Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Schloss Charlottenburg & das fünfhundertachtundvierzigste Gedicht

    Schloss Charlottenburg

    Der Charly (Das Lotterleben nach der Revolution)

    Die Könige sind alle längst pensioniert
    Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
    In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
    Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt


  • Tegernsee revisited & das fünfhundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Tegernsee

    Nich‘ mein Bier

    Ach, ‚Se hätten gern ’nen Tee?
    Jetten’Se gen Tegernsee!


  • Langmut & das fünfhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Bild 23

    Der Langmütige und der Scheißtag

    Dieser Tag verhält sich übel
    Und leert seine Abfallkübel
    Über deinem Langmut aus

    Ihm gefällt es, dich zu schwächen
    Deine Stelzen zu zerbrechen
    Mit der Ahnung eines GAUs

    Trotzdem denkst du unverwandt
    Alles läg in deiner Hand

    Du verdammst nicht mal ’nen Tag
    Wie ihn wirklich niemand mag


  • Wörthsee & das fünfhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Wörthsee

    Dem Abendroten

    Ich steh
    Am See
    Dem abendroten
    Und denke an die lieben Toten
    An Minuten, verschwendet im Tran meiner Kindheit

    Denn skandalös endlich und rar war’n und sind Zeit
    Und Aufmerksamkeit, die im Damals geboten

    Wär’n sie jetzt hier, am Abendroten
    So berichtete ich den verschwundenen Leuten
    Wie viel ihrer Wunden mir heute bedeuten
    Dass manch ihrer Witze ich heut erst versteh

    Und in dem Moment scheint es, als lächle der See

    Mehr Gedichte zum Alter, Sterben und Tod


  • Kassenhalle & das fünfhundertvierundvierzigste Gedicht

    Rathausgalerie in der ehemaligen Kassenhalle des neugotischen Münchner Rathauses

    Maß und Zügel

    „Zügellos!“, log’s im Berichte,
    „Zog der Zögling an der Zichte.“
    Derweil fuhr’n vom Bahnhof bloß
    Fahrplanmäßig Züge los


  • Rückert & das fünfhundertdreiundvierzigste Gedicht

    Wörthsee Erholungsgelände Oberndorf

    Ripostegedicht zu Friedrich Rückerts „Du bist die Ruh“ – ein formaler Zwilling.

    Du bist die Uhr

    Du bist die Uhr
    Hältst niemals still
    Die Sucht, die stur
    Nach vorne will

    Ich eil zu dir
    Du bist zu schnell
    Schon fern vom Hier
    An andrer Stell‘

    Stockt der Verkehr
    So schiebst du an
    Vom Hinterher
    Kommt nichts voran

    Treibst an den Schmerz
    In deiner Brust
    Spamst voll dein Herz
    Bis dein Bewusst-

    sein, angezählt
    Ins Nichts gelangt
    Von Zeit gepfählt
    Der Hülle bangt


  • Blüte & das fünfhundertzweiundvierzigste Gedicht

    In voller Blüte

    Unauslöschlich. Ein Frühlingsgedicht

    Nun, natürlich hatte ich Frühling geordert
    Doch irgendwie bin ich grad voll überfordert
    Denn mit der Flut der Lebensjahre
    Verstummt der Mut der Ausschussware
    Und Jämmerliches klagt sich ein
    Als Dauergast im Kämmerlein

    Wie maßlos und wie ungestüm
    Prasst nun manch Knospen-Ungetüm
    Vorm abgeklung’nen Lebensschwung
    Bin sehr, sehr lang schon nicht mehr jung

    Ich neide ihm, wie viel an Kraft
    Er aus dem Nichts beisammen schafft
    Als wüchse jedes Jahr die Mast
    Des Frühlings oder der Kontrast
    Zu mir, in dem sich nichts mehr regt
    Der sorgsam seinen Garten pflegt

    Man muss für das Preisen vom heiligen Schein
    Ja gar nicht selbst beteiligt sein
    Und manche Pracht zeigt sich erst gerne
    Aus unauslöschlich weiter Ferne


  • Prägendes & das fünfhunderteinundvierzigste Gedicht

    Balkonbegrünung März

    Der Sessel

    Und all der Prägesamt ist nun abgesessen
    Dieser Platz wird wohl nicht noch mal weitervererbt
    Die Käufer des Sessels längst tot und vergessen
    Flüstern: „Seid euch gewahr, dass auch ihr einmal sterbt!“

    Wir sind zum Überschwang verdammt
    Vergänglicher als Prägesamt


  • Eigengewächse & das fünfhundertvierzigste Gedicht

    Alter Nordfriedhof im Frühling

    Westend Girl

    Du integrierst dir das Viertel als sei es ein Ganzes
    Sagst: „Fehl’n dir die Worte zum Glück, ey, dann tanz es!“
    Neckst die, die sich niemals dem Hier stellen mussten
    Und erlöst altes Denken aus lokalen Krusten
    Du erinnerst dein Kopftuch, doch machst auch FKK
    Nennst das bislang Servierte zu schal und zu starr
    Du gönnst dir ein „Sehr gut“ im schlechten Betragen
    Und reizt deine Schwestern, die nicht genug wagen
    Veralberst ihr Klammern an Uralt-Verboten
    Und kriegst doch zum Ende die besseren Noten
    Du musst dir damit nicht mal selbst was beweisen
    Und burschikos signalisierst du den Greisen
    Und Würde-trag’nden geistig Alten:
    „So, Schnuffis, jetz ma Fresse halten!“
    Weil Tradition und Religion
    Wir instinktiv zu oft verschon’n
    Aber du bist ein Profi im Hürden-Passieren
    Kannst lässig die lästige Würde verlieren
    Wo immer du stehst, geht es nur noch um dich
    Und dein Bruderherz lobt: „Die hört eh nicht auf mich!“
    Du bist die wahre Westend-Queen
    Mit den Füßen in München, im Kopf in Berlin
    Du pegelst das Viertel, lachst, wie simpel das ist:
    „Das Herz zu den Herzen – und der Mist auf den Mist!“


  • Buchmesse 2017 & das fünfhundertneununddreißigste Gedicht

    Buchmesse Leipzig 2017

    Die erste Version von „Slammed!“ ist vollendet – passenderweise zur Leipziger Buchmesse. Und ein Verlagsvertrag unterschrieben …

    Stammwürze

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    An schwierigen Tagen geht a Liebstöckel auch
    Doch Majoran und Koriander
    Bringen’s zu sehr durcheinander
    Das brauch ich gar nicht zu entdecken
    Hat auch der fremder Länder Brut Flut
    ‚Ne Freud dran, hin und her zu schmecken –
    Ich weiß, was meinem Magen gut tut
    Und das Normale schmeckt nur fad
    Weil es in einer Ordnung harrt
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Wenn’s euch gefällt – na, wunderbar!
    Ich muss nichts Unbekanntes kauen
    Vom Tellerrand nach sonstwo schauen

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    Und an schwierigen Tagen tut’s a Liebstöckel auch
    Vom Würzen wird der Mensch nicht satt
    Grad, wenn es keine Ordnung hat
    Und Majoran und Koriander
    Die machen schwirr und durcheinander
    Was soll man da jetzt übertreiben?
    Was richtig war, darf’s doch auch bleiben
    Integrieren ist löblich, nur nicht gleich ins Essen
    Wir haben hier so was auch sonst nicht gegessen!

    Mag sein, dort locken arabische Schätze
    Und da asiatischer Kräuterfuror
    Erspart mir die Mätzchen osmanischer Meze
    Ich muss auch nicht essen wie irgendein Mohr
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Mir rücken die Würzstreuer einfach zu nah!
    Schon droh’n sie: Wir kämen schon auf den Geschmack
    Und treten das Glück unsrer Ordnung zu Scherben
    Bald führt uns kein Weg mehr zurück und dann, zack:
    Wird die letzte Kartoffel an Rosmarin sterben!

    Ich pflanz‘ auf ihr Grab Petersilie und Lauch
    In solch schwerer Zeit ginge Liebstöckel auch
    Und andres Gewürz kommt mir nicht in den Bauch!

    So will es die Ordnung, so will es der Brauch …


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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