Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Servicepunkt & das eintausendsiebenhunderteinundfünfzigste Gedicht

    An der Allianz-Arena in Frötmanning

    Die Gilde der Ugandischen Märtyrer

    All das Sterben ist ne Strafe Gottes
    Und Aids die Klinge des Schafottes,
    Aber wir als belesene Messe-Kadetten
    Werd’n eure besessenen Seelen erretten!
    Ab ins Virengeseuch diabolischer Mächte
    Führt uns unser Kreuzzug und Gott, der Gerechte!

    Ferne Dörfer soll’n nun in Kaskaden
    Von Weihwasser und Gospel baden!
    Es ist Aids das Werk kannibalistischer Hexen –
    Die müssen den Trog der Verantwortung exen,
    Bis aus höhnenden Körpern die Stigmata schäumen,
    Wenn gottlose Bestien das Feld dröhnend räumen!

    Unser Kruzifix sagt: Die führ’n Gutes im Schilde.

    Ihre ugandische Märtyrergilde


  • Kanzel & das eintausendsiebenhundertachtundvierzigste Gedicht

    Außenfassade der Allianz-Arena in der Abendsonne

    Hexenjagd

    Da kreucht es flink im Hexennest –
    Ein sattes Glied entsetzt!
    Der Inquisitor bebt und bellt,
    Das Schlüpferchen benetzt,
    Wenn Phantasie mit kühnstem Strich
    Verpeinlicht das Befragen,
    Dass schlimmster Ahn bestätigt sich –
    Kaum lässt es sich ertragen! –
    Doch da wir schon so tief gebohrt:
    Wie deep drang JENER ein?
    Enthemmt ergießt sich Wort auf Wort,
    Erlöst von all der Pein.

    Ein Stigma ist ein hohler Schlund,
    Den Eifernde verfüllen.
    Es braucht dazu nicht viel an Grund,
    Nur unbeürrten Wüllen!


  • Willkommen & das eintausendsiebenhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Auf der Roter Bichl Runde in Unterammergau

    Du in den Tugenbergen

    In der Fremde XL seinen Namen zu finden –
    Das musst du als Eindringling erst einmal schaffen!
    Es gilt, sowohl Stolz wie auch Spott zu verwinden –
    Schließlich nannte man dich einen Affen!
    Um zu zeigen: Da ist jemand rabiat anders –
    Doch wenn er sich etwas enthaart, na, dann kann das
    Noch was werden mit der hässlichen Rand-Existenz –
    Dem Legenden entwendenden Kinderschreck
    Mit der Adern entblößenden Hauttransparenz –
    Der durch Fettnäpfchen zappende Hektik-Geck!

    Du pauktest beharrlich die Sprache und Sitten –
    Trotz Gelächter vorm Schlupfloch zur Integration,
    Hast dir als Chronist schließlich Geltung erstritten –
    Etwas Geld nachgeschoben, doch war’s dir zum Lohn:

    So gelang unsern Affen nach den Müh’n des Beharrens
    Der Aufstieg zum Ding, mit dem Status des Narrens!


  • Vogelsang & das eintausendsiebenhunderteinunddreißigste Gedicht

    Bild 2

    Schnitter’s Finest – this all makes Sense

    Haushaltsunfall ist ein Wort –
    Strotzend vor Ergiebigkeit,
    Abschussorgien, Massenmord –
    Effektiv beim Faktor Zeit,

    Gegenknall und Aufprallschäden,
    Kopfstoßwucht und Klippenstürze
    Reißen an den seidnen Fäden,
    Spritzen auf die Schlachterschürze.

    Sport spornt an zu viel zu wagen,
    Sich Verschätzen – reicher Quell,
    Ziel Verfehlen – grad beim Jagen,
    Stromschlag, Sturzflug, Kampfduell –

    Der Tod ist wie eine Schachtel Pralinen:
    Du fürchtest den Fehlgriff – doch alles schmeckt gleich.
    Greifst du zu einer der Grellen von ihnen,
    Wird man vor Schrecken fast ebenso bleich.


  • Pinakotheken & das eintausendsiebenhundertfünfzehnte Gedicht

    Corona-Weggeführung in der Pinakothek der Moderne

    Liegenschaft

    Lieber Liegefahrradfahrer,
    Ich als Kommentar-mir-Sparer
    Staune doch, wie unverdrossen
    Du dein Liegefahrrad fährst
    (völlig ratschlagsresistent)
    Und dich klingelnd (permanent)
    Gegen deine Restwelt wehrst.

    Aus gern überseh‘nem Tal
    Zetert deine Unterzahl
    „Hallo, Vorfahrt?!“ unverzagt,
    Jäh umrahmt wie überragt
    Von jenen Verkehrsgenossen,
    Die sich auf dich eingeschossen,
    Um vereint sich zu empören.

    Dich allein scheint‘s nicht zu stören –
    Du drehst weiter flach die Runden,
    Forderst deine Rechte ein,
    Rohrspatzmäßig, unumwunden –
    Vorsatz: Mich kriegt keiner klein!
    Wer sich legt mit Liegern an,
    Kriegt‘s zu tun mit Kriegern, Mann!

    Mancher Zwist bremst viel zu schlicht sich –
    Diesbezüglich liegst du richtig!


  • Mittenwaldente & das eintausendsiebenhundertzehnte Gedicht

    Ente bei der Leutascher Ache in Mittenwald

    Die goldenen Horden der Positivität

    Der freie Spaß: Verrohung,
    Der Trieb per se Bedrohung,
    Das Dunkel ist auch ohne Schaden
    Per purem Dasein schuldbeladen.

    Besessen vom Verbessern
    Bestückt ihr euch mit Messern,
    Die Säbel durchweg krumm gebogen,
    Hat sich manch These dumm gelogen.

    Der Missmut schon gesteinigt,
    Der Wankelmut gepeinigt,
    Schwermut von Freudenstrom diszipliniert.
    So seid ihr ins sündige Rom einspaziert.

    Doch letztlich ermorden
    Die goldenen Horden
    Jed Ort, noch bevor sie ihn sehen,

    Weil sie seinen Wert nicht verstehen.


  • Stadtmuseum & das eintausendsiebenhundertsechste Gedicht

    Ausstellung Welt im Umbruch im Stadtmuseum München

    Umbruchnaht

    Oh Kraftwerk, oh Schalttafel, oh Apparat!
    In euch dampft der Mythos vom Neuaufbruch,
    Der Schneisen von frischer Erkenntnis und Tat.
    Gebräuchlicher Fortschritt schien nicht nur ein Spruch,
    Sondern ein vernehmbarer Einspruch zu sein –
    Doch hielt man dies bald durch Vernehmungen klein.

    Der Euphor ob berauschender Dienstbarkeit
    Von Kraftwerk, von Schalttafel und Apparat
    Las sich als Vertrag einer harmfreien Zeit.
    Doch unter dem Hoffnungsflor gärte die Saat
    Von Gartenerträgen der Mähdrescherei,
    Der Umbruch versiegte in mehr Tyrannei.

    In das Jahrhundern der Hoffnungsmaschinen
    Entfaltet sich wieder der Glaube daran,
    Möglichkeit könne der Möglichkeit dienen
    Für das mähliche Nähern vom Irgendwann.
    Doch Tastflächendruckkraft verschließt nicht die Naht
    Zum Kraftwerk, zur Schalttafel, zum Apparat.


  • Finanzgarten & das eintausendsiebenhundertvierte Gedicht

    Konfuzius Statue im Finanzgarten

    Stille Verlautbarung

    So viel Leute, wenig Plätze …
    Mitten in der Meute ätze
    Ich: „Is‘ klar – die Deutsche Bahn!“
    Geistentleert im Größenwahn.
    „Boah, ich krieg‘ hier noch die Krätze!“,
    Deklamiere ich und hetze:
    „Könn’n wir jetzt mal weiterfahr’n –
    Oder was is‘ hier der Plan?“

    Doch:

    Nicht ein Ton beseelt die Sätze,
    Einzig Mimik taugt als Petze.
    Das mag ich der Welt erspar’n –
    Zu erfahr’n, dass ich’s nicht schätze:
    Viele Leute, wenig Plätze.


  • Gipfelfoto & das eintausendsechshundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Blick auf das Gipfelkreuz vom Grasleitenstein bei Lenggries

    Zeitungsjunge

    Ach, immer bin ich Typenbild
    Und wär so gern Portrait,
    Dem Achtung als Beachtung gilt
    Auch ohne Assemblee!

    Ein Große-Gruppe-Linienstrich
    Vereinnahmt mein Gesicht,
    Entschuppt so rigoros mein Ich
    Zum namenlosen Wicht.

    Ich steh hier für den Rest Modell,
    Ich werd für ihn platziert,
    Bin überindividuell,
    Vom Abbild ausradiert.

    So werde ich dann dargestellt,
    Wie ich mich gar nicht seh,
    Als ein Charakter jener Welt,
    Doch niemals als Portrait!


  • Walchenseerunde & das eintausendsechshunderteinundneunzigste Gedicht

    Blick vom Jochberg auf den Walchensee

    Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

    Die vom Reize Gelockten

    Am frühsten Morgen steht da schon
    Ein kahlgefressner Tag,
    So fahl wie gleißend monoton,
    Verlockend wie ein Sarg.

    Da jemand den Mangel als Chance offeriert,
    Weil jetzt vom Banalen Belang emergiert.

    „Ich geh dann mal zum Edeka“,
    Seufzt Intermezzi-Not,
    Gibt sich dem Strom hin, Boreout-nah,
    Zermürbt vom Leerlauf-Lot.

    Man klagt, dass das träge Versacken erschöpft,
    Von Bunkerappell-Serien hoffnungsgeschröpft.

    Der Rückzugsräume öde Muff
    Schürt stetig Appetit,
    Sind selbst schon nur noch Fraß und Suff,
    Ein schrumpfendes Gebiet.

    Erklärte wer, jetzt sei der Angriff vorbei,
    Wär’n wir längst verzehrt von der Einsiedelei.


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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