Wir wollen in Würde den Bruderhahn schreddern
Als Prälaten pragmatischer Liebe,
Uns nicht mehr in frommen Gedanken verheddern,
Als wenn uns ein Schuldasyl bliebe!
Wir haben der Duldsamkeit Segen erklärt –
Und stell’n ihn aus Coolness in Frage.
Wenn Unredlichkeit uns bald nicht mehr ernährt,
Verbessert das nicht unsre Lage!
Ich hab heut im Goetheschen Wohnhaus geschnüffelt,
Mich selbst ob der Gier meines Blickes gerüffelt,
Ob hier sich mir ein Trick verrät,
Erlöst von meiner Zwangsdiät,
Bringt mich in alten Schreibefluss,
Zeigt, wie ich Zeilen setzen muss …
Das fänd ich doch mal derbe cool!
Denk ich vor Goethes Sterbestuhl.
Von dem tönte einst hier das tradierte „Mehr Licht!“
Als trefflicher Anfang von einem Gedicht.
Doch der einzige Tipp, der sich mir hier verrät,
Ist: Zeile stets zeitig – schnell ist es zu spät!
Wenn die Moral-Ischen ihren Moralischen kriegen,
Geh in Deckung und sieh heut von solchiger ab!
Lass dort, wo es lässlich ist, andere siegen,
Lob die Welt, dass es nie eine feinere gab!
Und geht’s dir auch allzusehr gegen den Strich –
Nimm’s weniger schwer, Mann, und ändere dich!
Dröhnt in dir die Ahnung, das sei nicht gerecht –
Bleib Fan all der Blüten vom schönen Geschlecht!
Frühmorgens im Strandbad ist gar niemand da,
Für den man den Daseinstyp wechselt.
Man schwemmt sich ins allenfalls eigne Blabla,
Wo keiner mal ungehemmt sächselt.
Man ist ganz gewiss grad der Schönste im Hier,
Der sportlichste Schwimmer im Wasser.
Ich setze mir selber das Ziel und parier‘,
Doch werde mit jedem Gast blasser.
Später bin ich komplett in der Menge verschwunden
Und bemühe mich, richtig zu schwimmen.
Ein Akzent lenkt die Sonne von früheren Stunden,
Die nostalgisch im Seewasser glimmen.
Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein …
Abschiedsgedicht für Felix Lobrecht
Lob bekommen, Recht behalten,
Gucci-Kollektion verwalten –
Was Lateinisch felix heißt,
Ahnt jetzt auch wer, dem sich sonst gar nix enthüllt.
Egal, wie low der Brecht nun scheißt:
Bildungsauftrag ist erfüllt!
Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein …
Abschiedsgedicht für Till Reiners
Till ist im Grunde kein richtiger Name –
Nur ’ne Silbe, die lieblos in Pässe geschissen.
Doch wenn im halb gefillten Darme
Dich drillt einer MILFs Fist,
Du stillschweigend Dill frisst,
’ne Pill‘ keine Hilf‘ ist,
Ein Will‘ Einweg-Mill ist –
Was gäb‘ man nicht her für ein Reiners Gewissen!?
Immer muss ich mein Heimatdorf hinter mir lassen.
Niemand stürmt auf das Gleis um zu winken.
Immer muss ich mich mit nächstem Nestbau befassen
Und mich einsam wie sinnlos betrinken.
Ich zähle tagtäglich die schwereren Fehler
(hab mich und mein Elend da niemals geschont),
Verkauf meinen Hausstand an erstbeste Hehler
Und jeder Ort sagt: Du hast nirgends gewohnt!