Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Geld, Arbeit, Karriere

Gedichte zu den Themen Geld, Karriere, Reichtum – und die liebe Arbeit.


  • Brotbrunnen & das eintausendsechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Brotbrunnen in der Füssener Altstadt

    Corona-Umschulung

    Ich würde mich gern durch Prozessakten quälen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich könnte von Stadtteilentwicklung erzählen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich soll eine Lockdown-Lektüre empfehlen?
    Na ja, es lässt sich nicht verhehlen:
    In der letzten Zeit hab ich nicht sehr viel gelesen,
    Bin vorrangig küchenbeschäftigt gewesen.
    Den Termin für die Knie-OP hab’n Sie notiert?
    Ab September hätt‘ ich an der Burg inszeniert
    Und die Models vorm Gang auf den Laufsteg frisiert,
    Mit der UNO an Brennpunkten interveniert
    Und brilliert vor schier berstenden Opernhaussälen.
    Mit was? Vielleicht Kartoffelschälen.


  • Bernriedview & das eintausendsechshundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Blick von Bernried gen Neusee

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Glückspilz

    Ich fürchte schon, anderen Unglück zu bringen –
    Verbrauch ich doch selbst zu viel Glück.
    Ich scheine den Most aus dem Osten zu wringen,
    Wenn ich mich gen Westen nur bück.
    Ich sah ja die Besten der Nachbarn verderben –
    Zuhauf konnte ich ihre Hoffnungen erben.

    Und Stück für Stück drücken sich meine Lamellen
    Ins Glück all der Doppelhaushälftenparzellen.

    Ich werde mich flechtenhaft weiter verbreiten,
    Bis dass die Böden ausgelaugt.
    Auch fortan wird mich Miss Fortuna begleiten,
    Von meinem Myzel angesaugt.
    Ist erst der ermüdende Süden verlassen,
    Zieh ich aus dem Norden mir Orden in Massen.

    Ein Stückchen vom Glück willst auch du erfleh’n? Wehe,
    Es ist dies Pilz‘ Sporenflor in deiner Nähe!


  • Moorwegdeko & das eintausendsechshundertvierunddreißigste Gedicht

    Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Heinzelmännchen

    Wie war zu Köln es doch vordem
    Mit Heinzelmännchen so bequem!
    Doch ohne wusst‘ man fast nicht weiter –
    Da holte man den Gastarbeiter!


  • Zweigleisig & das eintausendsechshundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

    Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn’s Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

    Der Hochzeitsfotograf

    Sein schwarzer Quader ist Pilgerstätte
    Der schönsten Tage des Lebens.
    Frömmelnd strömen sie selig ihm zu, so als hätte
    Die Akklamation des Entschwebens
    In seinem Fokus ihren Platz.
    „Du schaust bezaubernd aus, mein Schatz!“

    Das schönste Paar der Welt zu erschaffen
    Bei gegebener Kalamität?!
    Sind Belichtung und Photoshop hinreichend Waffen?
    Hält der Schutzmantel der Pietät,
    Um für Jahrzehnte zu verklär’n?
    „Ich konnt‘ mich damals gar nicht wehr’n!“

    Eisern hält der Dompteur aller Blenden
    Die Kaaba zum Abschuss bereit,
    Um der Euphorie Glanz als Motiv zu vollenden.
    „Du hattest ein so schönes Kleid!“
    So schreitet stracks ins Immerdar,
    Was einen Tag lang Wahrheit war.

    Und was
    Beseelt solchen Zeugen von nur Schönsten Tagen?
    Nun, das muss man ihn bei Gelegenheit fragen …


  • Vom Traum, alles & das eintausendsechshundertvierzehnte Gedicht

    Die Skulptur "Vom Traum, alles hinter sich zu lassen" von Andreas Kuhnlein  in der St. Josephskirche in der Maxvorstadt

    Erfolg

    Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
    Man ist an dir vorüber gehypt
    Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
    Die unüberwindbar verbleibt.

    Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
    Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
    Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
    Sitzt da und toleriert.


  • 1972 & das eintausendsechshundertzehnte Gedicht

    Olympia Regattanturm bei Feldmoching/Oberschleißheim

    Eigen Heime

    Am Stadtrand formiert sich das Kleine Glück,
    Erschwing- wird zur Gemütlichkeit.
    Der Stillosmix probiert ein Stück,
    Das nicht nach Rezensionen schreit.

    Die City rümpft pikiert die Nase
    Und wiegt sich in der Meinungsblase.

    Eh man ins Drive-Now-Auto steigt,
    Die Händchen „Schön war’s, danke!“ fächeln,
    Noch bis zum Ring die Fassung schweigt,
    Erlöst vom süffisanten Lächeln.


  • Regattaanlage & das eintausendsechshundertneunte Gedicht

    Olympia Regattanlage bei Feldmoching

    Das Scheit

    … ist erkennbar nur Teil,
    Aber dennoch massiv,
    War mal Pascha in einem Verband,
    Dankt die Trennung dem Beil,
    Floh dem Co-Daseinsmief –
    Umso rascher wird es nun verbrannt.


  • Kultiviertes Wohnen & das eintausendfünfhundertachtundsechzigste Gedicht

    Seiteneingang zur Borstei München

    Der Wohltäter (aus „Aufgestaut“)

    Ich ermittle, vermittle citynahe Objekte
    Für ein altengerechtes Wohnen –
    Sprich: Ich platziere Noch-nicht-von-der-Erde-Bedeckte
    In unsere Fußgängerzonen.
    Denn denen ist die Ebenerdigkeit
    Wie ein Beet im Garten Eden!
    Denen blüht die Zweite-Frühlingszeit
    In unrentablen Läden,
    Deren „Sorry, wir schließen!“-Schild wir gern verschmerzen
    Für barrierefrei-glückliche Best-Ager-Herzen!

    Doch noch stellt sich gegen den Einzug der Alten:
    Die sinnlose Masse der Kleinkrämerläden!
    Wo jeder sich fragt: „Wie könn’n die sich da halten!?“ –
    Die macht Tradition egoistisch und zäh, denn
    Ej, was legitimiert hier bei strenger Betrachtung
    Die Meisterhandwürste aus eigener Schlachtung?!
    „Da werde ich immer mit Namen begrüßt!“ –
    Und mit Charme wird die arg kleine Auswahl versüßt.
    Nur: Der Shop um die Ecke ersetzt dort kein Bett –
    Und wozu gibt’s eig’ntlich das Internet?!
    So sperrt sich stur der Einzelhandel
    Gegen der Gemeinschaft Wandel!

    Doch nie sammeln sich Wartende vor einem Laden –
    Nur vorm Postamt, die Online-Retouren-Nomaden,
    Die reihen sich täglich, Paket an Paket,
    Als sichtbarer Trend, der auch künftig besteht!
    Mir als Kaufmann gebührt es nicht, das zu verdammen –
    Ich zähle da nur eins und eins mir zusammen
    Und gelange recht schnell an die erste Million!
    (Wohl zum ersten Mal, dass diese Läden sich loh’n.)
    Statt Buchhändler, Feinkost- und Weinmost-Anbieter
    Verdien’n unsre Straßen solventere Mieter!

    Noch räkeln sich dort Bussi-Bussi-Boutiquen,
    Doch muss man nicht erst deren Kontostand leaken,
    Um als Fazit zu ziehen: Das geht sich nicht aus!
    Wenn ein Gläubiger anklopft, muss eh alles raus!
    Denen hängt schon die Schuldenlast modrig im Nacken –
    Von mir kommt das Angebot, schneller zu packen!

    Ich mein’, es gibt Dinge, die ich für gemein halt‘ und schlecht –
    Doch dies ist nur ungemein altengerecht!?


  • Wauwaubau & das eintausendfünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Bunte Hundekottüten gesehen in Essen-Überruhr

    Die Steiger und das Steigern

    Ich weigere mich couragiert!
    Wenn jeder Bürger Steiger wird
    Rückt bald der Ruf, den dies einst hatte
    Auf Stufe »Mir doch superlatte!«
    Scheint auch ein Steig zuweilen klein
    Du steigerst dich da in was rein!
    Denn hat es je wen int’ressiert
    Ob der Herr Ober Oberst wird?
    Der Maier wär’ maist lieber Mai
    Der Bayer beißt sich mit good bye
    Die Praia preist den Hermann Prey
    Der Geier Geist bleibt gerne gay
    Oh nein, das Heil vom Trottoir
    Liegt sicher nicht im Kompara-
    Tiv, da liegste schief, mein Jung’!
    Das kommt von der Versteigerung
    Und zeigt, wie weit man abgeirrt
    Wenn jeder Bürger Steiger wird!


  • Neustadt Arena & das eintausendfünfhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Tribüne am Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt in Neustadt (Dosse)

    Der Profiteur

    Ich schmeiß ’ne Fete
    Mit der Knete
    Fetter Konjunkturpakete!
    Knete meine Händ‘ und bete,
    Dass sie reicht für eene zweete!


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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