Skeptiker’s Diary
Weil ich Dinge nicht will, die wohl möglich sein könnten,
Steh ich mancher Bewegung im Weg.
Doch im Sumpf triumpht das, was wir anderen gönnten,
Als still uns erwartender Steg.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Skeptiker’s Diary
Weil ich Dinge nicht will, die wohl möglich sein könnten,
Steh ich mancher Bewegung im Weg.
Doch im Sumpf triumpht das, was wir anderen gönnten,
Als still uns erwartender Steg.

Der Blick auf die Monatsbestenliste
Der Sommer im Juni ist luftig und frisch
Wie’n neubezog’nes Bett,
Vom Licht gespreizt legt er sich auf meinen Tisch
Und macht es sich dort nett.
Er lässt als Sonnenstrandersatz
Vom Wannenrand sich fallen,
Ist trotz des Wonnemonats Mai
Der wonnigste von allen.
Und all das jüngst begrüßte Sprießen –
Es grünt sich nachgewürzt ins Schießen!
Den Docht der Natur entfacht Juni/(Strich)Juno
Als unangefochtene Numero Uno.

Wie ihr mir, so er euch!
Beim Weg über Almen spazier ich auf Schotter,
Das Gelbe vom Ei ist für mich nur der Dotter,
Die anderen Schlangen bedienen sie flotter,
Der Gott meiner Feinde scheint stets etwas gotter –
Solch Beschwerdegestotter is not ohne Grund.
Rechtfertigung ist’s allemal
Für meine Haltung und Moral
Von einem vertrottelten Rottweilerhund!

Pizza Endstazione
In das Neubaugebiet einer besseren Welt
Hab ich für heut Abend ’ne Pizza bestellt –
Belegt mit Unbelegbarem zwar …
Doch allein die Umgebung – mir schmeckt’s wunderbar!

Im Eingangsbereich der Endlichkeit
‚Na, einer wie ich‘, dacht‘ ich, ’stirbt hier doch nicht!‘
Bis die Welt heimlich flüsterte: „Doch!“
Ein Weilchen folgt freilich Gedicht auf Gedicht –
Doch irgendbald plumpst du ins Loch!

Gewusst wo
Such‘ ich ’nen Reim auf Menschen,
Besuch‘ ich heimlich Ranchen.

Retro
Die Sitzecke hat ausgedient,
Die Polster fast zerschlissen,
Die Schrankwand hält den Raum vermint,
Im Sofa schlummern Kissen.
Der Mensch, der für ihr Muster sich
Einst generös entschieden,
Sieht nun mit Stolz, dass nichts verblich,
Nur nicht mehr von hienieden.
Es schlummern hinterm Einbauschrank
Der Ersttapete Reste.
Auch hier schwor man auf sich’re Bank –
Zum Einzug nur das Beste!
„Modern trotz Minimaletat“
Ätzt’s jetzt aus Hausverwaltern.
Der letzte Klecks von „wie’s mal war“
Darf hier in Ruhe altern.

Sonne, unverhofft
Nach all den Regenfällen
Mag der Himmel sich gern klären.
Ach, wenn die raren hellen
Stell’n nicht gar so ferne wären!
Der Teer der Spärlichkeit verziert
Die Gründe, schon zu hoffen.
Bis alles wie von selbst passiert.
Die Münder stehen offen.

Gedanken beim Hotelfrühstück
Ist ein dreckiger Tisch nur ein Muster der Dinge,
Die ich früher verachtete, maßlos, als hinge
Ich einzig daran, dass hier Maßstäbe gelten
Als ewig in stetig sich wandelnden Welten?
Denn randlos gespannt überwachen die Weiten
Des spannungsarm Wahren die Unmöglichkeiten.
Schon erspäh ich ein von mir Behasstes,
Nie vorbehaltlos Angefasstes,
Im Schoße recht geschätzter Leute –
Was, auch wenn ich mir’s schadlos deute,
Mir meines Urteils Schärfe nimmt,
Wie aufgelöst im Unbestimmt.
Ein Kosmos fremder Sympathien
Bewegt sich ins Entfalten.
Oft straft die Zeit als unverzieh’n,
Am Alten festzuhalten.

Potsdam, zu Zeiten der Waffenruhe
Heut hab ich in Potsdam
Doch nur an den Kotzkram
Mit der Lach- & Schieß gedacht,
Lud in der Idylle
Die Wumme mit Gülle
Für eine nächste Zeter-Schlacht.
Vielleicht reicht diese Munition
Aus Potsdam, dass ich sehr bald schon
Mir denk im Scheine spät’rer Sonnen:
Hab den Tag einst verloren, doch dadurch gewonnen!
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