Melasse
Pesend durchs Spalier dichter Zuckerrohrfelder
Herrscht neben der Spur diese Ödnis der Gleichheit
Es nähern sich Ziele von bald auf ein Bälder
Man hofft, dass kein Blödian nach ’nem Vergleich schreit
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Melasse
Pesend durchs Spalier dichter Zuckerrohrfelder
Herrscht neben der Spur diese Ödnis der Gleichheit
Es nähern sich Ziele von bald auf ein Bälder
Man hofft, dass kein Blödian nach ’nem Vergleich schreit

Rückkehr auf die Insel
Nach einem sechzehnundeinviertel Jahr
Wach ich auf am Morgen
Werde, was dazwischen war
Wie ’nen Traum entsorgen

Die Symmetrischen
Die Doktrin der Symmetrie versagt
Uns zwein zueinander zu finden
Auch wenn wir beide unverzagt
An Geistesverwandtschaft uns binden
Doch wie sehr du mir gleichst
Bleibt’s ein Team ohne Zweck
Denn, wo du was erreichst
Schieße ich drüber weg

Kalter Frühling
Ob der letzten Ahnung von Farben
Habe ich dir alle Ganglien gebrochen
Wir schwebten mit Krähen oder Raben
Und alles hat durchgehend seltsam gerochen
So lebten wir unsere Winter im Mai
Dass ich’s war, der nicht so lang durchhielt – verzeih!
Die Kippe
Von der Wippe schnipple ich
Neugierig und kippelig
An dem Haar von neuen Wurzeln
Freu mich aufs Hinunterpurzeln!
Sprösslinge
Das unbedarfte Gras, es prahlt
Recht abenteuerlich
Ich ahn‘, wenn wer fürs Taxi zahlt
Bin’s nachher wieder ich
Doch bewarte ich weiters die Halme im Kommen
Ob der Chance einer Möglichkeit, die schon verschwommen
Am schalen Rand des Nahen nagt
Das macht ja keinen satt
Auch strahlt ein Glanz, der ungewagt
Im Abendlicht schon matt

Dem Abendroten
Ich steh
Am See
Dem abendroten
Und denke an die lieben Toten
An Minuten, verschwendet im Tran meiner Kindheit
Denn skandalös endlich und rar war’n und sind Zeit
Und Aufmerksamkeit, die im Damals geboten
Wär’n sie jetzt hier, am Abendroten
So berichtete ich den verschwundenen Leuten
Wie viel ihrer Wunden mir heute bedeuten
Dass manch ihrer Witze ich heut erst versteh
Und in dem Moment scheint es, als lächle der See
– Mehr Gedichte zum Alter, Sterben und Tod –

Ripostegedicht zu Friedrich Rückerts „Du bist die Ruh“ – ein formaler Zwilling.
Du bist die Uhr
Du bist die Uhr
Hältst niemals still
Die Sucht, die stur
Nach vorne will
Ich eil zu dir
Du bist zu schnell
Schon fern vom Hier
An andrer Stell‘
Stockt der Verkehr
So schiebst du an
Vom Hinterher
Kommt nichts voran
Treibst an den Schmerz
In deiner Brust
Spamst voll dein Herz
Bis dein Bewusst-
sein, angezählt
Ins Nichts gelangt
Von Zeit gepfählt
Der Hülle bangt

Unauslöschlich. Ein Frühlingsgedicht
Nun, natürlich hatte ich Frühling geordert
Doch irgendwie bin ich grad voll überfordert
Denn mit der Flut der Lebensjahre
Verstummt der Mut der Ausschussware
Und Jämmerliches klagt sich ein
Als Dauergast im Kämmerlein
Wie maßlos und wie ungestüm
Prasst nun manch Knospen-Ungetüm
Vorm abgeklung’nen Lebensschwung
Bin sehr, sehr lang schon nicht mehr jung
Ich neide ihm, wie viel an Kraft
Er aus dem Nichts beisammen schafft
Als wüchse jedes Jahr die Mast
Des Frühlings oder der Kontrast
Zu mir, in dem sich nichts mehr regt
Der sorgsam seinen Garten pflegt
Man muss für das Preisen vom heiligen Schein
Ja gar nicht selbst beteiligt sein
Und manche Pracht zeigt sich erst gerne
Aus unauslöschlich weiter Ferne
Der Sessel
Und all der Prägesamt ist nun abgesessen
Dieser Platz wird wohl nicht noch mal weitervererbt
Die Käufer des Sessels längst tot und vergessen
Flüstern: „Seid euch gewahr, dass auch ihr einmal sterbt!“
Wir sind zum Überschwang verdammt
Vergänglicher als Prägesamt
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