Der Müde
Mein drittes Ripostegedicht auf „Die Made“
Tief in eines Traumes Sünde
Schlief der Müde schön ’ne Stünde …
Ja, endlich ist’s gemütlich leise,
Denn der Müde ist jetzt Waise.
Sieh, die Eltern, die er hatte,
Hieb sein Unmut auf die Matte!
Eines Abends sah’n die Alten
(kurz vorm stumpfen Schädelspalten):
„Drüben gibt es Alkohol – den wir hol’n, is eh gestohl’n –
Zum Umtrunk auf des Bubens Wohl!
Müde erinnert das Bübchen sich wieder
Vom Bier geölt, grölt ruckzuck Lieder
Sein genetisches Erzeugerpaar.
Helene-Fischer-Repertoire
Bracht schlaflos ihn durch manche Nacht –
Drum gab’s Schlag Acht ’ne Schlagerschlacht!
Und mit wütend rüder Attitüde
Sucht der Müde nach ’nem Prügel …
Gut gefüllte Biertrunkkrüge
Stünd’n als Fundus zu Genüge
Zur Verfügung
Und mit Doom-Schwung
Wummst der Bub mit Krug-Hub munter
Rundum dumpf auf Stürnen ein –
Kühn und ungezügelt brüllend
Ungestüm den Blutdurst stüllend
Rumms und Bumms ins Hürn hinein!
Fürchterlich suppt’s auf die Stühle
Künftig grüßt hier Corpus-Kühle,
Schlusspunkt unter Pulsdruck-Schwund,
Zuckt’s noch buttrig ungesund
Kurzum: Im Wundenwunderland
Ist Umzug in die Gruft geplant.
Vaters Mund, zertrümmert, brüllt nich,
Blutgelumpes Pfütze füllt sich,
Mutters Pumpendurchfluss nullt sich –
Urteilsspruch ohn‘ Ulk und Huld: Ich
Find den Bub zu ungeduldig. Schuldig.
Mum und Daddy soll man ehren –
Oder gegen sie sich wehren!
So sie nachtschlafraubend singen,
Muss man sie zum Schweigen bringen.
Wie’s hier geschah, dünkt hart, klar, bloß:
Ihr Lieblingssong war Atemlos.

