Bei den nächsten Versuchen
Dieses Gedicht hab ich schon mal geschrieben
Als eine Lösung für jenes Problem.
Scheint, es ist nicht sehr viel hängengeblieben …
Aber vertrau ich dem zweiten Poem?
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Bei den nächsten Versuchen
Dieses Gedicht hab ich schon mal geschrieben
Als eine Lösung für jenes Problem.
Scheint, es ist nicht sehr viel hängengeblieben …
Aber vertrau ich dem zweiten Poem?
Unter Unbekannten
Sei und bleibe Lichtblick – mir scheint
Als wüchse der Dunkelheit Kraft ohne Maß.
Es ist dein Kostüm ihr natürlicher Feind
Und wallt ums Musikstück, das ich schon vergaß.
Wir wahren den Abstand, doch sind nicht entfernt –
Wie ein Liebespaar ohne Vollzug.
Dies ist mir Geschenktes und nicht bloß erlernt:
Ein Lichtblick. Vielleicht auch Betrug.
Sonnenschein nach September
Ich breche die mir selbst gestellten Versprechen
Und schau mir nicht mehr ins Gesicht.
Wie gewohnt, lässt sich letztlich mein Stolz noch bestechen,
Erodiert dieser Berg jener Pflicht.
Das „Würde“ und „würde“ sich derart gleich schreiben –
War vor meinem Zutun gemacht.
Bei meinem Entschluss, es nicht weiter zu treiben,
Hab ich mir nichts weiter gedacht.
April 2024 (Rückblick 4)
Der April, der April, der sagt: „Brudi, chill!
Es gibt das Weed, den Shit ab jetz
Ganz ohne Stress mit dem Gesetz!“
Nun, was die Welt betrifft, erwacht
Jetzt mancher „Wohl bekifft?!“-Verdacht.
Da reist Babo Steinmeier in die Türkei,
Als Gastgeschenk einen Spieß Döner dabei,
Die AFD bückt sich vor Russland und China
Und ist so gefügiger Doppelverdiener.
Vom Bystron kraht es auf dem Mist,
Auch Höcke heckt sich aus als List:
„Gilt hier Cannabis-Amnestie,
Dann auch SA-Spruch-Amnesie.
Echt ma easy, Landgericht,
War wohl damals mächtig dicht!“
THC bringt auch Briten enorm durcheinander –
Die exportier’n Flüchtlinge jetzt nach Ruanda!
Das UN-Gericht spricht uns vom Völkermord frei
Und ein Teil unsrer Wirtschaft performt richtig high!
So früh schon im Jahr gibt es ’nen neuen Rekord
Für die treuen Getreuen vom Waffenexport!
Ja, der Gazakrieg wird immer zäher,
Raketentests in Nordkorea,
Das Drohnengedroppe toppt jetzt der Iran
Und China droht so wie gewohnt gen Taiwan –
Bro, die brauchen da Waffen und zwar ohne Ende!
Und wir reib’n uns jointdrehend räudig die Hände …
Da müssen wir Volkswagen gar nicht groß retten –
Der wahre VW aus D, der läuft auf Ketten
Mit April-Chillum-chilligen, willigen Drift!
Dem folgen wir fortan gern vollends be… -herzt.
Ei der Daus
Manch Kuckucksei das Nest befüllt –
Was sich dann später flugs enthüllt.
Hochgefühl, tiefergelegt
Vom See her weht der Wind und sagt:
„Das Gute hat gewonnen.“
Und in die alten Ufer ragt
Ein Neues, das begonnen.
Ich spür die Brisen, seh die Wellen –
Doch in mir weilt die Skepsis.
Sich auf mehr Hoffnung einzustellen,
Besänftigt nicht die Sepsis.
Es wiegen Halme, Blätter schwingen –
Erobert scheint der Steg,
Erzählbereit von bess’ren Dingen.
Zu guter Letzt: ein Weg.
Man trug den Eifer, unverzagt –
Längst trag ich meine Schwächen,
Werd, da ein frischer Aufblick tagt,
Versinken ins Gebrechen.
Das bisschen angefaulter Mut
Schafft’s nicht mehr zum Triumph.
Zu oft verwässert ward das Blut,
Der Adern Haut zu stumpf.
Das Abgekämpfte stört das Bild
Und schmälert den Gewinn.
Wer jetzt nicht feiert, jetzt nicht wild,
Gehört dort nicht mehr hin.
März 2024 (Rückblick 3)
Der M(a)erz, er folgt dem Februar
(wohl auch dem Scholz im nächsten Jahr) –
Ja, vor eig’ner Dummheit kann man nicht laut genug warnen!
Und Unmut zieht ungut im Land seine Bahnen …
Was zum ersten März die Militärs sehr empört:
Der Russe hat uns abgehört!
Ein dämlicher Infos-aus-höchstem-Geschoss-Klau
Grüßt arg beschämend uns aus Moskau.
Ja, vor eigener Dummheit … – gut, kennen wir ja
Doch nur drei Wochen drauf wurde schlagartig klar:
Nichts ahnte man derweil vom Anschlagsplan
Des IS-Outlets Tadschikistan:
Ein Konzertsaal, 130 Tote – wie bringt man’s ins Reine?
„Naja, das war halt die Ukraine –
Das war die Ukraine mit Hilfe vom Westen!“ –
Gut, die einfachsten Lösungen sind oft die Besten.
Und kurz drauf krönt solch Propagandaerlebnis
Noch Putins Wahl-Rekordergebnis!
Was gab’s noch neben Sieger- und Siegerreichpose?
Kate Middleton outet ’ne Krebsdiagnose (und das, wo King Charles‘ Prostata Im Vormonat schon Thema war),
Vorm Tesla-Werk fallen die Strommasten um (tja, halt Berliner Publikum),
Der NATO tritt Schweden bei – Staat 32.
Ist das Grund zu feiern? Ej, Leute, was weiß ich …
Der Papst plädiert plötzlich für mehr weiße Fahnen,
In Haiti kann niemand vor gar nichts mehr warnen,
Das Rote Meer ist endlich Huthi-bereinigt
Und die GDL hat mit der Bahn sich geeinigt.
Entwickelt sich alles in bessere(n) Bahnen?
Man kann, wie gesagt, gar nicht laut genug warnen!
Eine Busfahrt bei Regen
Der Bus, er durchrädert ein Pfützengespritze,
Feuchtneblig erblinden die Scheiben.
Die vom Sommer noch kürzlich beschienenen Sitze
Erklammt neues Kühl, um zu bleiben.
Es wird Herbst, schreit die tropfnasse Kondensation.
Es bleibt sommerlich, kontert mein Hoffen.
Doch die Busfahrerdurchsagen ändert ein Ton,
Der macht mich bedenklich betroffen.
Ich bestelle dem Sommer zehn Comebackabsichten,
Mit Lieferzeit zwei bis drei Wochen.
Bis dahin mag Regen sein Unheil verrichten,
Den Sommer zur Abheftung lochen.
Es wird Herbst, hört man’s Frühchen der Dunkelheit plärren.
Es bleibt sommerlich, schnauz‘ ich zurück.
Werd‘ mich mit viel Beharr gegen’s Aufgeben sperren,
Bewahr‘ meine Rolle im Stück
„Eine Busfahrt bei Regen“.
Ich mag mich deswegen ja gar nicht beklagen,
Werd‘ weiter vom Hof der Gewissheit verjagen,
Was Schlusspunktesetzer in Hetze platzieren.
Noch geht die Fahrt weiter, kann so viel passieren …
Schlossparkrunde
Noch kann mein neuer Abtrottpfad
Mir Überraschung schenken,
Noch kreuze ich herum, apart
Vom „konnt‘ ich mir ja denken!“.
Wie lang noch, bis mir jede Furt
Und Abzweigung vertraut?
Hat die Gewähr, die mich oft spurt,
Bis dahin abgebaut?
Februar 2024 (Rückblick 2)
Sodann beschloss der Februar,
Dass dieses Jahr ein Schaltjahr war.
Und man schalt einander bis zur Spaltung,
Verdammte stets die Ampelschaltung:
„Leuchten Rot, Gelb und Grün – heißt das Fahr‘n oder Halten?!“
Ist ein Schaltjahr die Chance, einmal schneller zu schalten?
Die Fregatte „Hessen“ kriegt ihr Go!,
Den „Taurus“ bremst das Kanzler-“No!“
Der Ukrainekrieg feiert den zweiten Geburtstag,
Macron denkt ob Bodentruppeinsätze kurz nach,
Es lässt die Wut im Gazastreifen
Die nächste Brut der Hamas reifen,
Zum Berlinale-Finale lärmen Antisemiten
Und die Bild fragt: „Frau Roth, lassen Sie sich das bieten?“
Ja, die Welt scheint in Entscheidungsnot:
Wie, wann und wo intervenieren?
Plötzlich heißt es, pardauz!, „Der Nawalny ist tot!“
Ja, wie konnte denn sowas passieren?
Die Konflikte, die Krisen, die Kriege – sie drängeln,
Dringen uns ins Gemüt wie Saharasand –
Vielleicht gräbt das Bezahlkarten-Flüchtlinge-Gängeln
Einen dichteren Ruhewall um unser Land!?
Drinnen jagen wir emsig RAF-Pensionäre –
Auf dass die Welt bald sich‘rer wäre.
Was sie am letzten Februar
Dann leider Gottes doch nicht war.
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