Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Länder

Gedichte über Länder und Kontinente.


  • Borneo & das zweitausendvierhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Hafen am Batang Ai Stausee

    Sarawak

    Vor Jahren ward es fester Plan,
    Ist dann Prospekt geblieben.
    War damals direkt angetan,
    Doch ließ mich stets verschieben.

    Ich vagabundierte durchs Vorzügegeben:
    Mal nach dort, mal sofort, mal geplant und mal eben.

    Den Prospekt letztes Jahr dann ad acta gelegt
    Ins Archiv des Recycling-Containers –
    Nach dreißig Jahr‘n immer noch sehr gut gepflegt
    (Ich hab mir gedacht, ich erwähn das)!

    Was hat mich damals fasziniert,
    Wie weiß ich, was noch stimmt?
    Manchs Traum Buffet an Wert verliert,
    Sobald man davon nimmt …!

    Doch ich ließ, prospektlos aufgebrochen,
    Mein dreißig Jahr jüngeres Herz wieder pochen
    Und erkenne: Was einst meine Neugier gerührt –
    Es versteht sie noch immer zu stillen.
    Ein sehr langer Weg hat mich hierhin geführt
    Aus tief eingefrorenen Willen.


  • Ipanema & das zweitausenddreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Am Ipanema Strand

    Brasilianisch

    Bisher kannte ich Brasilianisch als Sprache,
    Die staccatohaft immerzu mündet in „gooooool!“.
    Schier endlos durchzieht mein Verständnis ’ne Brache,
    Aus der ich gehetzt ein paar Wortfetzen hol,

    Bis ich irgendwie restwertig glaub‘ zu verstehen,
    Was jener Mann/jene Frau hilfsbereit singt –
    Lad‘ selbst mein Latein ein, um Sinn zu erflehen,
    Der bald darauf Mimik und Wortklang durchdringt,

    Urplötzlich erschließt sich mir all das Gesagte,
    Hab’s schließlich beflissen als Wissen erdealt:
    Man sagt hier stets – gleich, was vordem ich erfragte,
    „Brasilien hat grade ein Tor („gooooool!“) erzielt.“

    Alle Rechte bei C. Redka für das Vereinsheim München, das das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 erstanden hat.


  • Kungliga slottet & das zweitausendeinhundertdreißigste Gedicht

    Wache vorm Königlichen Schloss in Stockholm

    Schwedisch

    … klingt wie ein Vokaltrampolin,
    Auf das man zwei Handvoll von Schotterstein streut.
    Es lebt von den Fröhlich-qua-Unschuld-Partien,
    Von untervolumigen Grindcore betreut.

    Es klingt wie der Gischt leichten Seegangs entsprungen,
    In all seiner Sehnsucht nach Weite gedrungen,
    Und trotz aller Rumpler so rundum vertraut –

    Das hat der Mundschenk gut gebraut!


  • Patria o muerte & das zweitausendfünfundsiebzigste Gedicht

    Allgegenwärtig: Che-Konterfei

    Reklame

    Wie oft man hier den Sieg verspricht, nebst Anlässen zu sterben!
    Doch außer für das Vaterland mag hier kein Slogan werben.
    Ich wünsche dir zum Rum-tata, oh Eiland aller Raucher,
    In Buchten der Reklameflut auch kritische Verbraucher!


  • Valle de los Ingenios & das zweitausendeinundsiebzigste Gedicht

    Ruinas de Ingenio San Isidro de los Destiladeros im Valle de los Ingenios bei Trinidad

    Unabhängigkeit

    Wir ruhen auf dem Fundament
    Aus „Momentan nicht lieferbar!“,
    So lange jemand einen kennt,
    Wo alles noch viel schiefer war.

    Die neue Folter heißt Geduld,
    Der Sklavenhalter Zeit.
    Die Strenge ölt das Lehrerpult
    Und preist Genügsamkeit.

    Ein Einspruch schreit hier mannigfach,
    Sobald ihn wer benennt.
    Doch fehlt auch alle Kraft zum Dach –
    Es bleibt: ein Fundament.

    Alle Rechte bei Christian Jobst, der das Gedicht im Rahmen der Kubafestival-Spendenaktion von mir gekauft hat.


  • Tocororo & das zweitausenddreiundsechzigste Gedicht

    Tocororo, der Nationalvogel Kubas, im El-Cubano-Nationalpark

    Mein Kuba-Erstgedicht (der zweite Versuch)

    Es ist mein Kuba-Erstgedicht
    Vor Niederschrift schon alt geworden.
    Vermisste ich zunächst auch nicht
    Längst aberkannte Heldenorden –
    Alsbald massiert ein Abendlicht
    Mein Blinzeln sehr viel weiter.
    Es schlingelt sich durchs Erstgedicht
    Und ist doch viel gescheiter!

    Wär nach zwei Jahren Drittproblem
    Ich doch nicht mehr gekommen,

    Wär diesem Land nur ein Poem –
    Und mir sehr viel genommen.


  • Trinidad & das zweitausendeinundsechzigste Gedicht

    In den Gassen der Stadt Trinidad

    Memento mori cubano

    Wo der Ruhm ab Geburt zum Verfall übergeht,
    Ist die Oldtimerpflege ein Hobby aus Not.
    Man umfleht manch Ruine, dass sie‘s übersteht,
    Nutzt die Spielraumausdehnung zum Dino-Verbot …

    Jede blendende Idee besticht
    Der Stachel der Verblendung,
    Und jede Sensation macht dicht
    Just nach ihrer Vollendung.

    Doch hernach wird im Drumherum improvisiert,
    Man besänftigt das Ar vor dem Mut,
    Mixt sich Hoffnung an, obzwar man offenbar irrt.
    Vielleicht geht, vielleicht wird: alles gut.

    Alle Rechte bei Wolfgang Ramadan, der das Gedicht im Rahmen der Kubafestival-Spendenaktion von mir gekauft hat.


  • Mystique & das zweitausendsechzigste Gedicht

    Sonnenuntergang bei Varadero

    Kuba

    Es umströmt die Karies der Weltpolitik
    Die Strände der Insel, die Zuckerrohr scheißt.
    Noch strauchelt die Süße des Lächelns im Sieg,
    Wenn kurz vorm Gelächter die Wehmut es beißt.

    Noch schmeckt man auf Kuba das Salz jeder Träne –
    Doch alte Gewalt hat bald sehr schlechte Zähne.
    Wer im Leiden trainiert ist, den bringt nichts mehr um –
    Und der erntet aus Zuckerrohr goldenen Rum.

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Kubafestival-Spendenaktion von mir gekauft hat.


  • Marktkirchenpanorama & das zweitausendneunundfünfzigste Gedicht

    Blick auf Hannover City mit Marktkirche

    Niedersachsenvers

    Ich wollt‘, wir machten wieder Faxen!
    Warum seid ihr nie da, Sachsen?


  • Turiner Bergkulisse & das zweitausendvierunddreißigste Gedicht

    Blick vom Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen von Turin

    In Italien

    In Italien ist Stadt-zu-Sein spürbar viel größer
    Und der Boden aus feinerem Stein.
    Jahrhundertgesotten als Einflusseinflößer
    Entmüht sich das süßere Sein,
    Ist jed Geräsuch Teil einer Kleinmelodie –
    Und sinnenversonnen erlauschen wir sie.

    Die volle Gattung Mensch, sie schwelgt im Bann vergangner Zeit.
    Und der Stolz der Gehwegplatten türmt sich zu Erhabenheit.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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