Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.

Oldschoolferien
Meine treu gehegte Neugier wühlt
Im schwer Bedeutungslosen.
Man klaubt, was sich nach nichts anfühlt,
Und schluckt’s in kleinen Dosen.
Was mir die Nachhut offeriert
Als Rausch an Angeboten,
Ist endlos lustlos limitiert –
Ein Jahresplan von Toten.

In Goethes Wohnhaus
Ich hab heut im Goetheschen Wohnhaus geschnüffelt,
Mich selbst ob der Gier meines Blickes gerüffelt,
Ob hier sich mir ein Trick verrät,
Erlöst von meiner Zwangsdiät,
Bringt mich in alten Schreibefluss,
Zeigt, wie ich Zeilen setzen muss …
Das fänd ich doch mal derbe cool!
Denk ich vor Goethes Sterbestuhl.
Von dem tönte einst hier das tradierte „Mehr Licht!“
Als trefflicher Anfang von einem Gedicht.
Doch der einzige Tipp, der sich mir hier verrät,
Ist: Zeile stets zeitig – schnell ist es zu spät!

Frühmorgens im Strandbad
Frühmorgens im Strandbad ist gar niemand da,
Für den man den Daseinstyp wechselt.
Man schwemmt sich ins allenfalls eigne Blabla,
Wo keiner mal ungehemmt sächselt.
Man ist ganz gewiss grad der Schönste im Hier,
Der sportlichste Schwimmer im Wasser.
Ich setze mir selber das Ziel und parier‘,
Doch werde mit jedem Gast blasser.
Später bin ich komplett in der Menge verschwunden
Und bemühe mich, richtig zu schwimmen.
Ein Akzent lenkt die Sonne von früheren Stunden,
Die nostalgisch im Seewasser glimmen.

Rastlos
Immer muss ich mein Heimatdorf hinter mir lassen.
Niemand stürmt auf das Gleis um zu winken.
Immer muss ich mich mit nächstem Nestbau befassen
Und mich einsam wie sinnlos betrinken.
Ich zähle tagtäglich die schwereren Fehler
(hab mich und mein Elend da niemals geschont),
Verkauf meinen Hausstand an erstbeste Hehler
Und jeder Ort sagt: Du hast nirgends gewohnt!

Überbewältigung
Nun, das hat die Zeit einfach verschwinden lassen
Unter den Mantel des Schweigens.
Den Eindruck könn’n Nachrücker nur noch verpassen
Im Kanon des neuen Vergeigens.
Doch wie vielem gebührt es, Vermisstes zu sein
Und was kürt man als Beifang nur mit?
Das Unwerte deiner Vergangenheit ist ein
Dich mit Gegenwart prügelnder Tritt.

Letzte Nachricht aus der Verbannung
Keine Nachrichten mehr aus der Verbannung
Und das Grübeln im Felde stirbt aus.
Für den Lohn einer falschen Entspannung
Loopt ums Weltbild ein scharfer Applaus.
Das entwaffnende Bild einer Klarheit
Übertönt, was per se überhört.
Darin tollt ein Versprechen von Wahrheit
Und tilgt aus, was man hierfür zerstört.

Wer?
Wann strandete ich vor solch steilen Klippen
Mit meinem als Schoner bezeichneten Boot,
Um jäh von der Kante zur Seite zu kippen?
Wann wand sich der Ausgleich vom pendelnden Lot?
Wann hat man klammheimlich die Lager geräumt,
Sich erlaubt zu vertau’n meine missliche Lage?
Wann hat man das Salz aus den Trümmern geschäumt?
Ist überhaupt „Wann?“ die mich kümmernde Frage?

Verloren
Ich würd‘ fortan lieber in Schönheit mich ausruh’n,
Mich fläzen im reibungslosedlen Daheim!
Und was ich noch täte – ich könnt’s im Zuhaus‘ tun
Und freut‘ mich gemütlich am formschönen Reim.
Ich ging‘ nie alleine und zeitig zu Bett,
Entnabelt auch vom Internet.
Ich hab‘ einen Platz für ein besseres Leben,
Doch platzier‘ meine Herzschläge immer daneben.

Theseus
Ich habe mein Schiff vor dem Sinken gerettet,
Habe Planke um Planke durch Frischholz ersetzt,
Die Durchlässigkeit mit Lasuren befettet
Und schwimme nun wie runderneuert im Jetzt.
So trägt mich noch immer die alte Gestalt,
Da ich selbstüberholt endlich seetüchtig bin.
Bis mein Kurs sich verflüchtigt im schwellenden Bald
Und kein Wort sich noch fügt auf die Frage „Wohin?“.
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