Zittau
Auch Zeit wird’s, dass du Zausel liest,
Dass Zittau in der Lausitz ist,
Wohin du aus Prinzip nicht ziehst,
Weil du Wicht zu autistisch bist!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Zittau
Auch Zeit wird’s, dass du Zausel liest,
Dass Zittau in der Lausitz ist,
Wohin du aus Prinzip nicht ziehst,
Weil du Wicht zu autistisch bist!

Rüden haben kurze Beine
Zwischen Dobermännerbeinen,
Die ganz oben sich vereinen
In giganter Körpermasse,
Magst du zwar sehr klein erscheinen –
Wie von weit entfernter Rasse.
Doch du weißt ob deiner Klasse,
Fleckst umher mit Niedlichkeiten,
Die putzmunter unterschreiten
Limits, die ein Reißzahn setzt.
Grobe Dobermännlichkeiten
(Bild des Hundseins bis zuletzt) –
Nun ist’s Putzigkeit, die fetzt!
Alle Rechte bei Susanne Digel, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 gekauft hat.

AG Hochzeit, versilbert
Dem, der über den Rücken blickt,
Bedrückt oft, dass das Ührchen tickt –
Ihr deklamiert aus toller Brust:
„Das Wandeln ist des Knüllers Lust!“
Und steht Modell für’n Bronzeguss
Vom „Ende nicht in Sicht!“-Entschluss,
Pflegt silberne Haare für goldene Jahre –
Was euch eure Hochzeit als Bestzeit bewahre!
Denn Heirat und -tat heißt: Man entspannt sich
Und sagt Ja zum Jahr als das Paar Fünfundzwanzig!
Alle Rechte bei C. von Schelling, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 – eigentlich für den 8. Juni, pardon! – von mir für A & G gekauft hat.

Die Ansprache (Etappe 2: Unausgesprochenes)
Teil des Großgedichts „Hier ruht unsre viel zu früh von uns geschiedene Dorothee-Cosima“)
Ein Balsam von Wörtern ergießt sich in Worte
Und hinter uns schließt sich Elysiums Pforte.
Oh, könnte ich sie bloß versteh’n –
Oh, Cosima! Oh, Dorotheen!
Jedoch die Wucht der Sehnsucht raubt
Mir alle Sprache aus dem Haupt –
Und den Versuch, sich auszutauschen
Umwuchert rasch ein Sinnesrauschen.
Jener warme Wind Ihrer Wortproduktion
Ist All wie -gegenwärtig –
Er strahlt auf mich Vasallenlohn -,
Dies Adressat-Sein ehrt mich!
Doch nun, da Ihr mich angesprochen,
Hab‘ ich doch nicht grundlos hier Lunte gerochen?!
Schon kann mein Begehr’n alten Träumen nicht gleichen –
Vordem Unerreichbares will nicht mehr reichen!
Der Traum muss Exzess sein – er koste, was wolle!
Im steten Erheben beim Streben nach mehr
Entreißt’s alle Rösslein vom Zaum der Kontrolle –
Was stillt ihren Willen und wo nehm‘ ich’s her?!
Ermächtigt sich Unflat des weit’ren Betragens? –
Das ist im Behagen die Frage des Fragens!
Die Räudigkeit solcher Gedanken bereuend,
Doch weitere Hürden und Schranken nicht scheuend,
Kann ich nach Geneigtheit verheißenden Zeichen
Nicht unversuchend von Euch weichen!
Will nicht ein schaurig-schwüler Duft
Grad Eurem Kleid entsteigen?!
Ist’s nicht, dass süß das Schößlein ruft,
In Blöße sich zu zeigen?!
Vielleicht lenkt mich ein Missversteh’n –
Ganz sicher ist’s mir anzuseh’n,
Oh, Cosima! Oh, Dorotheen!
Der Bindestrich entwindet sich
Und nennt sich fortan Trennungsstrich.
Er bricht unser Gesprächlein ab,
Stößt jäh mich Elenden ins Grab!
Zwei edlen Namen galt mein Sehnen –
Und jeder wähnt mich abzulehnen!
So endet alles offenbar,
Oh, Dorothee! Oh, Cosima!
Ein Mehr an Verkehr werdet Ihr mir nicht schenken –
So bleibt nur, dies selbst mir zusammenzudenken!

Wie ihr mir, so er euch!
Beim Weg über Almen spazier ich auf Schotter,
Das Gelbe vom Ei ist für mich nur der Dotter,
Die anderen Schlangen bedienen sie flotter,
Der Gott meiner Feinde scheint stets etwas gotter –
Solch Beschwerdegestotter is not ohne Grund.
Rechtfertigung ist’s allemal
Für meine Haltung und Moral
Von einem vertrottelten Rottweilerhund!

Potsdam, zu Zeiten der Waffenruhe
Heut hab ich in Potsdam
Doch nur an den Kotzkram
Mit der Lach- & Schieß gedacht,
Lud in der Idylle
Die Wumme mit Gülle
Für eine nächste Zeter-Schlacht.
Vielleicht reicht diese Munition
Aus Potsdam, dass ich sehr bald schon
Mir denk im Scheine spät’rer Sonnen:
Hab den Tag einst verloren, doch dadurch gewonnen!

Coronation of Charles III
Coronation nach Corona,
Buckinghampalastbewohner,
Schickercharles heut chic in Schale,
Rant am Rand tauft man Randale.
Fahnenfans erahn’n Fanfaren,
Chartern schon die Charts der Scharen –
Alles will Begeisterung!
Alles sagt sich: „Na, so jung
Krönen wir nicht mehr zusammen!“
Gewöhnt man sich erst an die Schrammen,
Versiegen Insignien, einst geliebt,
Ins Resignieren: „Tja, dann gibt
Der Vater seinem erstbesten Sohne
Das Erbe bald halt ohne Krone!“
Und fast ohne Stolz in der Betonung, i say:
„The latest coronation-day
War vielleicht schon the last –
Und myself war dabei –
And i bought souvenirs of King Charles, Nummer Drei!“

Hol & Gib
Alkohol kappt alle nervenden Spitzen
Der aufgespritzten Nerven,
Entspannt das Gezerr an den waidwunden Zitzen,
Hilft cool beim Handtuchwerfen.
Und hitziges Geschwalle
Flacht sich allhinweg ins Dösen.
Und frech prahlt mein Gelalle:
Alkogib kann alles lösen!

Im Visier
An meiner Pläne Flipchart harrt
Das Tschechowsche Gewehr.
Verspür ich solch Gefährdungsgrad?
Ich würde sage: sehr.
Es flötet sein „Zu spät, zu spät!“
Mein Kuckuck gegens Ändern.
Und ich diktier, was er mir rät,
Noch nie gehörten Sendern.

Malecon
Malecon, du Hurensohn,
Säumst den Rand zum Meer,
Träumst von Assimilation
Der Wogenwucht mit Teer.
Zucht und Ordnung, Malecon,
Streifst du von der Klinge
Und zwei Welten hängen schon
Erschlafft in deiner Schlinge.
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