Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Seeon Ort & das eintausendachthundertfünfundvierzigste Gedicht

    Blick auf Seeon von der Klosterinsel

    Halsbandpekaris am Mittelpunkt der Welt

    Aschenputtel, Trottellummen,
    Kriminelles Himmelzelt,
    Wo die Ghettogangsterwummen
    Spielen Mittelpunkt der Welt.
    Und urplötzlich mischen sich Halsbandpekaris
    Aus nicht hinterlegten Befugnissen ein.
    Ich sehe – just zweifelnd, ob’s Trug oder wahr is -:
    Ein Halsbandpekari. Dann wird’s wohl so sein.
    Es folgt eine Rotte der Nochmaligkeit
    Und spottet zuvorigen Themen,
    Will all der bislang hier durchwanderten Zeit
    Die Unhinterfragbarkeit nehmen.
    Schon scheint der Mittelpunkt durchwellt
    Von Büttenreden, Bisonbrummen,
    Von Götterdotter eingepellt:
    Aschenputtel, Trottellummen.


  • Isarhochwasser & das eintausendachthundertfünfunddreißigste Gedicht

    Isarhochwasser

    Badenbaden!

    Die Fingerkuppen durchfurchende, dellige Rillen
    Mahnten an, weiter in Wellen zu chillen,
    Sei langsam nicht mehr angesagt.

    Mal langsam!, hab ich mir gedacht.

    Gebührt es der in Akademikerkrei-
    Sen durchweg verfemten Handwahrleserei
    Mein Baden als bad zu beschimpfen,
    Verunfairzuglimpfen?
    Die Finger zu rümpfen
    Ob planschender Nymphen?

    Ich verbat meinem Aber, derart gläubisch zu sein,
    Und bestimmte im Brustton des Brustschwimmers: Nein,
    Mich kümmert nicht der Spitzen Rat!

    Und fortgesetzt hab ich mein Bad.


  • St. Georg & das eintausendachthundertvierzehnte Gedicht

    Vor der Kirche St. Georg in Freising

    Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.

    Schnitzelbrötchenverleih

    Der Bote vom Ortsschnitzelbrötchenverleih
    Grüßgottelt: „Ich hätt‘ was für Klötgen dabei!“
    „Prächtig – ich öffne, die sechste Etage!“,
    Lächelt’s von mir durch die Türsprechanlage.
    Doch die Anlieferung ist nicht möglich für ihn
    Vorm unlängst verbindlichen Abholtermin. –
    Sechs Etagen ohne Fahrstuhl sind für alle Pagen uncool.

    Doch der kurze Besitz
    Von Brötchen samt Schnitz-
    El krönt dieses Tags, meines Lebens Begehren –
    Alles war auf dem Weg,
    Fehlt auch jeder Beleg. –
    Ohnehin ging’s mir nie um das Wirklichverzehren.

    Nur die Illusion, dass ich befugt dazu sei,
    Verleiht mir der Brötchen-um-Schnitzel-Verleih:
    Bezahlbar sich etwas nicht-einzuverleiben –
    Und dabei nicht mal Vegetarier zu bleiben.


  • Bahnhofstaube & das eintausendachthundertsiebte Gedicht

    Am Essener Hauptbahnhof

    Rätsel der Wunde

    Ich werd das Rätsel dieser Wunde
    Wohl doch nicht mehr enthüllen,
    Exakt aus diesem Grunde
    Einen Pflasterstein zerknüllen,
    Um erste Brände zu verkleben.

    Ich grüß auf halbem Weg das Leben
    In bald erlernten Sprachen
    Und wate durch die Lachen.

    Ich schmeiße nach der Grundsteinlegung
    Dann doch wohl keine Runde,
    Ertrage ohne Regung
    Die Verpflegung meiner Wunde –
    Sie mag sich noch entzünden.

    Ich werd’s nicht mehr ergründen,
    Doch lernte zu entscheiden,
    Nicht mehr daran zu leiden.


  • Nachbarbaum & das eintausendachthundertfünfte Gedicht

    Blick vom Balkon meines Elternhauses in Essen Überruhr

    Bei Abreise

    Vielleicht doch noch ein weiteres Souvenir?
    Beratschlagen Urlaubsvoyeure.
    Schon purzelt der Farbüberschuss aus dem Hier
    In die Trauer, dass man ihn verlöre.

    Was dennoch unvermeidbar ist,
    Denn baldigst sinkt man, endlos trist,

    In charmefreie Temperaturen.

    Verlor’n der Geschmack aller Spezialität,
    Verwischt des Aromenrauschs Spuren,
    Da Alltag so siegesgewiss nach uns späht
    Im Diktat ewig endloser Suren.

    So kappt eine Wiedererblindung
    Den Widerstand neuer Verbindung.


  • Künstlerhaus München & das eintausendachthundertdritte Gedicht

    Bühne und Saal des Künstlerhauses München

    Sehschwäche

    Täglich öffnete ich meine Augen
    Als Chance, das Leben zu seh’n,
    Die Sachverhaltflut aufzusaugen,
    Um nie wieder misszuversteh’n.
    Mir schien keine Sättigung möglich zu sein
    Und was mir begegnete, maß ich mir ein.
    Erst später entdeckte ich Streit.

    Heute kürze ich mir die Rationen
    Und wünsche, dass Skepsis mich führt,
    Betrete vertretbare Zonen,
    So wie’s meiner Reife gebührt.
    Und jedesmal zieht es die Stirne mir kraus,
    Verlasse ich ohne mein Wohnrecht das Haus.
    Kein Tag geht vorbei ohne Neid.


  • Im Tretboot & das eintausendsiebenhundertachtundneunzigste Gedicht

    Mit dem Tretboot von Übersee zur Fraueninsel (hin & zurück, mit drei Schwimmstopps 2,5 h)

    Zufallsfund

    Und wieder lag da
    Etwas Sprache
    Des Morgens neben dem Bett.

    Entnabelte Vokabeln
    Schabt ich ab
    Und ließ adrett

    Sie ein wie Magma
    In die Brache
    Immer noch stilfreier Form.

    Solch Fundglück aufzugabeln
    Turnt mich an:
    Ein Kabinett-

    Stück (so fängt all das an!),
    Im Entstehen schon stieß ich es ab –

    Was der Zufall mir gab,
    Zog ich kurz an mich ran.

    Doch ich freute mich enorm.


  • Bad Heilbrunn & das eintausendsiebenhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Im Erlebniskräutergarten von Bad Heilbrunn

    Antwortgedicht zu „Das Butterbrotpapier“ von Christian Morgenstern

    Das Butterbrotpapier, recycelt

    Es bezog ein Butterbrotpapier
    Aus purer Futternot Quartier
    In eines Vogels Schnabel
    (dem Vorläufer der Gabel).

    Doch der Butterbrotpapierverzehr
    Bekam besagtem Specht schlecht:
    Er kotzte sich den Magen leer,
    Weil man, wenn sich was rächt, blecht.

    So entwischt von all der Därme Gräuel
    Switchte das gewärmte Knäuel
    Von leiblicher Verdauung
    Auf geistige Erbauung.

    Es leistet nen Eid auf die neue Mission,
    In die es nun sein Geist weist –
    Und etwas Eile braucht’s da schon,
    Denn ein Verstand verwaist meist.

    Und gegen ne kleine Verbreitungsgebühr
    Verkauft es sich fortan als Zeitungspapier,
    Ist – so hört’s auch der Christian gern –
    Heute Spiegel, morgenStern.


  • Westpark & das eintausendsiebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Pagode im Westpark München

    Die Geschichte der Ethnographie in a Nutshell

    Ich komme im Auftrag des Deutungsregimes
    Und stelle hier mal meinen Fuß in die Tür,
    Mim‘ gerne den Boss eines folgsamen Teams,
    Das ich durch die Rätsel der Abstimmung führ.
    Ich bin topobjektivwissenschaftlichneutral –
    Dies auch anzuerkennen, besteht keine Wahl.

    Und doch verzeichne ich seit Tagen
    Ein reziprokes Korrektiv –
    Dass mich solch Feedbacks hinterfragen,
    Zwingt prompt zum „Vielleicht liegst du schief?“.
    Hindert Fremdes in Etabliertes zu lenken,
    Zwingt Nicht-Eingeordnetes anders zu denken.

    Diese Demut des Schülers schult jetzt mein Gehör,
    Bis der fremde Blick mir plötzlich zeigt, wo ich stör‘,
    Weil nichts unberührt blieb vom eigenen Schatten,
    Seitdem wir dem Globus Besuche abstatten.
    Unsre Spuren sind nicht unverwoben geblieben
    Und längstens wird zurückgeschrieben..

    Was man mir jetzt entgegnet,
    Wie man mich tituliert,
    Und nicht alles absegnet,
    Wenn man kollaboriert –
    Lässt auch für mich sich als Erkenntnis verbuchen:
    Dem Alleingang folgt nun Dialoguntersuchen.


  • Unterschiede & das eintausendsiebenhundertvierundfünfzigste Gedicht

    U-Bahnhof Fröttmaning bei Sonnenuntergang

    Die Mombasa Likoni Ferry Straßenfotographie

    Der Ethno- wie der Fotograph
    Wollen fremdes Selbstbild portraitieren –
    Der eine bedient einen Forschungsbedarf,
    Der Zweite beginnt zu verzieren:
    Plastikblumen wie Girlanden,
    Sofas voll von Stofftierbanden,
    Schrillidyllmärchenschlossparkhintergründe,
    Auf dass all dies nahenden Reichtum verkünde,
    Wenn wir überbelichtet im Wunschbild ertrinken,
    Zum Golfstaatenluxus der Bollywoodschinken.

    In dir regt sich ein Widerspruch?
    Das liegt an deinem Stallgeruch:
    Für dich muss die Kunst mit Erwartungen brechen –
    Hier strahlt sie als nie sich erfülln’des Versprechen!


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