Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Fraternidad (freie Übersetzung des Gedichts von Luz de Cuba)
Achtung, hier spricht die Poesie!
Achtung, hier spricht die Poesie!
Poetisieren Sie sich bitte,
Poetisieren Sie sich,
Dass die Verse rauschen wie Zugvögelschwingen,
Erhaben wie erhebend
Mit Schwung in das Himmelreich über den Dingen –
Wir überqueren schwebend
Die Weiten von Meeren und Ozeanen,
Weil Wasser uns nie trennt!
Wir müssen den Weg zueinander nicht bahnen –
Wir sind 1 Firmament.
Tik-tak schlägt die Stunde der Poesie
Tik-tak – die Minute aus Reim
Tik-tak – die Flamme der Melodie
Wir weben aus Farben ein Heim.
Im Eisstielwald der Kindergärten
Ist der letzte Busch Sehnsucht verbrannt.
Bis zum Punkt, da noch nächtens die Glutnester schwärten,
Hab ich Magnum Mandel erkannt.
„Magnum Mandel„, erkläre ich allen Erziehern,
„ist gelegentlich nur Theorie!
Manchmal gleitet die Eiswelt ins Tal wie auf Skiern,
Mal geschieht das nur selten bis nie.“
„Und was“, fragst du, „willst du mir damit denn sagen?“ –
Wechselst antwortenscheu gleich das Gleis.
„Ich war auch mal so wie die anderen Blagen
Und ich aß dabei sehr gerne Eis.“
Dies sind konservative Blumen!
Wer wär ich, wär ich ihrer Meinung?
Ich brüll in ihr Blühen ein eiliges Buh. Men-
tal wünsch ich ihre Versteinung!
Verneinung der Blüte!
– weil konversativ.
Crossover-Ripostegedicht zu Rilkes „Wenns Frühling wird“ und „Karneval“ von W. Busch.
Im Frühling, zu Karneval
Wenn sich die Narren und Vernarrten
Im Faschingsrausch zusammenschließen
Und frühe Paarungsträume sprießen,
Die Säfte in die Schäfte fließen,
Konfettis aus Kanonen schießen,
Will ich mein Innerstes begießen
im Biergarten.
Nun schunkeln sich die Unbepaarten
In unmaskiert beschwipste Tänzchen,
Umwedelt von betrunk’nen Schwänzchen,
Bedrängt das Schnaps-statt-Kaffeekränzchen
Kamelien- und Kamellepflänzchen.
Was blüht hier wem beim zarten Lenzchen
im Biergarten?
Wenn heimwärts wir durch Trübsinn waten,
Gestützt von andren Kotztümierten
Und Luftgeschlängelei-Verzierten,
Zähl’n wir, die so nach Frühling gierten,
Zu vorschnell in den Herbst Verirrten
Samt Hausverbot bei vielen Wirten
von Biergärten.
Von dem Punkt, ab dem man das Meer sehen kann,
Gilt für mich alles als Strand.
Und dass man auf sowas nie zählen kann, Mann –
Das hab ich auch schon erkannt!
Wo niemals Erfüllbares Horizont ist,
Mühst du’s vergebens zum Fakt.
Ich steh, derweil du noch Entfernungen misst,
Hier schwimmbereit, einsam und nackt.