Letzte Ölung
Der Waldrand an Städten
Verlautbart mit Kühle:
„Wenn die mich nicht hätten
Sie stürben an …!“
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte vom Wandeln in Natur und Wald sowie Gedichte, in denen andere Pflanzen die Hauptrolle spielen.

Letzte Ölung
Der Waldrand an Städten
Verlautbart mit Kühle:
„Wenn die mich nicht hätten
Sie stürben an …!“

Melasse
Pesend durchs Spalier dichter Zuckerrohrfelder
Herrscht neben der Spur diese Ödnis der Gleichheit
Es nähern sich Ziele von bald auf ein Bälder
Man hofft, dass kein Blödian nach ’nem Vergleich schreit

Null Balken Ewigkeit
Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal
Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
Den Wellen zu lauschen
Dem schäumenden Rauschen
Im Off von den Strömen der Daten umflossen

Zurück am Entstehungsort meines Gedichts „Hinten im Korn“ – elf Jahre später.
Die Saat
Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
Nun kehr‘ ich zu den Ähren zurück
Manch Saatgut hat sich ohne Frage bewährt
Doch da scheint mir noch Spielraum zum Glück
Das Kornfeld ward unlängst ein Teil vom Ressort
Dass kein Schwede hier weilt, ist ein Fakt ohne Ziel
Die Mähdrescherkunst brachte manches hervor
Ich vermiss‘ nicht mal selbst mehr den fehlenden Stil
Bevor wir uns willig im Reststroh verlieren
Aus reiner Folklore die Blickwinkel wenden
Ruft der Ort: „Alles fertig zum Umorientieren!“
Um all das Gemähe nun auch zu beenden
Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
Doch nun ist die Saat wirklich restlos verzehrt

Drei Nächte (The Open-Minded)
Ich bewohne ’ne
Heliconie
Im Blätterspross links, Level acht
Auch rechts schräg daneben
Gibt’s irgendein Leben
Ich habe da einmal drei Nächte verbracht

Ausgerechnet Bananen!
Ausgerechnet Bananen
Unter blauen Planen
Bilden eine Republik
Die dann mit sich selbst im Krieg
Schon wird chemisch abgekeult
Luftangriffe scharf geflogen
Bis das Land komplett verbeult –
Was hat wen dazu bewogen?
Es gibt sie, diese schlimmen Finger
Die sich versteh’n auf krumme Dinger
Auf fremder Länder Böden steh’n –
Wenn die veröden, weitergeh’n …
Doch das Gedächtnis wird nicht kleiner!
Ausgerechnet hat das keiner

Von Diven und Dienern
Beim Anblick der Pracht in botanischen Gärten
Mag sich wohl bei manchem der Eindruck erhärten
Der Natur Gestaltungskraft
Sei doch eher stümperhaft
Denn erst durch der Menschenhand fördernde Güte
Gelangt so ein Pflanzbestand wirklich zur Blüte
Mit dem, was wir da kultivieren
Darf sich dann die Natur verzieren
Die selbst ja nur das Wuchern kennt
Nicht zwischen Wuchs und Unwuchs trennt
Es könnt‘ ihre Schönheit doch gar nicht besteh’n
Würd‘ sie nicht auf unsere Baumschulen geh’n

Immergrünus tropicans
Nimmersatte Pflanzen quengeln:
„Regen! Regen!“ und „Mehr Licht!“
Drum sagt Petrus seinen Engeln:
„Morgen wieder Extraschicht!“
Es gibt in den Tropen stets doppelt viel Wetter
Es ist auch der Regen hier irgendwie netter

Die Sommersimulation Münchens läuft weiter! Trotzdem beiße ich mich an den Herbstgedichten fest.
Herbstgedicht für seltsame Kinder
Kastanien, Kastanien
Kastraten und Knast-Arien
Arkadiens krasse Nagetiere
Und Katasteramtspapiere
Karstig knacken die Cassetten
Gleich Kastiliens Kastagnetten:
„Was haste getan, Ian!?“
Überall Kastanien!

Indian Summer
In Erinn’rung an die Sonne
Wechseln Blätter ihre Farbe
Dass man all der Wärme Töne
Besser im Gedächtnis habe
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