Plan gegen Brände:
Der weltweite Rückzug in eigne vier Wände.
Doch werd ich die Logen, Parketts sowie Ränge
Mit meinem Gedächtnis auch weiter belegen.
Erinnerte Wucht jener Bilder und Klänge
Wird mich durch die Reizarmut flammend bewegen.
Es erschrickt mich mein Hartherzigkeitspotential,
Dieses mitleidsloseisige „Is mir egal“,
Das mit „Gönn dir!“-Tusch ankriecht, mein Ich zu erfreuen –
Doch schon vorm Triumph abstürzt in tiefstes Bereuen.
Wie huldvoll wird deiner man einmal gedenken?
Wird man forsch dein Erbleichen zur Reinheit verklären?
Oder auch deinem Fußgeruch Buchseiten schenken,
Um von deiner Menschlichkeit etwas zu zehren?
Wie duldsam wird sich deine Leiche verbreiten
Als Adoptivopfer von Deutungshoheiten,
Als hätt’st du nie Ambivalenzen besessen? –
So ist das Erinnern verbrämtes Vergessen.
Ein vertrottelter Vers versucht, dir zu gefallen
Und darin versagend, die Fäuste zu ballen,
Um bitterlich sich über dich zu beschweren,
Sodann deine Feinde und Neider zu mehren.
So zeilenspringt mancher durchs Scheitern Getrollte
Sich weit fort von dem, was er eigentlich wollte.
Ich möchte die Welt gern von oben betrachten,
Um die als Hürden ausgemachten
Bürden einzuebnen.
Auf die zu viel ich geb, denn
Es hängt ihre Macht an dem Dasein im Drunten
Und Ziel war: sich endlich zu trennen.
Dass sie mich stets runterzieh’n, hat seinen Grund, denn
Von weit oben
Sind ihre erhoben-
En Fallstricke nicht zu erkennen.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
De-ghosting
Die Erinn’rung scheint andauernd „Irrtum!“ zu schrei’n –
Dabei steht jener Tag in Kalendern.
Die sture Verleugnung erkämpft sich ihr Sein,
Als ließ‘ sich das nachträglich ändern.
Dein Pech: Beim Gedächtniserlischen
So einen wie mich zu erwischen.
Denn ich bewahr, was mir gefällt,
Gleich doppelt da in dieser Welt!
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Die Stauenden
Wir riechen schon den Vordermann,
Denn kriechend geht es hier voran,
Und der Verlust von Zwischenräumen
Lässt uns vom Entwischen träumen.
Und doch fällt’s nicht schwer einzuseh’n:
Die Welt hält uns an stillzusteh’n.
Die Stoßstangen brüsten sich keiner Berührung
Als Choreographen der Stabilität –
Gemeinsame Einsicht trutzt jeder Verführung. –
Es wird nicht verzweifelt, es wird nicht krakeelt.
Und stillschweigend neigt sich ein billiger Lohn
Mit Namen Zivilisation.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Die Geheimratsecken von J. W. G.
Der ob seiner Reim-Art
Geschätzte Geheimrat
Enthüllte mir haarlose Ecken.
Dort schien im Geheimen
Der Ursprung von Reimen
Sich unbedeckt kühn zu verstecken.
Und dessen beeindruckt erarbeite ich
Mir seither ’ne maßlose Glatze.
Doch trotz des Gefühls, ich verbesssere mich,
Vergrößert sich nur meine Fratze.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Scheißwetter
Es kotet wie aus Kübeln,
Es dünnpfeifft Bierschiss-Strahlen –
Ein Stinkgebräu aus Übeln
Lässt Kotzgelüste prahlen.
Ein Rosenknotenafter sprüht
Als grässlicher Diffuser,
Derweil er neuen Kack aufbrüht –
Zum Guss auf mich, den Loser.
Ich hört‘, s’würd heuer sich beschwert,
Es fiele zu viel Regen.
Mich fragt, vom derbsten Scheiß geteert:
„Ihr grämt euch? Echt? Deswegen?“
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Riesenräder
Ja, wenn Riesen Räder hätten,
Wenn auf diesen dann die fetten
Zwerge im Profile säßen –
Herr, was wär‘ dies vielen Späßen
Ein gar weicher Gabentisch,
Gleich ’nem Vlies aus Federbetten!
Ja, wenn Riesen Räder hätten …
Noch bleibt wahr: Sie haben nisch.