Das Gipfelkreuz
Was ich von oben sehe
Bekomme ich im Tal
Egal, wie ich es drehe
Nie steh ich optimal
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Naturgedichte, die zwischen Berg und Tal spielen.

Das Gipfelkreuz
Was ich von oben sehe
Bekomme ich im Tal
Egal, wie ich es drehe
Nie steh ich optimal

Wasserfall-Memento
Der Farn klatscht flatternd die Nässe ab
Und glänzt in getropften Juwelen
Das Pausenlose braust hinab
Sein Raunen begrenzt unsre Seelen
Die sich in vermeintlicher Frische baden
Wie der Farn in der Gischt seiner Nachbarkaskaden
Die über das Jahr schmal, mal mächtiger werden
Doch niemals wie wir nur zu Gästen auf Erden

Mildernde Umstände
Unsre Wut gerinnt an Flüssen
Und schwärmt, wie gut wir’s trafen
Da jene fließen müssen
Da wir schon lange schlafen

Menschen am Fluss
Und alle haben hier ein Boot
Zumindest im Gedanken
Poetisch preist der Entenkot
Die Ahnen, die ertranken
Und immer fährt wer weit hinaus
Um irgend Glück zu finden
Und lässt zurück ein leeres Haus
Um das die Wellen winden
Das Beobachten ist uns als Wesenszug eigen
Wir verfolgen die Pegel bei Regenguss
Halten Ausschau danach, welche Schiffe sich zeigen
Nur so bleibt man einer der Menschen am Fluss

Naturreligion
Blind im Nebel, kalt und nass
Irr ich zum Irazu-Krater
Spüre: Ich seh trotzdem was!
Da wurd‘ ich glatt gläubig, Pater …

The World according to Garland & Mey
Somewhere over the Rainbow und über den Wolken
Ist die Freiheit sich nicht einmal ihrer bewusst
Ganz unbeschwert wird sie hier täglich gemolken
Jemand schrieb auf den Schemel – ironisch -: „Du musst!“

Daheim auf Besuch
Heißt der alte Fluss dich noch immer willkommen?
Strahlt die Sonne nach hierhin doch stärker vertraut?
Wieviel deines Muts hat die Zeit dir genommen?
Was ist als Erinnerung sicher verstaut?
Welcher Urinstinkt hat sich im Fels eingenistet
Und verharrt widersagend dem Erdkugeldreh’n?
Welche Comeback-Optionen sind zeitlich befristet?
Welche Änderung meuchelt das Wiederversteh’n?
Du stellst zweihundert Fragen – und der Fluss hört nicht zu
Denn wie tief du hier eintauchst, weißt ausschließlich du
– Mehr Gedichte zu Heimat, Zuhause und Wohnung –

Weltnaturerbe Tsingys. Scharf und hoch.
Son of the Earth
Wir wandern durchs Korallenriff
Als eines Seesterns letzte Erben
So ließ uns jetzt der Plattenschliff
Nur einen finst’ren Berg aus Scherben

Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina.
Im Fluss
Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss
Nur ich stecke mit Hochgenuss
Nach Fahrrinnenslalom und Stromschnellentest
Auf einer der stoischsten Sandbänke fest
Es frug mich manch See- oder sehender Mann
Ob er mir nicht irgendwie raushelfen kann
Und herzlich gestelzt klingt mein „Dankeschön, nein!“
Das muss zwar nicht, aber das darf mal so sein
Dass das lange, ruhige Leben sich wallt
Mein knarzendes Rückgrat mit Kraft überspült
So werd‘ von der Massen der Wasser, geballt
Ich bis zu den Knien durch die Sandbank gewühlt
Bald schlucke ich Wasser, bald riech‘ ich Ertrinken
Schon spann‘ ich die Flügel, noch tiefer zu sinken …
Dann geb‘ ich meinen Rumpf ’nen Stoß
Und heb‘ mich aus dem Sandsumpf los
Ich genieße wie niemals zuvor dieses Treiben
Mit Ruhe und Länge im Einklang zu bleiben
Doch jedem Hindernis zollt nun mein Wissen Respekt
Dass so viel Gewalt in der Stromlinie steckt

Aufziehende Gewitter.
Talkessel
Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh’n:
„Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!“
Und höhnisch erklingt auf den Höh’n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!
Vom See schweigt Kühle wie ein Grab
Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
„Weshalb kommen die Touristen?“
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