Der Charly (Das Lotterleben nach der Revolution)
Die Könige sind alle längst pensioniert
Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Der Charly (Das Lotterleben nach der Revolution)
Die Könige sind alle längst pensioniert
Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt

Nich‘ mein Bier
Ach, ‚Se hätten gern ’nen Tee?
Jetten’Se gen Tegernsee!

Der Langmütige und der Scheißtag
Dieser Tag verhält sich übel
Und leert seine Abfallkübel
Über deinem Langmut aus
Ihm gefällt es, dich zu schwächen
Deine Stelzen zu zerbrechen
Mit der Ahnung eines GAUs
Trotzdem denkst du unverwandt
Alles läg in deiner Hand
Du verdammst nicht mal ’nen Tag
Wie ihn wirklich niemand mag

Dem Abendroten
Ich steh
Am See
Dem abendroten
Und denke an die lieben Toten
An Minuten, verschwendet im Tran meiner Kindheit
Denn skandalös endlich und rar war’n und sind Zeit
Und Aufmerksamkeit, die im Damals geboten
Wär’n sie jetzt hier, am Abendroten
So berichtete ich den verschwundenen Leuten
Wie viel ihrer Wunden mir heute bedeuten
Dass manch ihrer Witze ich heut erst versteh
Und in dem Moment scheint es, als lächle der See
– Mehr Gedichte zum Alter, Sterben und Tod –

Maß und Zügel
„Zügellos!“, log’s im Berichte,
„Zog der Zögling an der Zichte.“
Derweil fuhr’n vom Bahnhof bloß
Fahrplanmäßig Züge los

Ripostegedicht zu Friedrich Rückerts „Du bist die Ruh“ – ein formaler Zwilling.
Du bist die Uhr
Du bist die Uhr
Hältst niemals still
Die Sucht, die stur
Nach vorne will
Ich eil zu dir
Du bist zu schnell
Schon fern vom Hier
An andrer Stell‘
Stockt der Verkehr
So schiebst du an
Vom Hinterher
Kommt nichts voran
Treibst an den Schmerz
In deiner Brust
Spamst voll dein Herz
Bis dein Bewusst-
sein, angezählt
Ins Nichts gelangt
Von Zeit gepfählt
Der Hülle bangt

Unauslöschlich. Ein Frühlingsgedicht
Nun, natürlich hatte ich Frühling geordert
Doch irgendwie bin ich grad voll überfordert
Denn mit der Flut der Lebensjahre
Verstummt der Mut der Ausschussware
Und Jämmerliches klagt sich ein
Als Dauergast im Kämmerlein
Wie maßlos und wie ungestüm
Prasst nun manch Knospen-Ungetüm
Vorm abgeklung’nen Lebensschwung
Bin sehr, sehr lang schon nicht mehr jung
Ich neide ihm, wie viel an Kraft
Er aus dem Nichts beisammen schafft
Als wüchse jedes Jahr die Mast
Des Frühlings oder der Kontrast
Zu mir, in dem sich nichts mehr regt
Der sorgsam seinen Garten pflegt
Man muss für das Preisen vom heiligen Schein
Ja gar nicht selbst beteiligt sein
Und manche Pracht zeigt sich erst gerne
Aus unauslöschlich weiter Ferne
Der Sessel
Und all der Prägesamt ist nun abgesessen
Dieser Platz wird wohl nicht noch mal weitervererbt
Die Käufer des Sessels längst tot und vergessen
Flüstern: „Seid euch gewahr, dass auch ihr einmal sterbt!“
Wir sind zum Überschwang verdammt
Vergänglicher als Prägesamt

Westend Girl
Du integrierst dir das Viertel als sei es ein Ganzes
Sagst: „Fehl’n dir die Worte zum Glück, ey, dann tanz es!“
Neckst die, die sich niemals dem Hier stellen mussten
Und erlöst altes Denken aus lokalen Krusten
Du erinnerst dein Kopftuch, doch machst auch FKK
Nennst das bislang Servierte zu schal und zu starr
Du gönnst dir ein „Sehr gut“ im schlechten Betragen
Und reizt deine Schwestern, die nicht genug wagen
Veralberst ihr Klammern an Uralt-Verboten
Und kriegst doch zum Ende die besseren Noten
Du musst dir damit nicht mal selbst was beweisen
Und burschikos signalisierst du den Greisen
Und Würde-trag’nden geistig Alten:
„So, Schnuffis, jetz ma Fresse halten!“
Weil Tradition und Religion
Wir instinktiv zu oft verschon’n
Aber du bist ein Profi im Hürden-Passieren
Kannst lässig die lästige Würde verlieren
Wo immer du stehst, geht es nur noch um dich
Und dein Bruderherz lobt: „Die hört eh nicht auf mich!“
Du bist die wahre Westend-Queen
Mit den Füßen in München, im Kopf in Berlin
Du pegelst das Viertel, lachst, wie simpel das ist:
„Das Herz zu den Herzen – und der Mist auf den Mist!“

Die erste Version von „Slammed!“ ist vollendet – passenderweise zur Leipziger Buchmesse. Und ein Verlagsvertrag unterschrieben …
Stammwürze
Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
An schwierigen Tagen geht a Liebstöckel auch
Doch Majoran und Koriander
Bringen’s zu sehr durcheinander
Das brauch ich gar nicht zu entdecken
Hat auch der fremder Länder Brut Flut
‚Ne Freud dran, hin und her zu schmecken –
Ich weiß, was meinem Magen gut tut
Und das Normale schmeckt nur fad
Weil es in einer Ordnung harrt
Ein Teller ist halt kein Bazar
Wenn’s euch gefällt – na, wunderbar!
Ich muss nichts Unbekanntes kauen
Vom Tellerrand nach sonstwo schauen
Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
Und an schwierigen Tagen tut’s a Liebstöckel auch
Vom Würzen wird der Mensch nicht satt
Grad, wenn es keine Ordnung hat
Und Majoran und Koriander
Die machen schwirr und durcheinander
Was soll man da jetzt übertreiben?
Was richtig war, darf’s doch auch bleiben
Integrieren ist löblich, nur nicht gleich ins Essen
Wir haben hier so was auch sonst nicht gegessen!
Mag sein, dort locken arabische Schätze
Und da asiatischer Kräuterfuror
Erspart mir die Mätzchen osmanischer Meze
Ich muss auch nicht essen wie irgendein Mohr
Ein Teller ist halt kein Bazar
Mir rücken die Würzstreuer einfach zu nah!
Schon droh’n sie: Wir kämen schon auf den Geschmack
Und treten das Glück unsrer Ordnung zu Scherben
Bald führt uns kein Weg mehr zurück und dann, zack:
Wird die letzte Kartoffel an Rosmarin sterben!
Ich pflanz‘ auf ihr Grab Petersilie und Lauch
In solch schwerer Zeit ginge Liebstöckel auch
Und andres Gewürz kommt mir nicht in den Bauch!
So will es die Ordnung, so will es der Brauch …
– Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
– Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:
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SLAMMED! – das Buch – zum Sonderpreis!
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