Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Badeseeaussicht & das zweitausendvierhundertneunundachtzigste Gedicht

    Ausblick auf dem Weg zum Fohnsee

    Ultra Windfrisch

    Mein T-Shirt riecht, als hätte man’s
    Mit einem Hund gewaschen,
    Als trüg’s ’nen kotverschmierten Schwanz
    In unsichtbaren Taschen!

    Versprach denn nicht die Packung,
    Die den Weichspüler enthielt,
    ‚Ne windfrische Durchschmackung,
    Die jed‘ Wäschestück durchprilt?

    Es mag ja sein, aus einem Heim
    Für vollgeschiss’ne Hunde
    Weht solch ein kaltes Windchen beim
    Vollzug der Nachtwachrunde.

    Dann wäre das Versprechen „windfrisch“
    Nicht mal komplett gelogen.
    Und doch hat die Verpackung, find isch,
    Mein Käufer-Ich betrogen!


  • Ankerplatz & das zweitausendvierhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Ankerplatz am Büsumer Hafen

    Büsum ohne Maps

    Der Meerzugang gibt sich umfährend
    Und fernab blökt ein Kahn …
    Dich wünsche ich mir selbsterklärend,
    Denn ich hab keinen Plan.

    Doch mein Fremdeln mit den fremd’sten Städten
    Währt nur einen Fixpunktaugenblick.
    Hernach kann sich Übersicht in ihnen betten –
    Das passiert nach mir selbst nicht erschließbarem Trick.

    Dann schlägt sich in gewohnte Bahnen
    Meine verhilfloste Ziellosigkeit.
    Es ist ein zum Wissen geleitendes Ahnen –
    Kurz scannen, erkennen – schon is man soweit:
    Da Eiskrem, hier Fischbrötchen, dort geht’s zum Meer!

    Als kennte die Stadt man von irgendwoher.


  • Gleitfliegerschlaf & das zweitausendvierhunderteinundachtzigste Gedicht

    Fliegender Lemur (Galeopterus variegatus)

    Heimrück(en)kehrersorgen (Reprise zum Gedicht „Sarawak“)

    So war ich denn – nach dreißig Jahr’n –
    In Sabah und in Sarawak.
    Sollt‘ ich noch mal so fleißig spar’n,
    Kehr‘ ich zurück als Sabberwrack.
    Oder ist’s für mich als Menschgerät
    Nicht sehr viel früher schon zu spät?

    Ach, über den Plänen großer Reisen
    Wähn ich längst die Geier kreisen!
    Wie viele der säumig gebliebenen Fahrten
    Darf ich bei okayer Gesundheit erwarten?

    „Ausreichend genug“, möchte ich mir entgegnen,
    „Aber sei drauf gefasst, Kerl: Es könnte mal regnen …!
    Also, spar dir dein kack Hohes-Alter-Gelaber:
    Du warst jetzt in Sarawak, warst auch in Sabah
    Und die Hälfte der Welt würd ’nen Teil deiner Sorgen
    Sich gern mal drei Stunden als Zuversicht borgen!“


  • Proboscis monkey & das zweitausendvierhundertachtzigste Gedicht

    Nasenaffenmännchen am Ufer des Kinabatangan.

    Geburt eines Clowns (und Sympathieträgers)

    „So vielleicht?“, fragte scheu Gottes Designer
    Beim ersten Entwurf, der Zweifel voll.
    „So nasenreich ist dort im Tierreich noch keiner!“
    Und Gott brummte mürrisch: „Ich find’s nicht so toll …
    Aber nehmen wir. Und dann auch weg mit den Affen –
    Wir müssen ja noch die Insekten erschaffen!
    Zur Vermeidung von Spötterei machen wir’s so:
    Sein Verbreitungsgebiet bleibt auf Borneo
    Beschränkt, dass da kaum jemand denkt
    ‚Wer hat an das Tier diese Nase gehängt?‘
    Denn, um auch in düstere Zukunft zu schau’n,
    Irgendwann wird dieser Clown
    Als Naseweis schwindenden Regenwald nützen
    Und Schöpfungsbekrönte besinn’n, ihn zu schützen!“


  • Semenggoh & das zweitausendvierhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Orang Utans kreuzen den Besucherweg im Semenggoh Wildlife Centre

    Inpovisation

    Hab‘ mit Verrücktheit angespeckt
    Ein Handymitfilmsetting.
    Ein Displaymeer ward hochgereckt
    Auf Bildgewalt zwecks Petting.

    Ich saug‘ mich voller Gigabytes
    Mit extra-sten Vaganzen,
    Entfache machtvoll Posting-Reiz
    Im Social-Media-Ranzen.

    Und alles drückt den grünen Knopf
    Mit sieggewissem Wissen.
    Man spürt: Es schmoren Likes im Topf,
    Die Köpfchen voller Nissen.

    Ich provozier‘ für euch ein Hier –
    Ihr gebt mich mir zurück!

    Und dringlicher ich inponier‘
    Je tiefer ich mich bück‘.


  • Nachwuchs & das zweitausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

    Nasenaffenmutter mit Baby am Ufer des Kinabatangan.

    Unterholz

    Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
    Bette ich als Gestrüpplein mich ein.
    Ohne mich wär der Wald allzu leicht zu durchkämmen,
    Erst durch mich darf er Dschungelstück sein!

    Auf den Displays der Touris bin ich nie zu sehen,
    Denn ich tauge nicht für Sensationen.
    Um mich rum türmen sich Tagesgeschehen
    Und Fotomotive, die lohnen.

    Ich darf hier ganz ich sein, auf mich kommt’s nicht an –
    Alle Peinlichkeit sickert ins Off.
    Mich wird man nicht hängen, ich häng mich nicht rein,
    Ich hangle mich weiter und hoff‘ …

    Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
    Finde ich einen Platz, der mir passt.
    Ich kann meine Ziele noch weiter eindämmen –
    Aber niemals bin ich hier nur Gast!


  • Pantai Dalit Beach & das zweitausendvierhundertvierundfünfzigste Gedicht

    Der Strand Pantai Dalit vom Shangri La Hotel Rasa Ria

    Sandbürge

    Wie kann von Unaufhörlichkeit
    Entrartes Gut so wertvoll sein?
    Es wellt und schwappt die ganze Zeit,
    Doch dämmt’s seinen Effekt nie ein,
    Dass die knapp-über-Kniehöhe Meeresportion
    Nach kürzestem Anlauf berauschet mich schon,
    Dass der Wind, der mir andernorts Ärger bereitet,
    Hier frisch erfrischt in meine Riechlöcher gleitet.

    Wie fix ich dann befruchtet bin!
    Und wie ersoffen all das Stressen!
    So hoffnungsfroh pflügt mich ein Sinn
    Ins ewiggleiche Unermessen!

    Und der endlose Sand kitzelt durch meine Zehen –
    Schon ist es um mich durch ein Für mich geschehen.


  • Sungai Sarawak & das zweitausendvierhundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Der Fluss Sarawak bei der Stadt Kuching

    Normromantik

    Romantik nimmt Platz auf den günstigsten Plätzen
    Per „Man muss mich mögen, so stumpf, wie ich bin!“
    Mit Ansprucherheben wird man sie vergrätzen –
    Sie gibt sich den gängigsten Strickmustern hin:

    Rosen, Sonnenuntergänge,
    Dösende Pianoklänge,
    Weinglas-Paar (besonders teuer),
    Schummrig Light und Lagerfeuer,
    Venedig- und Paris-Ausflüge,
    Komplimente bis zur Lüge,
    Schnell zufrieden, voll empathisch,
    Niedrigschwellig, demokratisch.

    Romantik ist – einfach – für alle – zu haben –
    Die unprätentiöse der wertvollen Gaben.


  • Oct 20, 1973 & das zweitausendvierhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Wahrzeichen der "Town of peace" Sri Aman, vormals Simanggang, in Erinnerung an die  "Deklarasi Sri Aman", die hier am 20. Oktober 1973 unterzeichnet wurde.

    Sri Aman

    Chinesische Shophouses säumen die Straßen
    Und alles geleitet zum breitbraunen Fluss.
    Ein Blechkrokodil mahnt uns (die’s lange vergaßen):
    Dem Dschungel dient jedes Motiv als Genuss.

    Das Ur- unsrer Wälder gilt scherbenbesiegt –
    Doch die Fallzahlen prahlen mit Splittern.
    Die Spatzen bezetern, dass niemand mehr fliegt
    Im Geblitze von leeren Gewittern.

    Zwischen Rückzug und Aufbruch wird so viel gedeutet
    Und im Fort lauern greise Kanonen.
    Vielleicht wird noch manches Mal Manches erbeutet,
    Doch die Stadt, sie beschränkt sich aufs Wohnen.

    Und der Rauch der verlegenen Streetmarket-Stände –
    Er verfliegt ohne weitere Noten.

    Doch der Strom, er verbirgt noch zu schreibende Bände –
    Darum bleibt weiters Vorsicht geboten!


  • Borneo & das zweitausendvierhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Hafen am Batang Ai Stausee

    Sarawak

    Vor Jahren ward es fester Plan,
    Ist dann Prospekt geblieben.
    War damals direkt angetan,
    Doch ließ mich stets verschieben.

    Ich vagabundierte durchs Vorzügegeben:
    Mal nach dort, mal sofort, mal geplant und mal eben.

    Den Prospekt letztes Jahr dann ad acta gelegt
    Ins Archiv des Recycling-Containers –
    Nach dreißig Jahr‘n immer noch sehr gut gepflegt
    (Ich hab mir gedacht, ich erwähn das)!

    Was hat mich damals fasziniert,
    Wie weiß ich, was noch stimmt?
    Manchs Traum Buffet an Wert verliert,
    Sobald man davon nimmt …!

    Doch ich ließ, prospektlos aufgebrochen,
    Mein dreißig Jahr jüngeres Herz wieder pochen
    Und erkenne: Was einst meine Neugier gerührt –
    Es versteht sie noch immer zu stillen.
    Ein sehr langer Weg hat mich hierhin geführt
    Aus tief eingefrorenen Willen.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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