Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Aber sollte denn jetzt noch
Das erlernte Final doch
Auf irgendwann mal
Sich verschieben?
Grätscht nun Glück in die Quere,
Zerpflückt Flaute und Leere,
Die ich mich getraute
Zu lieben?
Aber sollte denn jetzt noch
Ich weiter mich winden,
Als würd‘ ich nicht längst in dem Loch
Mich befinden?
Kann an dessen Rändern
Sich doch was verändern?
Wir ruh’n wie tot – als zwei Kadaver,
Tief eingesunken im Papaver,
Des‘ strahlend roter Schirme Schatten
Uns höchstfragil Besuch abstatten –
Wie süß vermag ein Tod zu sein?
Schon ist in diesem Blütenmeer
Gar niemand seines Blutes Herr –
Uns winken schwarze Stempel.
Ein jeder scheint ein Kreuz zu sein, wir reden zehn Gebote klein
Ich möchte längst (und immerschon)
Zur Friedlichkeit gelangen.
Wird sie mich als verlor’nen Sohn
Samt Treueschwur empfangen?
Ich legte ihr die Flügel weit,
Höchst tiefgebeugt, zu Füßen
Und würd‘ von meiner Ruppigkeit
Sie demutartig grüßen.
Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt –
Der Frühling verspricht zu gern schiefen Triumph,
Wenn Welt sich aus Angst vor Veränderung einnässt
Und Regengefahr zwickt das Leben im Sumpf.
Es war Krieg, weil für Frieden der Anlauf zu kurz war
Und viel zu viel Sehnsucht im Sang der Soldaten –
Schon strich der Verdacht über manches Geburtsjahr,
Doch alles schrie: Davon war nichts zu erwarten!
Es war Krieg, weil dies Selfie im Album noch fehlte –
Uns drohte ein Untergang in Langeweile!
Manch Schweigen schon Feedbackkanäle entseelte –
Das Bröseln der Neuigkeit zwang uns zur Eile!
Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt –
Er bescheint unsre Hände als unschuldig rein.
Es war Krieg, dessen Schuldscheinbedruckung schnell einblässt –
Wenn Zeit die Geduld frisst, wird wieder Krieg sein.
Spät in der Nacht noch was zu schreiben,
Gibt diesem Tag die Chance zu bleiben.
Umklafft mich auch herzschwerstes Gähnen,
Schafft’s dieser Vers dich zu erwähnen,
Eh du mir sehr betrunken winkst
Und in der Dunkelheit versinkst.
Und Stille füllt den Raum mit Leere.
Von Worten zugemüllte Schwere
Will ich als schwebend mir bewahren
Zum Trost in spät’ren Lebensjahren –
Du wirst mit diesem Tag verweilen
In zwölf recht spät geschrieb’nen Zeilen.
Nun hat über Nacht sich die Sprache geändert
Und der Brief, den ich schrieb, schwatzt verwirrt.
Sein Sinn ist von toter Beschwingtheit gerändert
Und alles verstörungsumflirrt.
Heut spreche ich längst schon in gültigen Worten.
Eine App stellt die Orthographie.
Die Umrandung wähl ich aus fast zigtausend Sorten.
Es sind Schwung und Sinn glücklich wie nie.
Diese eine letzte Chance
Nehmen wir noch wahr.
Danach sind wir zu ausgebrannt,
Dem Grabesrand zu nah.
Doch lässt sich’s an der Endstation
Nicht auch recht prächtig feiern?
Selbst wenn wir viel zu häufig schon
Von Memoiren seiern.
Was unser Leben so verdarb,
War nur der Blick nach vorn,
Der so beharrlich um sich warb,
Dass wir das Jetzt verlor’n.
Wir ändern diese Welt nicht mehr,
Das lässt sich nicht verhehlen.
Wir zieh’n uns selbst aus dem Verkehr,
Hier könn’n wir gerne fehlen.
Doch diese eine letzte Chance,
Die nehmen wir noch wahr
Beim Volldabeisein trotz Distanz!
Es geht uns wunderbar.